Kunst verbindet: Engagement des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler macht auch junge Geflüchtete stark

Als langjähriger Programmpartner leistet der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler im Rahmen von „Kultur macht stark“ auch einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe junger Geflüchteter.

Projekt „Ich male mich stark“ (Offene Ganztagsbetreuung des Caritasverbandes für den Oberbergischen Kreis). Foto:

Projekt „Ich male mich stark“ (Offene Ganztagsbetreuung des Caritasverbandes für den Oberbergischen Kreis). 

Anna Lischetzki

„Wir können Kunst“ – unter diesem Titel setzt der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) sein Engagement als Programmpartner in der zweiten Förderphase von „Kultur macht stark“ fort. Von 2018 bis 2022 fördert der Verband erneut Projekte lokaler Bündnisse, in denen professionelle Kunstschaffende Kindern und Jugendlichen mit beeinträchtigten Bildungschancen einen Zugang zu Kunst und Kultur vermitteln. Unter den 50 seit Jahresbeginn bewilligten Förderprojekten sind – wie bereits in den Vorjahren – auch mehrere Angebote, die sich speziell an geflüchtete Kinder und Jugendliche richten.

„Die inhaltlichen Konzepte, die wir erhalten, stammen meist von den am Projekt beteiligten Künstlerinnen und Künstlern“, erklärt Ulrike Westphal vom BBK-Projektbüro „Wir können Kunst“. „Viele von ihnen sind sehr engagiert in der Zivilgesellschaft, haben Kontakt zu Flüchtlingseinrichtungen oder sind in Willkommensinitiativen aktiv.“ In den Projekten lernen die Geflüchteten ihre neue Umgebung in entspannter Atmosphäre kennen, so Westphal. Über künstlerische Techniken könnten sie auch dann Erlebnisse und Gefühle ausdrücken, wo die Worte dafür fehlten.

Kunst hilft beim Brücken bauen

Aktuell wird beispielsweise in Bonn ein Projekt zum Thema „Brücken bauen“ ausschließlich für geflüchtete Kinder und Jugendliche durchgeführt. Bündnispartner sind das Frauenmuseum Bonn, eine Erstaufnahmeeinrichtung des DRK und das Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Bonn. Die Teilnehmenden setzen sich intensiv mit Brücken und deren symbolischer Bedeutung auseinander. Die Eindrücke aus verschiedenen Exkursionen verarbeiten sie mithilfe von Malerei, Drucktechnik und Holzbearbeitung zu künstlerischen Werken, die anschließend im Frauenmuseum gezeigt werden.

Sechs weitere Projekte im Bundesgebiet sind als „Tandem-Projekte“ angelegt: So erkunden zum Beispiel derzeit im brandenburgischen Kyritz Geflüchtete und einheimische bildungsbenachteiligte Kinder gemeinsam kindergerechte Kulturorte in der Stadt. Vor Ort angefertigte Skizzen werden in Workshops mit verschiedenen Techniken weiterentwickelt, ausgewählte Werke sollen in einen Stadtführer für Spielorte eingehen. „Tandem-Projekte eignen sich besonders gut, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen und die jeweils andere Kultur durch gemeinsames künstlerischen Schaffen kennenzulernen“, sagt Westphal.

Von der Kultur zur Integration

Neben Projekten für geflüchtete Kinder und Jugendliche förderte der BBK im Rahmen von „Kultur macht stark plus“ zwischen 2016 und 2017 zusätzlich Projekte für Geflüchtete zwischen 18 und 26 Jahren. Noch bis Ende 2018 ermöglicht das Bundesministerium für Bildung und Forschung kulturelle Bildungsangebote für junge erwachsene Asylsuchende. In den Projekten erhalten sie die Chance, Land, Kultur und Sprache näher kennenzulernen.

Der BBK förderte mit dem dafür entwickelten Konzept „Mit Kunst“ 33 Projekte in 32 verschiedenen Bündnissen. Die Dauer der Projekte lag zwischen drei Monaten und einem Jahr. „Die Angebote wurden sehr gut angenommen“, sagt Bettina Knop vom BBK-Projektbüro, die die „Kultur macht stark plus“-Bündnisse betreute. Die hohe Fluktuation in den Gruppen, etwa durch plötzliche Umzüge, aber auch die Konfrontation mit persönlichen Schicksalen brachte auch einige Herausforderungen mit sich, berichtet Knop. Der Beitrag, den die Bündnisse in so kurzer Zeit zur Integration leisteten, sei jedoch nicht zu unterschätzen – wie zum Beispiel in einem Projekt in Ludwigshafen: Dort erschufen Geflüchtete aus Syrien, Palästina, Gambia und Togo eine begehbare Skulptur aus Holz, ehrenamtlich unterstützt von einem Tischlermeister. Mehrere Teilnehmer erhielten dadurch einen Praktikumsplatz, einer sogar eine Lehrstelle. „Ein großer Erfolg für sie und alle Beteiligten“, freut sich Knop.   

Nächste Bewerbung für „Wir können Kunst“ im Herbst

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den vom BBK geförderten Projekten erleben, dass sie mit künstlerischen Techniken etwas ganz Eigenes erschaffen können. „Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler bewerten nicht, sondern zeigen neue Möglichkeiten auf“, erklärt Ulrike Westphal. „Diese Erfahrung ist für alle Kinder und Jugendliche wertvoll, mit oder ohne Fluchthintergrund.“

Im Herbst 2018 haben lokale Bündnisse erneut die Möglichkeit, sich für eine Förderung im Programm „Wir können Kunst“ zu bewerben: Die nächste Ausschreibung wird im September veröffentlicht. Bis zum 31. Oktober können dann Skizzen für Projekte ab 2019 eingereicht werden. Wird das Konzept positiv bewertet, kann das Bündnis seinen Antrag über das „Kultur macht stark“-Antragssystem einreichen. Damit die Antragstellung gelingt, empfiehlt Westphal: „Wenn Fragen oder Probleme auftauchen, sollten sich potenzielle Bündnisse frühzeitig an das Projektbüro wenden. Wir haben vielleicht nicht sofort eine Lösung parat, aber immer gute Ideen.“

Kontakt

BBK-Projektbüro „Wir können Kunst“
Tel.: 030 20458880
E-Mail: bfb@bbk-bundesverband.de
Informationen zum Programm „Wir können Kunst“