Kunst und Kultur fürs Leben

„Jugend ins Zentrum!“ – der Name ist Programm: In den Projekten des Bundesverbandes Soziokultur e. V. stehen die Interessen, kreativen Ideen und Alltagserfahrungen von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit. 

Bunt bemalter Eingang in einen künstlerisch gestalteten Container

Im Projekt „Create a city“ gestalten Kinder und Jugendliche einen eigenen Stadtteil

Honigfabrik e. V.

Eine fesselnde Sagenverfilmung, ein Kochbuch von Kindern für Kinder, ein Musical mit Rap, Tanz und Tiefgang, ein Jugendtreff, der zu einem Raumschiff umgestaltet wird, ein Song gegen Waffengewalt, der aufrüttelt und ins Ohr geht – die Liste künstlerischer Prozesse, die Kinder und Jugendliche in den Projekten von „Jugend ins Zentrum!“ gemeinsam umsetzen, ließe sich noch lange fortsetzen. Gefördert werden die Angebote vom Bundesverband Soziokultur e. V. (ehemals Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V.), der sich seit 2013 als Programmpartner bei „Kultur macht stark“ engagiert. Bis heute konnten in mehr als 450 Projekten an die 7.000 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren erreicht werden. Die Angebote werden von Bündnissen aus mindestens drei lokalen Partnern im ganzen Bundesgebiet umgesetzt. Sie sind vom Leitgedanken der soziokulturellen Arbeit getragen, das heißt, sie verknüpfen die Alltagswelt junger Menschen mit Kunst und Kultur.

„Das Motto von Soziokultur lautet ‚Vielfalt. Aus Prinzip‘“, erklärt Katrin Jahn, die das Projektbüro von „Jugend ins Zentrum!“ leitet. „Auch die Ziele Bildungsgerechtigkeit und Förderung bürgerschaftlichen Engagements, die ‚Kultur macht stark‘ verfolgt, sind zentrale Themen der Soziokultur. Sie webt nachhaltige Netzwerke, praktiziert Kunst und Kultur zum Anfassen und Selbermachen für Menschen aller Schichten – als Ausdruck gesellschaftspolitischer Einflussnahme.“ In den Projekten von „Jugend ins Zentrum!“ setzen sich die Teilnehmenden mit relevanten Fragen der Gegenwart kreativ auseinander und entdecken Kulturorte in ihrem Stadtviertel oder Heimatdorf. „Wichtig ist uns, dass die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen nicht bei vermeintlichen Defiziten ansetzt, sondern ihre Stärken in den Blick nimmt. In den Projekten sind sie als Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelt gefragt.“

Auf den richtigen Rahmen kommt es an

Damit eine wertschätzende Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen gelingt, braucht es gute Rahmenbedingungen. „Uns erreichen viele tolle Projektideen, aber wir schauen auch genau, wie ein Bündnis sein Vorhaben in der Praxis umsetzen möchte“, betont Katrin Jahn. Eine Grundvoraussetzung sei etwa, dass der Zugang zur Zielgruppe bereits vorhanden ist. Bewährt habe sich die Zusammenarbeit von künstlerischen und pädagogischen Fachkräften in einem Projekt. „Mit einem diversen Team, das sich aus Menschen mit unterschiedlichem Alter, Geschlecht und Beruf oder auch verschiedener Herkunft zusammensetzt, können sich die Kinder und Jugendlichen gut identifizieren. Gerade auch Jugendliche, die als Ehrenamtliche mitwirken, entwickeln oft eine Art ‚Sogwirkung‘ auf Jüngere “, so Jahn. Ein guter Rahmen ermöglicht es den Teilnehmenden, aktiv mitzugestalten, durchzuhalten, auch mal zu scheitern und sich gegenseitig zu unterstützen. „Wenn es gelingt, Teilnehmende, die vorher noch keine Erfahrung mit Kulturprojekten hatten, über mehrere Monate oder sogar über das Projektende hinaus dafür zu begeistern, ist das ein toller Erfolg.“ Der Förderrahmen von „Jugend ins Zentrum“ bietet dafür eine gut durchdachte Grundlage.

Mädchen beschriftet ein Plakat

Das Leben von Insekten wurde im Projekt „Lebensraum“ theatral inszeniert

Nena e. V. / Elsa Vortisch 

Beratungsangebote nutzen

Das vierköpfige Team im Berliner Projektbüro unterstützt Bündnisse bei der Beantragung und Umsetzung der Projekte. Gefördert werden Angebote zu verschiedenen künstlerischen Schwerpunkten, etwa Medienarbeit, Bildende Kunst, Musik oder interdisziplinäre Formate. Dabei sind Projekte mit einer Dauer von einem halben oder einem ganzen Jahr sowie kürzere Ferienwerkstätten möglich. „Jahresprojekte sind am gefragtesten. Das Ferienangebot ist oft ein gutes Einstiegsformat für neue Bündnisse“, berichtet Katrin Jahn. Die im Projektbüro eingehenden Anträge werden zunächst von einer Fachjury bewertet. Anschließend berät das Team des Projektbüros dazu, wie ein Fördervorhaben eventuell noch verbessert und dann über die Online-Datenbank von „Kultur macht stark“ bewilligt werden kann.

„Die Projektmittel für 2020 sind bereits vergeben, aber Mitte August veröffentlichen wir unsere nächste Ausschreibung für Projekte mit Beginn ab Januar 2021“, sagt Projektleiterin Jahn. Interessierten Akteuren rät sie, auch die Informationsveranstaltungen der regionalen Servicestellen zu nutzen. Aktuell finden diese wegen Covid-19 primär digital statt. Auch das Projektbüro plant gemeinsam mit den Servicestellen eine virtuelle Veranstaltung im September, bei der Interessierte unter anderem Tipps zum Formulieren von Anträgen und zu diversitätssensibler Sprache erhalten sollen. 

Engagement auch unter erschwerten Bedingungen

Generell hat sich die Covid-19-Pandemie erheblich auf die Arbeit des Projektbüros und der Bündnisse vor Ort ausgewirkt. Durch die zeitweise Schließung sind viele der soziokulturellen Zentren, Kulturorte und Jugendeinrichtungen ebenso wie die Fachkräfte, die freiberuflich in den Projekten mitwirken, in existenzielle Nöte geraten. Hinzu kam, dass die Kinder und Jugendlichen durch die Kontaktbeschränkungen noch schwerer erreichbar waren als unter normalen Umständen. „Um die Projektakteure bestmöglich zu unterstützen, haben wir wöchentliche Videokonferenzen angeboten, FAQs zu angepassten Förderbedingungen verfasst sowie Ideen zu analogen und digitalen Übergangsformaten geliefert“, berichtet Katrin Jahn. „Uns hat beeindruckt, wie viele Akteure trotz ihrer eigenen schwierigen Lage bestrebt waren, die Angebote fortzuführen. Sie haben vielfältige Wege gefunden, selbst Theater-, Tanz- oder Zirkusprojekte kontaktarm umzusetzen.“ Auch in den Sommerferien können so Angebote stattfinden – angepasst an die aktuellen Hygienevorschriften und bevorzugt unter freiem Himmel sowie in kleineren Gruppen. Damit leisten die Projektakteure einen entscheidenden Beitrag dazu, Kindern und Jugendlichen den durch die Krise zusätzlich erschwerten Zugang zu Bildung, Kunst und Kultur zu ermöglichen.

Kontakt

Katrin Jahn
„Jugend ins Zentrum!“
Bundesverband Soziokultur e. V.
Tel.: 030 / 586 930 967

E-Mail: jugend@soziokultur.de
Website: jugend-ins-zentrum.de