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Werbefilm fürs Streitschlichten

Movies in Motion – Mit Film bewegen – Bundesverband Jugend und Film e.V.

Herr Lincke, wie kamen Sie auf die Idee, das Thema „Streitschlichten“ medial zu begleiten?

Der Anstoß kam von den Kindern. Sie hatten in den 3. und 4. Klassen eine Streitschlichterausbildung gemacht. Sie wollten ihr Wissen weitergeben, wollten quasi einen Werbefilm fürs Streitschlichten drehen - und zwar über ihre Erfahrungen hinaus, die sie in der Schule gesammelt habe. Unser Medienprojekt ist ein außerschulisches Angebot, das nachmittags in den Räumen des Horts stattgefunden hat. Meine Kollegin Antje Krieck und ich hat das sofort überzeugt, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder als Experten selbst am besten wissen, was andere Kinder interessiert.

Worum geht es beim Streitschlichten?

Es geht darum, mit Konflikten umzugehen. Früh zu erkennen, wo sie vorliegen, gegebenenfalls zu erkennen, wo der eigene Anteil liegt. Kinder in den 3. und 4. Klassen lernen, die Sichtweisen und Perspektiven zu wechseln, sie trainieren Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten. Kinder brauchen Konflikte, um sich ausprobieren und um zu erfahren, wie Gemeinsamkeiten und Unterschiede verhandelt werden können. Sie werden Teil einer konstruktiven Streitkultur, in der unterschiedliche Interessen ihren Platz haben und in der es Regeln für den Umgang mit Konflikten gibt.

Wie ist es den Kindern gelungen, das filmisch umzusetzen? Und haben nur Streitschlichter mitgemacht?

Jeder kann sich auf der Seite streite-einfach-loesen davon überzeugen, wie gut es gelungen ist. Die Mädchen und Jungen haben sich viel ausgedacht, viel ausprobiert und waren mit Feuereifer bei der Sache. Auch wurden eine Mutter und eine Lehrerin interviewt. Zudem waren ausdrücklich alle Schüler eingeladen nicht nur die Streitschlichter. Einige Kinder hatten Interesse an den Inhalten und, wollten ihr Thema quasi den folgenden Schülergenerationen ans Herz legen. Andere hatten einfach Bock auf Technik, die wollten filmen oder gefilmt werden – je nach Temperament. Das ist ja das Schöne an diesem Projekt, dass am Ende alle etwas davon haben.

Womit haben Sie denn gefilmt? Welches technische Equipment konnten Sie einsetzen?

Die Kinder arbeiteten mit Tablets. Das machen sie gerne, das kennen die meisten von zu Hause, aus dem Alltag der Eltern. Sie durften ausprobieren, wonach ihnen der Sinn steht. Anfangs ging es los mit Selfies, dann ging es nach und nach tiefer ins Detail. Die Kinder experimentierten mit dem Ton, hielten die Mikros zu, ließen Filmschnipsel vor- und rückwärts laufen. Wir setzten unterschiedliche Apps ein – iMovie, Puppet Pals HD oder Action Movie. Die Kinder wollten gerne zeigen, wie die Streitschlichtung abläuft – aber auch wie sie nicht ablaufen sollte.

Apropos Mutter – gab es bei den Eltern Bedenken? Es gibt ja auch einen Film, der im Internet zu sehen ist. Und das Netz vergisst bekanntlich nichts…

Selbstverständlich lernen Kinder in einem Medienprojekt auch Regeln einzuhalten. Ohne Erlaubnis wird zum Beispiel niemand fotografiert. Schon Grundschulkinder wissen, dass sie das Recht am eigenen Bild haben. Eltern werden informiert und geben ihre Einverständniserklärung. Sie machen sich sehr wohl Gedanken darüber, bevor sie ihr Okay geben.

Das Projekt wurde gefördert vom Bundesverband Jugend und Film e.V. Projektpartner sind die Grundschule Laußnitz, die zukunftswerkstatt dresden gemeinnützige GmbH sowie der Internationaler Bund – IB Mitte gGmbH, Niederlassung Sachsen.