Projekt ab – und Action!

Bei den Projekten von „Movies in Motion – mit Film bewegen“ schauen, zeigen und produzieren Kinder und Jugendliche Filme unterschiedlichster Genres und Themen. Ermöglicht werden die Angebote vom Programmpartner Bundesverband Jugend und Film e. V.

Ausschnitt aus einem Stop-Motion-Film mit Figuren und Fahrzeugen aus Lego, der die Arbeit auf einer Flughafen-Baustelle zeigt

In seinem Film zeigt Nico die Arbeit auf einer Flughafen-Baustelle

„Emmers in Lego“ zukunftswerkstatt dresden gemeinnützige GmbH

Jungen Menschen gute Filme zugänglich zu machen und den filmischen Nachwuchs zu fördern – dafür setzt sich der Bundesverband Jugend und Film e. V. (BJF) seit nunmehr 50 Jahren ein. Auch bei den Projekten, die der BJF als Programmpartner bei „Kultur macht stark“ unter dem Titel „Movies in Motion – mit Film bewegen“ fördert, geht es um diese zwei Schwerpunkte: Kinder und Jugendliche, die sonst wenig Zugang zu außerschulischer kultureller Bildung haben, setzen sich mit der Welt des Films auseinander, zum einen durch das Sichten, Analysieren und Vorführen von Filmen und zum anderen durch das Drehen und Präsentieren eigener filmischer Werke. Auch die Kombination beider Elemente innerhalb eines Angebots ist möglich. „Wichtig ist uns darüber hinaus, dass die Teilnehmenden die Projekte aktiv mitgestalten“, erklärt Claudia Schmidt vom Projektbüro „Movies in Motion“. „Sie übernehmen selbst Regie – ob bei der Auswahl von Filmen für ein Festival oder beim Erstellen eines Animationsfilms.“

Von der Naturdoku bis zum Horrorfilm

Bereits seit 2013 ist der BJF bei „Kultur macht stark“ aktiv, zunächst als Initiative und seit 2018 als Förderer. Mittlerweise ist „Movies in Motion“ in allen Bundesländern vertreten. Rund 150 Projekte von 100 lokalen Bildungsbündnissen wurden seit 2018 bewilligt. Die Vielfalt der Themen ist dabei groß. „Anhand der Projekte sehen wir, was die jungen Menschen bewegt: Das sind zum Beispiel Zukunftsfragen, die eigene Umgebung, Migration und Flucht – und zunehmend auch Natur und Umwelt“, berichtet Claudia Schmidt. Auch entstehen in den Projekten Filme unterschiedlichster Genres: von Musikvideos über Zeichentrickfilme bis hin zum Horror- oder Actionfilm.

Drei Jugendliche beim Außendreh im Park mit Kamera und Mikrofon

Außendreh im Projekt „StadtNatur“ in Hamburg (2019)

Andros Schakau

Vielfältig sind auch die Konstellationen der mindestens drei Bündnispartner, die sich für ein Projekt zusammenfinden. Interessierte Einrichtungen können sich im Projektbüro von Claudia Schmidt und ihren Kolleginnen Pamela Fischer und Doreen Büchin beraten lassen. Sie geben auch Hinweise, wie ein Konzept noch einmal verbessert werden kann, bevor es der „Movies in Motion“-Jury vorgelegt wird. „Die Voraussetzungen der Antragsteller sind unterschiedlich. Es gibt viele, die bereits Erfahrung in der Filmarbeit mit Kindern und Jugendlichen haben, etwa Kinos oder Medienwerkstätten. Fehlt dagegen zum Beispiel der Zugang zur Zielgruppe, geben wir Tipps, welche Partner das Projekt gut ergänzen würden“, sagt Pamela Fischer. „Bringt ein Bündnis wiederum keine Filmerfahrung mit, müssen entsprechende Fachkräfte, etwa aus der Medienpädagogik, an Bord geholt werden“, ergänzt Claudia Schmidt. „Hilfreich für die Vernetzung vor Ort ist auch, die Kommune einzubinden, ob über einen der Partner oder über die Einladung von lokalen Politikerinnen oder Politikern zu einer Filmaufführung.“

Filme anders schauen

YouTube-Videos, Instagram-Storys, Streaming-Plattformen: Filme sind im Alltag junger Menschen allgegenwärtig. In den Projekten von „Movies in Motion“ erhalten sie jedoch noch einmal einen anderen Blick darauf. „Die Teilnehmenden lernen, Filme anders zu schauen“, berichtet Pamela Fischer. „Wie entsteht überhaupt ein Film? Wer wirkt daran mit? Wie funktioniert eine filmische Erzählung? Die intensive Beschäftigung schult ihre Medienkompetenz und weckt ihre Lust, dann auch selbst Filme zu drehen und sich darüber künstlerisch auszudrücken. Sie können sich dabei vor oder hinter der Kamera ausprobieren und herausfinden, was ihnen liegt. Auch Teamwork spielt dabei eine wesentliche Rolle.“ Bei Projekten, in denen es primär um das Sehen und Analysieren von Filmen geht, wird ebenfalls viel gemeinsam reflektiert. „Beim KINOLINO-Festival in Dresden verleiht zum Beispiel eine Kinderjury aus Projektteilnehmenden einen eigenen Preis. Dabei diskutieren sie, warum ein Film gefällt oder nicht und verfassen eigene Kritiken“, erzählt Claudia Schmidt.

Ausschnitt aus einem Trickfilm: Gebastelter Hintergrund mit Eisverkäufer

In Sophies buntem Trickfilmclip gibt es leckeres Eis

„kukuk tv“ querKUNST Kaufbeuren e. V.

Einblicke in die Filmwelt – auch in Krisenzeiten

Ob bei der Organisation eines Filmwochenendes oder bei der Produktion eines Films, die Teilnehmenden erleben in den Projekten die dafür nötigen Schritte von A bis Z. Das kann auch mal eine Geduldsprobe werden, gerade der Schnitt von Filmen ist eine kleinteilige Aufgabe. „Die Kursleiterinnen oder Kursleiter schauen dann, wer in der Gruppe was machen möchte. Während die einen am Schnittrechner sitzen, kümmern sich die anderen zum Beispiel um die Musik- oder Plakatgestaltung“, so Claudia Schmidt. Am Ende entschädigt die Premiere vor Zuschauerinnen und Zuschauern für die Mühen.

Bei der Organisation einer Filmvorführung setzen sich die Kinder und Jugendlichen auch mit rechtlichen Fragen auseinander: Welche Filme darf man vor welchem Publikum zeigen? Wie organisiert man eine Lizenz? „Die Teilnehmenden kümmern sich auch bei der Organisation um alles, natürlich mit Unterstützung. Oft sind bei der Aufführung auch mal Gäste aus dem Team, dessen Film gezeigt wird, vor Ort. Das ist ein besonders Highlight“, berichtet Pamela Fischer. „Jüngst hatten wir auch ein Projekt, in dem Jugendliche ihren selbst produzierten Film als Beitrag für verschiedene Festivals eingereicht haben.“ In Corona-Zeiten lief die Abstimmung dazu virtuell weiter, noch ist jedoch offen, wann überhaupt wieder Festivals stattfinden. Die Kino- und Filmbranche trifft die Krise hart.

Auch bei „Movies in Motion“ lagen im Frühjahr zunächst Projektanträge und auch bereits bewilligte Projekte auf Eis, einige Angebote wurden dagegen digital fortgesetzt – etwa via Chat, Blog oder Videokonferenz. „Seit Mitte Juni können nun wieder Anträge für Projekte mit Beginn ab diesem Herbst gestellt werden“, sagt Claudia Schmidt. „Wir nehmen dabei auch gern Skizzen für kontaktlose Projektansätze entgegen – und hoffen, so auch neue Wege zu finden, mit denen wir Kindern und Jugendlichen Zugänge zur faszinierenden Welt des Films ermöglichen können.“

Kontakt

Bundesverband Jugend und Film e. V.
Projektbüro „Movies in Motion – mit Film bewegen“
Tel.: 069 / 63 66 26
Fax: 069 / 631 29 22

E-Mail: moviesinmotion@bjf.info
Website: moviesinmotion.bjf.info