Vertrauenssache: Wie die Elterneinbindung gelingt

Beim Kulturcamp im niedersächsischen Barnstorf trägt der persönliche Kontakt zu den Eltern der teilnehmenden Kinder entscheidend zum Erfolg des integrativen Projekts bei. Gefördert wird die Ferienmaßnahme vom Verein BAG Zirkuspädagogik.

Kinder im Kulturkamp in Barnstorf

VGB e. V., 2018

Integration durch Aktion lautet das Motto im Kulturcamp „Eine Reise um die Welt – Sprachen und Kulturen im Zirkus“ im niedersächsischen Landkreis Diepholz. Dieser Ansatz hat sich bewährt, sagt Isabell Gerken. Die Erzieherin und Zirkuspädagogin leitet das Projekt im Welthaus Barnstorf, in dem 28 Kinder mit Fluchterfahrung über 14 Tage lang in andere Rollen schlüpfen können. So wie Ahmed (10) und Ehsan (12), die bereits zum zweiten Mal im Zirkus Barbarella dabei sind. Die integrative Wirkung des Projekts beschränkt sich nicht auf die teilnehmenden Kinder. Über das Kulturcamp gelingt es auch, nachhaltige Kontakte mit deren Eltern zu knüpfen. Manuela Wiese, die für den Verein ganzheitliche Bildung (VGB) mit der Organisation des Kulturcamps betraut ist, legt bereits im Vorfeld des Camps Wert auf die Einbindung der Eltern. „Wir sind mit den Schulen vernetzt und kennen die Anbieter für Sprachkurse“, schildert Manuela Wiese. „Dadurch stehen wir bereits in Kontakt zu Eltern mit Fluchthintergrund. Dass sie uns kennen, erleichtert ihnen den Schritt, ihre Kinder teilnehmen zu lassen.“

Integration durch Beziehungsarbeit

Manuela Wiese ist überzeugt, dass Integration vor allem durch Beziehungsarbeit gelingt. So wie die engagierten Bündnispartner sie leisten. Das Welthaus Barnstorf des VGB ist schon seit vielen Jahren Ort und Impulsgeber für interkulturelle und bildungspolitische Arbeit in der Region – und setzt sich für den Dialog zwischen den Kulturen ein. Kooperationspartner des VGB sind das Lokale Bündnis für Familie in Barnstorf, das wiederum mit dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) zusammenarbeitet.

Das Bündnis sorgt dafür, dass die Eltern ihre Kinder in guten Händen wissen. „Vertrauen ist wichtig, schließlich sind die Kinder zwei Wochen lang für viele Stunden in der Obhut fremder Personen“. Hinzukommt, dass die Anreise im ländlichen Raum nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist. So fahren beispielsweise die Kinder aus den Orten Syke und Diepholz mit der Bahn nach Barnstorf. Um eine sichere An- und Abreise zu gewährleisten, werden sie von den Gruppenleitern und -leiterinnen begleitet. Für Kinder aus anderen Ortschaften wird der Transport im Auto organisiert.

Unter dem Zirkuszelt zusammenfinden

Ahmed, Ehsan und die anderen Kinder im Altern von sieben bis zwölf Jahren stellen mit großem Eifer ihre Geschicklichkeit bei Jonglage, Seiltanz und Akrobatik unter Beweis. „Sprachbarrieren werden beim gemeinsamen Üben für die Zirkusnummern quasi nebenbei gemeistert“, weiß Isabell Gerken zu berichten. „Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie in den 14 Tagen eine Gruppe zusammenfindet, die sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam etwas auf die Beine stellt.“

Krönender Abschluss des Kulturcamps ist eine große Zirkusvorstellung. Die Mütter und Väter sind selbstverständlich eingeladen zu sehen, wie ihre Kinder in der Manege selbstbewusst ihre Kunststücke präsentieren. Und fröhliche Kinder geben wiederum ihren Eltern Zuversicht. Das aufgebaute Vertrauen wird nachhaltig gestärkt und hilft auch, den Kontakt zu den geflüchteten Familien über das Ende des Ferienprojekts hinaus aufrechtzuerhalten. Geplant ist, dass sie beim großen „Cross Culture“-Fest, das der VGB im Herbst in Barnstorf veranstaltet, aktiv mitwirken: Die Eltern werden Spezialitäten aus verschiedenen Kulturen anbieten, während die jungen Artistinnen und Artisten in einem Mitmachzirkus noch einmal das Gelernte zeigen und gemeinsam mit Kindern der Umgebung Spaß in der Manege haben.