Projektbeispiele

Lernen Sie hier Gute-Praxis-Beispiele kennen. Wir stellen Bündnisse vor, die Konzepte für niedrigschwellige Angebote entwickelt haben, anspruchsvolle Projekte umsetzen oder die es schaffen, kulturelle Bildung langfristig vor Ort zu verankern.

Lernen Sie Beispiele für Gute Praxis aus den bislang über 8.000 Bündnissen und 17.000 lokalen Projekten kennen. Wir stellen Bündnisse vor, die überzeugende Konzepte für niedrigschwellige Angebote entwickelt haben, anspruchsvolle Projekte umsetzen oder die es schaffen, kulturelle Bildung langfristig vor Ort zu verankern.

Ehrenamt? Unverzichtbar!

Förderer: Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. 

Kinder aus dem Hort "Future Kids" beim Spielen

Daniela Melzig

Wenn die Kinder aus dem Hort „Future Kids“, die an dem Ferienprojekt „Wir können Kunst“ im Freilichtmuseum für Volkskunde in Schwerin-Mueß teilnehmen, gemeinsam mit der Künstlerin Daniela Melzig fantasievolle Gipsfiguren entstehen lassen, unterstützen zahlreiche ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern vom Museumsförderverein „Klöndör e.V.“ die Kinder und die Künstlerin. Ihr vielfältiges Engagement ist für das Projekt unverzichtbar.

Die ehemalige Redakteurin und Vereinsvorsitzende Ute Hartig ist eine der ehrenamtlich tätigen Helferinnen. Sie unterstützt die Künstlerin im kreativen Prozess meistens drei Tage in der Woche und trägt dazu bei, dass eine verhältnismäßig große Gruppe von zwölf Kindern Gipsfiguren in hoher Qualität zuwege bringt und immer genügend Ansprechpartner ein offenes Ohr für die vielen Fragen der Kinder haben. Gerade in der Arbeit mit Kindern, die Förderbedarf haben, werden viele helfende Hände benötigt. Ehrenamtliche Unterstützung sorgt auch für das leibliche Wohl der Jungen und Mädchen. Im Sommer findet das von den Ehrenamtlichen frisch zubereitete Mittagessen ab und an im idyllischen Garten an einer großen Tafel statt; ein familiärer Rahmen, den die Kinder sehr genießen.

So machen es Ehrenamtliche den Kindern leicht, etwas ganz Neues auszuprobieren: Viele der teilnehmenden Kinder betreten zum ersten Mal in ihrem Leben ein Museum. Dort erhalten sie die Chance, selbst kreativ tätig zu werden. Daniela Melzig staunt immer wieder, wie ausdauernd die Kinder mit Begeisterung bei der Sache sind. Oft signalisieren die begleitenden Horterzieherinnen, dass ein Kind im Alltag kaum konzentrationsfähig sei – aber wenn es im Museum selbst künstlerisch tätig wird, ist es mit ganzem Herzen stundenlang dabei. Das gelte auch für Kinder, die aufgrund einer geistigen Behinderung einen Förderstatus haben. Umso schöner sei es, wenn sie mit der Kunst Erfolge erzielten, so Daniela Melzig. 
 

Theatergruppe

Bürgerzentrum Neue Vahr e.V.

Nutzung lokaler Netzwerke

Förderer: Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V.

Kompetente und verlässliche Partner sind die Basis für erfolgreiche Bündnisse für Bildung. Bei der Suche nach möglichen Bündnispartnern hat es sich in der Praxis bewährt, bestehende Netzwerke zu nutzen – so wie im Beispiel des Theaterprojekts „Vahr Power!“. Darin entwickeln Bremer und geflüchtete Jugendliche in offenen Werkstätten und regelmäßigen Gesamtreffen ein Theaterstück mit Tanz und Musik. Die drei beteiligten Bündnispartner setzen sich bereits seit mehreren Jahren gemeinsam für ein tolerantes Miteinander im multikulturellen und sozial benachteiligten Stadtteil Vahr ein.

Federführender Bündnispartner ist das Bürgerzentrum Neue Vahr, das Räumlichkeiten und Technik zur Verfügung stellt. Als zweiten Partner konnte das Zentrum das Improvisationstheater Inflagranti gewinnen. Die Mitglieder der Theatergruppe stehen den Jugendlichen als Coaches zur Seite und bringen dabei ihre langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten ein. Der dritte Partner im Bund ist die Oberschule an der Kurt-Schumacher-Allee, die das Projekt unter Schülerinnen und Schülern, insbesondere in den Sprachklassen für Geflüchtete, bekanntmacht. Regelmäßig finden in der Schule kleine Aufführungen statt, um noch mehr Jugendliche für das Projekt zu begeistern.

Die gute Zusammenarbeit fruchtet: Einen Monat nach Start des Projekts zählte die Theatertruppe bereits 29 Mitglieder, 21 von ihnen haben Migrations- oder Fluchthintergrund. In einem kreativen Austausch über Sprachgrenzen hinweg arbeiten sie an dem Bühnenstück, das an verschiedenen Orten in Bremen aufgeführt werden soll.  


Niedrigschwellige Angebote 

Förderer: BAG Spielmobile e. V.

Vor etwas mehr als zehn Jahren ist der Menzelplatz in Bayreuth von einer verwilderten Grünfläche zu einem Begegnungsraum für die Anwohnerinnen und Anwohner geworden. Es gibt einiges an Freizeit- und Unterstützungsangeboten: Auf dem Allwetter-Spiel- und Sportplatz können Kinder und Jugendliche sich austoben. Ein Beratungs- und Servicepunkt bietet Angebote für Familien oder für Geflüchtete, und in einem von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebenen Café können alle zu günstigen Preisen eine Tasse Kaffee genießen.

Der Menzelplatz ist also gut bekannt und eignet sich optimal, um ein niedrigschwelliges Angebot zu etablieren. Das erkannte auch ein Bündnis aus „wundersam anders e. V.“, verschiedenen Flüchtlingsinitiativen und der Bayreuther Caritas. Einmal pro Woche konnten Kinder des Stadtteils an einem Spielmobil fantasievolle Spiele und Kreativangebote ausprobieren. Die Angebote zeichneten sich durch einen hohen Aufforderungscharakter aus, der Kinder und Jugendliche unabhängig von Sprache und Herkunft erreichte. Denn eines spielt keine Rolle, wenn sich alles ums Spiel dreht: sprachliche Grenzen.
 

Das Umsetzen von Projekten 

Förderer: Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V.

Oper – das ist wahrscheinlich nicht die erste Sparte, an die man denkt, wenn es darum geht, wie Kinder sich künstlerisch ausprobieren und ausdrücken können. Ist Oper nicht zu kompliziert, zu bürgerlich, nicht zeitgemäß genug für Projekte kultureller Bildung?

Dass das Vorurteile sind und Kinder Oper können, stellte ein Bündnis aus dem Opernale e. V., einer Musikschule und einer Grundschule mit einem tollen Projekt unter Beweis. In einem regelmäßigen Kurs und Workshop entwickelten Grundschülerinnen und Grundschüler eine komplette Opern-Aufführung von der Geschichte übers Bühnenbild bis zur Aufführung. Sogar die Instrumente, die zum Einsatz kamen, bauten die Kinder selbst. Zum Abschluss luden sie zur Aufführung von „Ein teuflisch guter Engel“ ein, nach der die fantasievollen Engel-Skulpturen versteigert wurden. Eltern steuerten Kuchen bei; vom Erlös sollte das Schulklavier gestimmt werden. Der ganzheitliche Ansatz und die Einbindung der Kinder trugen zu einer starken Identifikation der Teilnehmenden mit dem Stück bei. Unterstützt wurden sie von einem professionellen und erfahrenen Team, das aus einer Regisseurin, einer Musikpädagogin, einem Kirchenmusiker und einer bildenden Künstlerin bestand.
 

Vernetzung mit kommunalen Strukturen

Förderer: Bundesvereinigung Kultureller Kinder- und Jugendbildung

Kulturelle Bildung bietet Jugendlichen eine Möglichkeit, sich auf tiefgehende und ausdrucksvolle Weise mit ihrer Identität zu beschäftigen. Diese Chance nutzten die Teilnehmenden des „open art lab“ im Ruhrgebiet und stellten die Frage „Wer bin ich?“ ins Zentrum verschiedener Workshops, in denen sie mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken arbeiteten.

Für die beteiligten Bündnisakteure – eine Gesamtschule, das Projekt „Arbeit und Leben Oberhausen“ und den Medienbunker aus Duisburg-Marxloh – bot kulturelle Bildung die Möglichkeit, die Vernetzung mit kommunalen Strukturen zu stärken. Eine Kulturagentin begleitete die Bündnisarbeit vor Ort, die sowohl aus Bundes- als auch aus kommunalen Mitteln gefördert wurde. Durch die Nähe zur Kommune konnten außerdem prominente Orte für die Abschlusspräsentation gefunden werden, und die Öffentlichkeitsarbeit wurde erleichtert.
 

Nachhaltigkeit der Bündnisarbeit

Förderer: Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V.

Im Zentrum von „Kultur macht stark“ stehen bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche. Für viele Träger kultureller Bildungsangebote ist das erst einmal eine neue Zielgruppe und oft auch eine Herausforderung. Doch häufig ergeben sich Win-win-Situationen, denn die unterschiedlichen Einrichtungen und Institutionen, die ein Bündnis bilden, können voneinander lernen. 

Für das Projekt „Ich bau mir eine bunte Zukunft“ im Rahmen von „Kultur macht stark“ bildeten fünf Akteure in Staßfurt ein gemeinsames Bündnis. Initiiert wurde das Projekt durch die Stiftung Schloss Hohenerxleben. Die Goethe-Grundschule in Staßfurt stellte einen Raum zur Verfügung, den die Kinder nach ihren Vorstellungen gestalten konnten – fern vom sonstigen Schulunterricht. Weitere Bündnispartner waren die Stiftung Staßfurter Waisenhaus und der Hort des katholischen Kinderhauses St. Martin, die das Projekt bei den Kindern bekannt machten. Eine ortsansässige Firma unterstützte das Projekt zudem mit Materialspenden. 

Die drei Bündnispartner hatten zuvor noch nicht zusammengearbeitet, aber der Bündnisansatz ging auf: Die Partner stimmen sich jetzt auch in anderen Kontexten ab und besprechen neue Projekte. Es ergeben sich manchmal auch neue Perspektiven auf die teilnehmenden Kinder, die sich beim freien Malen anders zeigen als in der Schule. Und schließlich: Die Bündnispartner haben mehrere Anträge in „Kultur macht stark“ gestellt und bewilligt bekommen.