Zirkus macht stark – und glücklich

Ein gutes Körpergefühl und Kreativität werden in den Projekten von „Zirkus macht stark“ ebenso gefördert wie Selbstwertgefühl. Neben Angeboten für Kinder und Jugendlichen können sich auch Ehrenamtliche in Zirkus macht stark-Projekten weiterbilden.

Körperbeherrschung und Teamspirit am Trapez – die hohe Kunst der Akrobatik begeistert unter der Zirkuskuppel.

Körperbeherrschung und Teamspirit am Trapez – die hohe Kunst der Akrobatik begeistert unter der Zirkuskuppel.

Yves Sucksdorff für Zirkus macht stark e.V.

Wieviel Zirkusluft darf es denn sein? Eine Prise wöchentlich für zwei Stunden in einem Kurs? Oder lieber fünf Tage lang in der Manege trainieren? Vielleicht sogar 24/5 während eines Zirkuscamps inklusive Übernachtung? Der Verein „Zirkus macht stark“ hat eine Reihe von unterschiedlichen Formaten entwickelt: Zirkuskurse, Zirkuswochen, Zirkuscamps und auch Zirkusworkshops. Alle Freizeitangebote eigen sich hervorragend dazu, Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren für den Zirkus und seine vielfältigen Disziplinen zu begeistern.– vor allem Heranwachsende, die kaum Zugang zu Angeboten der kulturellen Bildung haben oder formalen Bildungsangeboten eher mit Skepsis begegnen. Wer unter ein Zirkuszelt schlüpft, hat nur wenig Schwellenängste zu überwinden. Der Zirkus symbolisiert wie kaum ein anderer Ort Lachen, Lebensfreude und Leidenschaft. Ob am Trapez, auf dem Einrad oder auf dem Balancebrett „Rola Bola“ – die Vielfalt der artistischen Disziplinen lädt alle ein, sich auszuprobieren.

Spannende Aufgaben auch jenseits der Manege

„Jeder findet seinen Platz und ist doch Teil des Ganzen“, fasst Karl Köckenberger, Projektleiter beim Verein „Zirkus macht stark“, einen zentralen Gedanken der Zirkuspädagogik zusammen. Der Gründer von CABUWAZI, dem Berliner Kinder- und Jugendzirkus, verweist auf die „einzigartige Selbstwirksamkeit“, die Teilnehmende in den Kursen erfahren: „Sie erleben sich selbst als kompetent, als akzeptierten Teil einer Gemeinschaft. Anerkennung stärkt das Selbstwertgefühl.“ Zudem vermittelt die Zirkuspädagogik spielerisch Zugänge zu weiteren künstlerischen Sparten wie etwa Theater, Tanz und Musik. Das geschieht bereits in den Einstiegsformaten Zirkuskurs und Zirkuswoche. In regelmäßigen wöchentlichen Treffen oder in Ferienangeboten testen die Teilnehmenden unterschiedliche artistischen Disziplinen, probieren sich aus in Jonglage, Pyramidenbau, Sprungakrobatik, Seil- oder Stelzenlaufen. Wer nicht im Rampenlicht stehen mag, findet spannende Aufgaben in der Kostümschneiderei, gestaltet Plakate, verfasst kurze Spielszenen oder kümmert sich um die Licht- und Tontechnik.

Regionale Ansprache und ein dichtes Netzwerk

Etwa „20 bis 30 Leuchttürme“ zählen zu den bewährten Bündnispartnern, sagt Karl Köckenberger. Das sind etablierte Freizeitvereine oder Zirkusschulen. „Und es kommen immer neue dazu“, ergänzt Karl Köckenberger. Nicht nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda, sondern auch weil der Verein „Zirkus macht stark“ gezielt interessierte Bündnispartner auf regionaler Ebene anspricht. So wurde etwa die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im hessischen Fulda oder das diakonische Werk im baden-württembergischen Emmendingen auf die zirkuspädagogischen Möglichkeiten aufmerksam gemacht. In Fulda kam es so zu einer Zirkuswoche, neben der Awo haben sich die Bonifatiusschule und der Zirkus Baldoni zusammengeschlossen. Neue Bündnispartner werden durch „Zirkus macht stark“ unterstützt, etwa durch die Vermittlung von Kontakten zu zirkuspädagogischen Einrichtungen oder auch zu fahrenden Zirkussen. „Auf diese Weise können wir unser Netzwerk immer noch dichter knüpfen“, erklärt Karl Köckenberger.

Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche

Der Netzwerkgedanke trägt auch die Formate „Zirkusworkshop“ für Sechs- bis Zwölfjährige und „Zirkusworkshoptreffen“ für Jugendliche (12-18 Jahre) sowie die Fortbildungsveranstaltungen für ehrenamtliche Kräfte. In einem Workshop über vier Stunden als offenes Angebot können Kinder an den Zirkus herangeführt werden. Das Workshoptreffen ermöglicht Begegnungen von Jugendlichen aus ganz Deutschland, die bereits Erfahrungen in den lokalen Bündnissen gesammelt haben. Sie tauschen sich aus und bilden sich weiter, etwa durch gemeinsame Trainings. Geprägt vom regionalen Ansatz sind auch die Fortbildungen für Ehrenamtliche auf lokaler Ebene. Über acht Stunden an einem Tag werden ihnen sowohl artistische wie pädagogische Fähigkeiten vermittelt. „Uns ist es ein Anliegen, die Zivilgesellschaft zu stärken. Deshalb kümmern wir uns um die Einbindung von Ehrenamtlichen in unsere Projekte. Wir machen deutlich, dass sie ausdrücklich erwünscht sind, sich und ihre Ideen einzubringen“, erzählt Karl Köckenberger.

Einen noch größeren Fokus auf sozialpädagogische Elemente legt die intensive Fortbildung „Sozialer Zirkus“, die zehn Tage dauert. Sie richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren und Ehrenamtliche, die als Trainerinnen und Trainer arbeiten möchten. „Ziel ist es, die Teilnehmenden fit zu machen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten an benachteiligte Kinder und Jugendliche weitergeben zu können“, erklärt Karl Köckenberger. „Die Fortbildungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Cirque du Soleil speziell für die Arbeit mit der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen mit einem erschwerten Zugang zu Bildung entwickelt und werden nur innerhalb von „Kultur macht stark“ angeboten.“

Zirkus macht stark e.V. ist einer von insgesamt 29 Förderern und Initiativen, die lokale Bündnisse dabei unterstützen, Kindern und Jugendlichen mit einem erschwerten Zugang zu Bildung kulturelle Angebote machen zu können. Zielgruppe der Zirkusarbeit sind Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum. Ziele der Vorhaben sind die Entwicklung und Stärkung sozialer und personaler Kompetenzen und die Unterstützung des interkulturellen Integrationsprozesses.