Projektbeispiele

Mit der Unterstützung engagierter Seniorinnen und Senioren gelingt es im Generationenhaus Bahnhof Hümme e. V., niedrigschwellige Ferienangebote für Jugendliche anzubieten. Vom gegenseitigen Austausch profitieren Jung und Alt gleichermaßen.

Lernen Sie Beispiele für Gute Praxis aus den bislang über 8.000 Bündnissen und 17.000 lokalen Projekten kennen. Wir stellen Bündnisse vor, die überzeugende Konzepte für niedrigschwellige Angebote entwickelt haben, anspruchsvolle Projekte umsetzen oder die es schaffen, kulturelle Bildung langfristig vor Ort zu verankern.

Gelungenes Zusammenspiel von Jung und Alt 

Förderer: Deutscher Volkshochschul-Verband e. V.

Teilnehmende am "talentCAMPus"-Ferienprojekt

Diethart Rindermann

Offenes Frühstück, Kinderchor oder Spiele-Café: Im Generationenhaus Bahnhof Hümme e. V. im Landkreis Kassel ist eine Menge los. Mit der Stadt Hofgeismar hat der Verein das historische Gebäude zu einem Begegnungsort ausgebaut. Dank der gut funktionierenden Zusammenarbeit werden dort zum Beispiel „talentCAMPus“-Ferienprojekte angeboten – wie die diesjährige „Kunstwerkstatt – Fotografie trifft Malerei“. Über „Pro Jugend“, einer Initiative für aufsuchende Jugendarbeit, finden junge Menschen den Weg ins Generationenhaus. Dort haben sie die Chance, Neues auszuprobieren. Und sie treffen auf engagierte Menschen mit Lebenserfahrung.

Das Zusammenspiel der Generationen ist ein Erfolgsgarant für die Bildungsangebote. Die Älteren fühlen sich wertgeschätzt, wenn sie ihr Wissen an die Jugendlichen weitergeben. Wie zum Beispiel der passionierte Fotograf Diethart Rindermann. Der 69-Jährige vermittelte im Ferienkurs seine Leidenschaft für gute Bilder und Techniken der Bildbearbeitung an eine Gruppe von Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren. Darüber hinaus haben die Seniorinnen und Senioren im Generationenhaus ein offenes Ohr für die Jugendlichen, ob bei persönlichen Schwierigkeiten oder Fragen zur Ausbildung. So profitieren sie von der Lebenserfahrung und der Gelassenheit der älteren Generation. Eine echte Win-win-Situation für beide Seiten.  
 


Mit einem Mix aus realem und virtuellem Spiel begeistern

Förderer: BAG Spielmobile e. V.

Eine Teilnehmerin von "Kultur macht stark" beim Malen eines Labyrinths

Spiellandschaft Stadt e. V.

Endlich Ferien, endlich ungestört mit dem Smartphone spielen? Das ist auf Dauer ziemlich langweilig. Ein Münchner Bildungsbündnis im Stadtteil Neuaubing-Westkreuz hatte eine bessere Idee: Beim einwöchigen „Geomazing“-Workshop verwandelten zwanzig Kinder zwischen sechs und elf Jahren ihr Viertel in ein virtuelles Labyrinth (engl. maze). Dabei erkundeten sie spielerisch ihre Umgebung und lernten gleichzeitig, digitale Technologien kreativ zu nutzen. Der Workshop ist eines von mehreren spielpädagogischen Angeboten, die das Bündnis aus dem Spielhaus am Westkreuz des Spiellandschaft Stadt e. V., dem städtischen Hort und der Stadtteilbibliothek im Projekt „Entdecker gesucht!“ umsetzt.

Das Besondere: Statt eine vorgegebene GPS-Rallye zu durchlaufen, kreierten die Kinder selbst gemeinsam eine digitale Schnitzeljagd. Dafür begaben sie sich – ausgestattet mit Kartenmaterial – auf die Suche nach möglichen Wegen und interessanten Orten im Viertel. Das gesammelte Material zeichneten die Kinder in eine digitale Karte ein und versahen das Labyrinth mit Rätseln und Aufgaben. Dabei kam die einfach zu bedienende App „Echoes“ zum Einsatz. Anschließend wurde das Spiel im Selbstversuch getestet und ausgewertet. Durch die Mischung aus digitaler Technik, kreativem Gestalten und Bewegung im Freien fühlten sich Mädchen und Jungen gleichermaßen angesprochen. Besonders motivierte die Teilnehmenden auch die Aussicht, dass ihr Labyrinth in der App veröffentlicht wird, so dass sie es später mit Freunden oder Familie erneut spielen können. 
 


Verbindlichkeit schaffen und nachhaltig motivieren 

Initiative: Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e. V.

Kultur macht stark-Projekt "Der Lesetroll": Die Teilnehmer sind begeistert!

Immer mit dabei: Autorin Hanna Jansen (oben rechts) und der Lesetroll.

Gabriela Blümke-Haferkamp

Seit Januar 2018 entdecken Trierer Kinder mit Autorin Hanna Jansen die Welt der Bücher. Im Projekt „Unterwegs mit dem Lesetroll“ erleben sie ein Jahr lang Literatur hautnah und entwickeln in Schreibwerkstätten eigene Geschichten. Umgesetzt wird die Autorenpatenschaft vom Friedrich-Bödecker-Kreis, dem Jugendtreff Ehrang-Quint und dem Friedrich-Spee-Gymnasium. Das Trierer Bündnis arbeitet schon seit fünf Jahren mit mehreren Autorinnen und Autoren zusammen. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder durch die lange Laufzeit der Projekte und die intensive Textarbeit ihre Schreib- und Lesefähigkeiten deutlich verbessern. Insbesondere der persönliche Austausch mit den Autorenpaten motiviert sie nachhaltig zum Lesen. Die Schreibwerkstätten finden in regelmäßigen Abständen statt und ermöglichen eine intensive Begegnung: Die Autorenpaten gehen auf die Teilnehmenden ein, nehmen ihre Texte mit, redigieren sie und besprechen sie beim nächsten Treffen – das spornt die Kinder an, auch über lange Zeit am Ball zu bleiben. Viele Kinder haben bereits mehrfach an Patenschaften teilgenommen, sodass echte Lesefreundschaften zu den Autorinnen und Autoren entstanden sind.  

Motivation und bleibende Erinnerung sind auch die Bücher mit den Texten der Kinder, die am Ende einer jeden Patenschaft erscheinen. Schon jetzt sind die Teilnehmenden im Projekt „Unterwegs mit dem Lesetroll“ gespannt auf das Buch, das sie bis Jahresende gemeinsam mit Hanna Jansen erarbeiten. Die Kinder erhalten dann ein Exemplar des Buches, das auch regulär im Handel bestellt werden kann. Außerdem wird das Gemeinschaftswerk bei einem großen Lesefest im Kurfürstlichen Palais Trier feierlich präsentiert – natürlich im Beisein der jungen Autorinnen und Autoren. 
 


Netzwerke nutzen – über das Bündnis hinaus

Förderer: Bundesverband Popularmusik e. V. 

Jugendlicher rapt auf der Bühne des Musikmobil Soundtrucks.

Musikmobil Soundtruck/Joe Harmon

Im Tonstudio des „Musikmobil Soundtruck“ – einer Einrichtung des Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe (StJA) – wird hart gearbeitet: Mit professioneller Unterstützung feilt eine Gruppe 14- bis 18-Jähriger an eigenen Rap-Songs. Viele von ihnen haben Migrations- oder Fluchthintergrund. Ins „Rap Labor“ bringen sie mit, was sie persönlich beschäftigt: Themen wie Identität, Beziehungen, die eigene Zukunft. Das vom Bundesverband Popularmusik geförderte Projekt gibt den Jugendlichen einen Raum, um sich über ihre Musik auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Und nicht nur das: Da die Bündnispartner gut mit kulturellen und sozialen Einrichtungen in Karlsruhe vernetzt sind, erhalten die Nachwuchs-Rapper auch die Chance, ihre Songs vor Publikum zu präsentieren. 

Möglich wurde so zum Beispiel ein Auftritt der jungen Rapper auf dem Südstadtfestival, das vom Kinder- und Jugendhaus Südstadt mitveranstaltet wird. Die Einrichtung ist ebenfalls unter dem Dach des StJA aktiv. Auch im Rahmen von „Das Fest“, einem der größten Festivals im Südwesten, durften die jungen Rapper auf die Bühne. Ermöglicht wurde auch dies durch die enge Zusammenarbeit des StJA mit dem Veranstalter des Festivals. Vom Karlsruher Netzwerk profitieren die Teilnehmenden des „Rap Labor“ auch über das Projekt hinaus: So ist aus einer Gruppe Ehemaliger eine Band entstanden, die bereits im „Substage“ aufgetreten ist. Der Club ist ebenfalls engagierter Akteur im Netzwerk und neben dem Popbüro Baden-Württemberg Bündnispartner des Projekts. 
 


Gelungene Ansprache im vertrauten Umfeld 

Förderer: Zirkus macht stark / Zirkus für alle e. V.

Teilnehmende schnuppern Zirkusluft bei „Der Zirkus kommt und du machst mit“

Jugendhilfe Cottbus e. V.

Im Zentrum von Cottbus betreibt der Verein Jugendhilfe Cottbus e. V. einen offenen Kinder- und Jugendtreff. Das Familienhaus am Spreeufer befindet sich nicht weit vom Stadtteil Sandow. In dem Plattenbau-Viertel leben überdurchschnittlich viele Familien mit geringem Einkommen, alleinerziehenden Eltern oder Migrations- und Fluchthintergrund. Die Kinder und Jugendlichen aus Sandow nutzen regelmäßig die unverbindlichen Angebote des Kinder- und Jugendtreffs. Im Rahmen von „Kultur macht stark“ konnten sie im Projekt „Der Zirkus kommt und du machst mit“ eine Ferienwoche lang in die Welt des Zirkus eintauchen.

Um mögliche Hürden für eine Teilnahme aus dem Weg zu räumen, ging der Jugendhilfe-Verein als Sozialraumpartner im Bündnis gezielt auf die Kinder und deren Eltern zu. Dabei knüpfte der Verein an Vertrautem an: So hatten die Kinder zuvor schon beim offenen Zirkustraining im Familienhaus „Manegenluft“ geschnuppert. Auch bewarb das Team der Jugendhilfe die Ferienwoche frühzeitig und wiederholt bei den Kindern im Kinder- und Jugendtreff und suchte bei Interesse den Kontakt zu den Eltern.

Viele persönliche Gespräche, praktische Unterstützung beim Ausfüllen der Anmeldung, die Organisation von Fahrdiensten und eine kontinuierliche Betreuung durch Vertrauenspersonen der Jugendhilfe vor Ort: All das trug dazu bei, dass schließlich 25 Sandower Jungen und Mädchen zwischen sieben und 14 Jahren fünf intensive Zirkustage erleben konnten – professionell angeleitet durch den Weimarer Kinder- und Jugendzirkus „Tasifan“ und das Zirkuspädagogische Zentrum Harlekids e. V. aus Senftenberg als weitere Partner im Bündnis. 
 


Ehrenamt? Unverzichtbar!

Förderer: Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. 

Kinder aus dem Hort "Future Kids" beim Spielen

Daniela Melzig

Wenn die Kinder aus dem Hort „Future Kids“, die an dem Ferienprojekt „Wir können Kunst“ im Freilichtmuseum für Volkskunde in Schwerin-Mueß teilnehmen, gemeinsam mit der Künstlerin Daniela Melzig fantasievolle Gipsfiguren entstehen lassen, unterstützen zahlreiche ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern vom Museumsförderverein „Klöndör e.V.“ die Kinder und die Künstlerin. Ihr vielfältiges Engagement ist für das Projekt unverzichtbar.

Die ehemalige Redakteurin und Vereinsvorsitzende Ute Hartig ist eine der ehrenamtlich tätigen Helferinnen. Sie unterstützt die Künstlerin im kreativen Prozess meistens drei Tage in der Woche und trägt dazu bei, dass eine verhältnismäßig große Gruppe von zwölf Kindern Gipsfiguren in hoher Qualität zuwege bringt und immer genügend Ansprechpartner ein offenes Ohr für die vielen Fragen der Kinder haben. Gerade in der Arbeit mit Kindern, die Förderbedarf haben, werden viele helfende Hände benötigt. Ehrenamtliche Unterstützung sorgt auch für das leibliche Wohl der Jungen und Mädchen. Im Sommer findet das von den Ehrenamtlichen frisch zubereitete Mittagessen ab und an im idyllischen Garten an einer großen Tafel statt; ein familiärer Rahmen, den die Kinder sehr genießen.

So machen es Ehrenamtliche den Kindern leicht, etwas ganz Neues auszuprobieren: Viele der teilnehmenden Kinder betreten zum ersten Mal in ihrem Leben ein Museum. Dort erhalten sie die Chance, selbst kreativ tätig zu werden. Daniela Melzig staunt immer wieder, wie ausdauernd die Kinder mit Begeisterung bei der Sache sind. Oft signalisieren die begleitenden Horterzieherinnen, dass ein Kind im Alltag kaum konzentrationsfähig sei – aber wenn es im Museum selbst künstlerisch tätig wird, ist es mit ganzem Herzen stundenlang dabei. Das gelte auch für Kinder, die aufgrund einer geistigen Behinderung einen Förderstatus haben. Umso schöner sei es, wenn sie mit der Kunst Erfolge erzielten, so Daniela Melzig. 
 


Jugendliche bei der Probe für das Theaterprojekt Vahr Power e.V.

 Bürgerzentrum Neue Vahr e.V.

Nutzung lokaler Netzwerke

Förderer: Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V.

Kompetente und verlässliche Partner sind die Basis für erfolgreiche Bündnisse für Bildung. Bei der Suche nach möglichen Bündnispartnern hat es sich in der Praxis bewährt, bestehende Netzwerke zu nutzen – so wie im Beispiel des Theaterprojekts „Vahr Power!“. Darin entwickeln Bremer und geflüchtete Jugendliche in offenen Werkstätten und regelmäßigen Gesamtreffen ein Theaterstück mit Tanz und Musik. Die drei beteiligten Bündnispartner setzen sich bereits seit mehreren Jahren gemeinsam für ein tolerantes Miteinander im multikulturellen und sozial benachteiligten Stadtteil Vahr ein.

Federführender Bündnispartner ist das Bürgerzentrum Neue Vahr, das Räumlichkeiten und Technik zur Verfügung stellt. Als zweiten Partner konnte das Zentrum das Improvisationstheater Inflagranti gewinnen. Die Mitglieder der Theatergruppe stehen den Jugendlichen als Coaches zur Seite und bringen dabei ihre langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten ein. Der dritte Partner im Bund ist die Oberschule an der Kurt-Schumacher-Allee, die das Projekt unter Schülerinnen und Schülern, insbesondere in den Sprachklassen für Geflüchtete, bekanntmacht. Regelmäßig finden in der Schule kleine Aufführungen statt, um noch mehr Jugendliche für das Projekt zu begeistern.

Die gute Zusammenarbeit fruchtet: Einen Monat nach Start des Projekts zählte die Theatertruppe bereits 29 Mitglieder, 21 von ihnen haben Migrations- oder Fluchthintergrund. In einem kreativen Austausch über Sprachgrenzen hinweg arbeiten sie an dem Bühnenstück, das an verschiedenen Orten in Bremen aufgeführt werden soll. 
 

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