Eine Gruppe Kinder mit einer kleinen "Museumsbox"

Minimale Fläche, maximale Reichweite

„MuseobilBOX – Museum zum Selbermachen“ – Bundesverband Museumspädagogik e.V.


Die Idee von „MuseobilBOX – Museum zum Selbermachen“ ist einfach: Kinder und Jugendliche besuchen eine Ausstellung im Museum, lassen sich inspirieren und kuratieren dann ihre eigene Ausstellung. Der Ausstellungsraum ist eine kleine Box, die nicht nur im Museum ausgestellt wird. Dass diese Idee gut ankommt, zeigt schon die gigantische Galerie auf MuseobilBOX.org, die alle Ergebnisse seit 2013 versammelt.

Als der Bundesverband Museumspädagogik e.V. dieses Projekt vor fünf Jahren auf den Weg brachte, gab es keine lange Diskussion, erinnert sich die Museumspädagogin Heike Herber-Fries, die das Programm für den Verband als Projektleiterin bundesweit koordiniert. „Das war eine unglaubliche Chance für den Verband und genau das, was ich selbst machen wollte, um etwas zu bewegen.“ Mit MuseobilBOX könne der Verband seinen Bildungsauftrag erfüllen, indem er jungen Menschen Kulturangebote näherbringe. „Wir können in die Breite gehen, nicht nur einzelne Leuchtturmprojekte fördern. Und die lange Laufzeit von fünf Jahren erlaubt es, auch mal zu stolpern und Dinge auszuprobieren, damit am Ende möglichst passgenaue, gute Angebote herauskommen.“

Ein Beispiel: Die Mehrgenerationenboxen im Süden
In Baden-Baden im Museum LA8 erstellen Kinder und Jugendliche gemeinsam mit älteren Menschen aus der AWO-Tagespflege Ausstellungsboxen zu verschiedenen Themen (ein Teil der Jüngeren ist auf dem Foto oben zu sehen). Dafür erkunden sie gemeinsam das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts und lassen sich von unterschiedlichen historischen Ausstellungen inspirieren. Danach setzen sie sich mit dem Leitthema auseinander.

Die erste Gruppe hat sich die Ausstellung „Technische Paradiese“ angeschaut und dieses Thema um den Blick in die Zukunft erweitert: Was aus meinem Leben ist so wichtig, dass es im Jahr 3000 im Museum zu sehen sein könnte? Acht Boxen sind dazu entstanden, die auch im Museum gezeigt werden. Die nächste Gruppe beschäftigt sich mit den Gärten der Vergangenheit und schlägt einen Bogen zur Stadtplanung der Gegenwart.

Für die beteiligte Museumspädagogin Mirjam Elburn ist das Miteinander der Generationen nicht nur im Hinblick auf kreative Prozesse sinnvoll: „Wenn Jugendliche, die als nicht ganz einfach gelten, auf einmal unglaublich rücksichtsvoll sind und den Älteren die Stühle hinterhertragen, ist das einfach toll!“, schwärmt sie. Bevor die kreativen Aktionen unter dem Titel „Alt und Jung“ in Baden-Baden ihren Anfang nahmen, hat sich auch Museumspädagogin Elburn mit dem Projektbüro von Heike Herber-Fries ausgetauscht, damit aus der ersten Idee ein stichhaltiges Konzept wird.

Konzepte mit Hand und Fuß
Die Arbeitsteilung zwischen dem Bundesverband und den Bündnissen für Bildung vor Ort sieht in der Regel so aus: Ungefähr einen Monat bevor die lokalen Institutionen den Förderantrag stellen, besprechen sie die konkrete Planung. Auf Wunsch berät der Verband beim Erstellen des Konzepts. „Die Museen kennen ihre Ausrichtung und ihre Sammlungen natürlich am besten; wir wiederum können einschätzen, welche Konzepte erfolgreich sind und unsere über die Jahre gesammelte Erfahrung mit einbringen“, so Herber-Fries.

Ist das Konzept bewilligt und der Vertrag unterschrieben, werden die Boxen mit der Post verschickt – und es kann losgehen. Die Ergebnisse werden zum einen vor Ort ausgestellt, meistens direkt in den Museen, zum anderen kommen sie auf die zentrale Website mit der Fotogalerie. „Und zwar jede Box!“, betont Herber-Fries.

Für die Koordinatorin vom Bundesverband, die sich bei all den kreativen Kartons nicht recht für ein Lieblingsstück entscheiden mag, war es der bisher wichtigste Tag, als das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Verlängerung von „Kultur macht stark“ verkündet hat. „Es bleibt ja immer noch genug zu tun.“

Beeindruckende Bilanz
Herber-Fries ist stolz auf das Erreichte: Fast überall in Deutschland gestaltet der Nachwuchs MuseobilBOXen wie in Baden-Baden, 3.000 bis 3.500 Kinder und Jugendliche sind es Jahr für Jahr. „Bis zum Abschluss der Förderperiode dürften wir gut 1.000 Maßnahmen realisiert haben“, schätzt sie. „Für einen Verband wie unseren mit etwa 1.000 Mitgliedern sind das gute Zahlen.“

Nicht nur die Zahlen erfreuen den Bundesverband Museumspädagogik. Durch das Förderprojekt werden auch übergeordnete Ziele umgesetzt, zum Beispiel verbessert sich das Ansehen der zugehörigen Berufe und die Ausgangsposition der Pädagoginnen und Pädagogen in den Museen wird gestärkt. „Außerdem müssen Museen wie Theater und andere Kultureinrichtungen langfristig das Interesse an Kultur in der Gesellschaft verankern“, so Herber-Fries, „das tun wir mit MuseobilBOX auch.“

Das Projekt strahlt sogar international aus: Die österreichische Presse lobte die Idee und das außerschulische Kurs- und Ferienangebot für die Kinder als vorbildlich.


www.MuseobilBOX.org
Beitrag von Die Presse