Viel Theater mit den Robotern

Fliegende Schweine und Hühner mit Superkräften: Beim „talentCAMPus“ in Wolmirstedt, Sachsen-Anhalt eroberte eine Theatertruppe aus Mädchen und Jungen mit selbst gebauten und programmierten Mini-Robotern die Bühne.

Laura mit anderen Teilnehmerinnen von "Theater meets robotics"

Kreisvolkshochschule Börde

Großer Aufruhr im Bildungs- und Freizeitzentrum Wolmirstedt im Landkreis Börde, Sachsen-Anhalt: Der böse Stinkefinger und der fiese Yogi verbreiten Angst und Schrecken. Doch gemeinsam mit einem heldenhaften Huhn und einem fliegenden Schwein überwinden 20 Jungen und Mädchen die Bösewichte – und ernten dafür reichlich Beifall von ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern im Publikum. Das Highlight der Aufführung: Auf der Bühne tummeln sich auch mehrere kleine Roboter, gebaut, programmiert und kunstvoll dekoriert von den Teilnehmenden im „talentCAMPus“-Projekt „Theater meets Robotics“. Eine Ferienwoche lang haben die neun- bis 14-Jährigen an ihren Geschichten und den Figuren gewerkelt. Die Anspannung vor der Präsentation war groß, wie Max Oliver, zehn Jahre, berichtet: „Meine Rolle war der TV-Moderator, und ich war sehr aufgeregt.“ Umso schöner war der Moment danach: „Ich habe mich gut gefühlt und war erleichtert, dass ich alles gut gemacht habe.“

Frische Ideen und vertraute Partner

Auch Projektleiter Enrico Viohl und sein Team freuen sich über das Ergebnis der intensiven Ferienwoche: „Unser Anspruch ist, dass die Teilnehmer nicht konsumieren, sondern selbst aktiv sind. Das Schöne ist: Alle sind dabeigeblieben und unglaublich stolz“, erzählt der Diplom-Sozialpädagoge von der Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt Börde e. V. Der Bündnispartner hat bereits mehrfach mit der Kreisvolkshochschule Börde und der Stabsstelle Kultur und Sport im Landkreis Börde „talentCAMPus“-Projekte auf die Beine gestellt. Die Idee, erstmals digitale Technik und analoges Theater zu verknüpfen, kam von Viohl. Das Bündnis holte sich dafür Unterstützung von einem Magdeburger Software-Unternehmen, das Roboterkurse für Kinder und Jugendliche anbietet. Gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften aus der Schulsozialarbeit gelang es, ein stimmiges Konzept zu erarbeiten. Die Pädagogen warben ebenso wie die Volkshochschule gezielt für das Projekt. Sie kennen die Schülerinnen und Schüler persönlich und wissen daher, wer von einem solchen Ferienangebot besonders profitiert.

Technik, die begeistert

Für die Teilnehmenden war die Aussicht auf ein Projekt mit Robotern ein starker Anreiz. „Sowohl die Jungen als auch die Mädchen waren sehr interessiert an der Technik“, sagt Viohl. Wie zum Beispiel die neunjährige Lara: „Besonders Spaß gemacht hat mir, dass ich Neues über Roboter gelernt habe, zum Beispiel wie man die Kabel dran befestigt“, erzählt sie. Ihr Lieblingsroboter war Henriette, das fliegende Schwein, „weil es seine Flügel so toll bewegt“. Auch für Max Oliver waren die Roboter Highlight, aber auch Herausforderung: „Das Programmieren am Laptop war neu für mich und auch schwierig. Aber ich hatte ja Hilfe.“ Zwei Informatikerinnen unterstützten die Teilnehmenden dabei, die Legofiguren zusammenzusetzen und mit einer Software Bewegungen zu programmieren – damit die Roboter in den Geschichten mitspielen konnten, die parallel in den Theaterworkshops entstanden. So bekam TV-Moderator Max Oliver zum Beispiel einen fahrenden Assistenten an die Seite gestellt.

Alle ziehen an einem Strang

Max und andere Teilnehmende von "Theater meets robotics"

Kreisvolkshochschule Börde

„Wichtig war uns, dass die Informatikerinnen als Teil unseres Teams die Kinder von Anfang an begleiten“, betont Viohl, der gute Teamarbeit vorleben möchte. Schließlich geht es beim „talentCAMPus“ auch darum, soziale Kompetenzen zu stärken. Im Projekt lernen die Teilnehmenden, Entscheidungen aushandeln und Verantwortung übernehmen, etwa bei der Ausgestaltung der Präsentation. Das Projektteam moderiert die Prozesse: Am ersten Tag zogen alle symbolisch an einem Seil, bei den täglichen Feedbackrunden konnte jeder auch Schwierigkeiten ansprechen. Ließ die Konzentration nach, wurde Fußball gespielt und Trampolin gesprungen. Dass Teamarbeit fordert, haben auch die Teilnehmenden gemerkt: „Es war ungewohnt, weil ich nur wenige kannte“, sagt Max Oliver. „Aber es hat Spaß gemacht.“ Lara war ebenfalls zufrieden, „nur manchmal haben die Jungs genervt.“

Und was bleibt nach der Ferienwoche? Eine ganze Menge, weiß Viohl zu berichten. Von den Schulen hört er, dass die Kinder selbstbewusster auftreten. Er selbst hat das auch bei Lara festgestellt, die schon an einem früheren Projekt teilgenommen hatte. Der Sozialpädagoge ist froh, dass „Kultur macht stark“ Projekte in dieser Form ermöglicht und damit Kindern, die sonst keine außerschulischen Bildungsangebote wahrnehmen können, neue Perspektiven eröffnet. „Die Kinder brauchen solche Spielwiesen jenseits des Schullalltags.“ Die Eltern fragen schon jetzt, wann der nächste „talentCAMPus“ stattfindet. Auch Max Oliver und Lara sind sich einig: „Wir würden auf jeden Fall wieder mitmachen!“