Vielfalt ist Programm

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) ist der Dachverband für Kulturelle Bildung in Deutschland. Als engagierter Programmpartner von „Kultur macht stark“ kümmert sie sich auch um die Netzwerkarbeit und den Fachaustausch.

Das gemeinsame Ausprobieren und Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien wie Holz und Papier macht gut Laune.

Das gemeinsame Ausprobieren und Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien wie Holz und Papier macht gut Laune.

BKJ | Andi Weiland

Sie fördert lokale Bündnisse für Bildung, unterstützt Akteure vor Ort bei der Vernetzung und macht sich stark für den Fachaustausch: Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) ist der Dachverband für Kulturelle Bildung in Deutschland. Mehr als 50 Fachorganisationen und Landesdachverbände haben sich bundesweit in der BKJ zusammengeschlossen. Sie sind in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Medien, Museum, Musik, Spiel, Tanz, Theater und Zirkus aktiv.

Spartenvielfalt in den von der BKJ geförderten Projekten

„Vielfalt ist eben Programm bei uns“, lacht Kerstin Hübner, die nicht nur den Fachbereich Kooperation, Bildung, Innovationbei der BKJ leitet, sondern auch die Programmleitung von „Künste öffnen Welten” übernommen hat. Das Konzept setzt auf das Potenzial aller Künste, um Kindern und Jugendlichen, die wenig Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten haben, Wege zur eigenen kreativen Entfaltung zu eröffnen. Bildende Kunst, Musik, Tanz/Theater und Literatur, aber auch Spielpädagogik, Medien und Jugendkulturen bieten einzigartige Erfahrungsmöglichkeiten. Mit ihnen verstehen und gestalten junge Menschen in den Projekten ihre (Um-)Welt.

In der ersten Förderphase von 2013 bis 2017 wurden 662 Bündnisse auf die Beine gestellt, seit 2018 in der zweiten Phase bisher noch einmal weitere 500. „Die meisten Bündnisse arbeiten mit bildender Kunst, Theater und Musik. Gleichwohl gab es viele Projekte, die einen starken Bezug zu Alltagskulturen haben, ganz besonders auch zu digitalen Medien. Die allermeisten kombinieren mindestens drei Sparten.“

Gesellschaftliche relevante Fragen sind Thema

Unabhängig davon, ob die Kinder und Jugendlichen in literarischen, musikalischen oder tänzerischen Ausdrucksformen ihr Potenzial entdecken und damit ihre Persönlichkeit entfalten, beschäftigen sie sich bei den durch die BKJ geförderten Projekten meist auch mit gesellschaftlich relevanten Themen: Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Wie können Partizipation und Demokratie gestärkt werden? Welche Rechte haben Kinder und Jugendliche überhaupt? „Tatsächlich geben wir Kindern eine Stimme, etwa im Hamburger Projekt Radiofüchse“, beschreibt Kerstin Hübner. „Hier können sie über das Thema Klima reden und über Dinge, die sie in der Lockdown-Phase während der Coronapandemie beschäftigt haben.“

Kinder und Jugendliche sollen gehört werden – nicht nur, was ihre Ängste in Corona-Zeiten angeht.

Kinder und Jugendliche sollen gehört werden – nicht nur, was ihre Ängste in Corona-Zeiten angeht.

BKJ | Andi Weiland

Projekte anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“

Einige durch die BKJ geförderte Projekte haben sich vom Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ inspirieren lassen. Dazu gab es eine besondere Ausschreibung. Denn: Das Bauhaus ist nicht nur ein Meilenstein in der Architektur und der Kunst, sondern auch ein revolutionärer Beitrag zur Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. Sowohl im Projekt „Wo finden wir Spuren der Bauhaus-Philosophie im Quartier?" in Bochum, wie auch im Projekt „100 Jahre Bauhaus – Eine Spurensuche“ erhielten die Teilnehmenden viele Impulse, schlugen den Bogen aus der Geschichte des Bauhauses ins Heute und beschäftigten sich darüber hinaus mit der eigenen Zukunft. In Bochum erforschten Zehn- bis 18-Jährige ihr Quartier, näherten sich dem Thema Gestaltung des Stadtraums durch Farbe, Formen und Raumaufteilung an.

Selbstvertrauen der Teilnehmenden gestärkt

In Leipzig beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem mit der Idee des Bauhauses, die Handwerk und Künste verbindet – und zwar so, dass sie für alle Menschen, unabhängig von Status und Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen, Bedeutung haben. Die Jugendlichen der Oberschule am Weißplatz in Leipzig (siebte bis neunte Klasse) gingen auf Spurensuche in ihrer direkten Lebensumwelt, machten einen Ausflug in die Welt der Bauhauskünstlerinnen und -künstler in Dessau und experimentierten anschließend selbst mit unterschiedlichen Materialien wie Holz, Papier, Glas, Metall und Stoff.

Kerstin Hübner berichtet, dass es Kooperationspartnern in Leipzig gelungen ist, das Selbstvertrauen der Teilnehmenden zu stärken: „Einige der Jugendlichen hatten Angst, etwas falsch zu machen, weil sie zuvor wenig mit den Künsten zu tun hatten. Es mangelte ihnen an Selbstvertrauen und sie wollten daher ganz genaue Vorgaben haben. Den pädagogischen Fachkräften ist es gelungen, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Dafür ist Kontinuität nötig, das Vertrauen muss wachsen können.“ Ein anderer wichtiger Aspekt: Das Projekt hat die Jugendlichen fürs Handwerk interessiert, sie sind so auch auf bisher unbekannte Berufsfelder aufmerksam geworden.

Damit Erfahrungen aus den Bündnissen weitergegeben werden können, engagiert sich die BKJ auch für den Fachaustausch. Sie organisiert „Transfertage“, zu denen Bündnisse zusammenkommen. Im Jahr 2020 und auch im Mai 2021 lief der Austausch in einem virtuellen Format, zum Beispiel zu den Themen der Kompetenzreflexion oder zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Im Herbst 2021 ist erneut ein „Transfertag“ geplant, es wird um das Thema „Digitalität“ gehen – und alle wünschen sich, dass es dann wieder ein persönliches Treffen geben kann.

Das Förderprogramm „Künste öffnen Welten“ der BKJ ermöglicht kulturelle Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis 18 Jahre, die bisher keine oder nur sehr wenige Zugänge zu Kunst und Kultur hatten, zum Beispiel weil ihr familiäres Umfeld das nicht ermöglichen kann oder sie strukturell diskriminiert werden. Umgesetzt werden die Projekte von Bündnissen aus Bildungs- und Kulturvereinen, Jugendkunstschulen, Theatern, Bibliotheken, Jugendzentren, lokalen Initiativen, Heimen und Schulen. In Hamburg werden unter anderem Medienprojekte gefördert, die Kindern eine Stimme geben, wie etwa die Projektseite „Radiofüchse“ zeigt.