„Kultur macht stark!“ – gerade in Corona-Zeiten

Beim Deutschen Volkshochschul-Verband e. V. meisterten das Projektteam und die lokalen Bündnisse die durch Covid-19 verursachten Herausforderungen auf kreative Weise: mit digitalen Lösungen, neuen Formaten und innovativen Ideen.

Corona-Gruß zwischen zwei Projekt-Teilnehmer*innen

Tatkräftige Unterstützung beim Tanzprojekt: Niyaz Behdarvand (20, links) und Hoshar Mohammed (16, rechts). 

Michael Kempmann, DVV

„Wir sind von Anfang an mit Herzblut bei ‚Kultur macht stark‘ dabei und machen das Projekt aus voller Überzeugung. Diesen Sommer konnten wir bundesweit trotz Corona 169 Projekte realisieren.“ Michael Kempmann ist als Projektleiter zuständig für das Bildungsformat „talentCAMPus“ des Deutschen Volkshochschul-Verbands e. V. (DVV). Der DVV ist seit 2013 engagierter Programmpartner. Ob ein Videofilm gedreht wird, individuelle Tanzchoreografien entstehen oder, in Zeiten geschlossener Bibliotheken, die lokale Volkshochschule, Schule und Stadtbücherei gemeinsam einen alternativen Lern- und Leseort gestalten: In „Kultur macht stark!“-Projekten, so Michael Kempmanns Erfahrung, wachsen viele Teilnehmende über sich selbst hinaus.

Solche Erfolgserlebnisse stärken nicht nur Kinder und Jugendliche nachhaltig, sondern auch deren Eltern. Diese werden stets zu den Abschlusspräsentationen eingeladen und lernen so ihre Söhne und Töchter von einer neuen Seite kennen. Sie erleben sie als Teil einer kreativen Gemeinschaft. Das ist insbesondere auch für Eltern mit Migrationshintergrund eine wichtige Erfahrung.

Tanzend Grenzen überwinden

Auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gehen oftmals gestärkt aus einem „talentCAMPus“-Kurs hervor, wie etwa Niyaz Behdarvand (20) und Hoshar Mohammed (16). Die beiden jungen Menschen mit Fluchterfahrung unterstützten das Trainerteam des Gruppentanzprojektes „Feel the Beat - Dance - and Move Your Feet at home“ in Unterfranken. Das hatten die vhs Rhön und Grabfeld, das Jugendzentrum Bad Königshofen und das Wiedervereinigungs-Museum „In der Schranne“ für die Osterferien gemeinsam konzipiert. Infolge der Corona-Pandemie drohte das Angebot zunächst auszufallen: Zwei Trainer saßen in Thailand fest, eine weitere Trainerin in Niederbayern. Doch das Internet half zunächst der Kursleitung virtuell zueinanderzukommen. Dann verband das kreative Trio sich digital über die „vhs.cloud“ mit den Kursteilnehmenden in Unterfranken und leitete die Jugendlichen live zu eigenen Choreografien an.

Am anderen Ende der Leitung, in Rhön Grabfeld, sorgten Niyaz und Hoshar für den reibungslosen Ablauf des Kurses. Sie führten Teilnahmelisten, achteten auf die Einhaltung von Hygieneregeln und Sicherheitsabstand, tanzten selbst mit und motivierten zum Mitmachen. So wurden Niyaz Behdarvands Tanzbegabung und ansteckende Energie entdeckt. Mittlerweile gibt die ehrenamtliche Helferin selbst Tanzkurse an der vhs. Der digitale Dominoeffekt des „talentCAMPus“-Projektes setzte sich in den Familien fort: Zuhause, vor Tablet oder Smartphone übende Kinder animierten auch ihre Geschwister und Eltern mitzumachen. In Unterkünften für Geflüchtete tanzten Zimmergenossinnen gemeinsam. Für den Freiluftkurs, der dann in den Sommerferien stattfand, musste in Rhön-Grabfeld dank der positiven Resonanz des Osterferienprojekts keine Werbung mehr gemacht werden.

Tänzer*innen in Unterfranken beim "talentCAMPus" in den Sommerferien

Mit Abstand die fröhlichsten Tänzerinnen und Tänzer in Unterfranken beim „talentCAMPus“ in den Sommerferien 

Michael Kempmann, DVV

Digitale Zusammenarbeit im Volkshochschul-Netzwerk

Der Deutsche Volkshochschul-Verband e. V. bietet mit dem „talentCAMPus“ vielfältige, je aus zwei Bausteinen bestehende Ferienkurse an. Die Teilnehmenden erwerben einerseits soziale und kulturelle Schlüsselkompetenzen, IT- und Sprachkenntnisse, andererseits werden sie gemeinsam künstlerisch aktiv. Seit Start des Programms „Kultur macht stark“ 2013 stärken Volkshochschulen und ihre Partner in den lokalen Bildungslandschaften bundesweit die sprachlichen und gestalterischen, sozialen und interkulturellen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zwischen neun und 18 Jahren. Das flächendeckende Netz an Volkshochschulen in ganz Deutschland hilft dabei, Bildungsbündnisse zu knüpfen. Die gute technische Ausstattung der Einrichtungen war auch ein großer Vorteil, als im Frühjahr wegen Corona-Ansteckungsgefahr vorübergehend keine persönlichen Koordinationstreffen der Kursleiterinnen und Kursleiter möglich waren. „Wir konnten die „vhs.cloud“ als gemeinsame Plattform anbieten, um sich auszutauschen und umzuplanen“, erklärt Michael Kempmann. Die Bündnispartner stellten sich gegenseitig Hygienekonzepte für unterschiedliche Workshop-Settings zur Verfügung und arbeiteten gemeinsam an deren Verbesserung.

Aus der gelungenen virtuellen Nothilfe ist inzwischen ein regelmäßiger Informations- und Erfahrungsaustausch geworden: Alle sechs Wochen stellen an Volkshochschulen angedockte „Kultur macht stark!“-Bündnisse aus ganz Deutschland einander per Onlinekonferenz ihre Projekte vor und sprechen über mögliche Stolpersteine bei Planung und Umsetzung.

Mehr Projektanträge und Kurse durch Corona

Ein weiterer positiver Effekt: „Die Homeoffice-Zeit hat viele neue Anträge ins DVV-Projektbüro geschwemmt“, berichtet Michael Kempmann. „Sie hat wohl dazu geführt, dass viele ihre Ideen aus dem Kopf endlich einmal aufs Papier gebracht und beantragt haben.“ Viele davon konnten in den Sommerferien umgesetzt werden – auch weil der DVV sein Bildungsformat kurzfristig angepasst hat. Bisher waren ganztägige und ein- bis mehrwöchige Kurse vorgesehen. Die neuen Kompaktkurse können dagegen auch halbtägig und an nicht aufeinanderfolgenden Tagen angeboten werden. Das macht die Kombination mit anderen Lernangeboten in den Ferien einfacher: beispielsweise dem „Lernsommer SH“, den Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien ausgerufen hatten. In diesem Rahmen fanden Vormittagskurse statt, um Kinder und Jugendliche zu fördern, die durch das Homeschooling im Nachteil waren, etwa weil sie keine gute Internetverbindung oder eigene digitale Geräte haben oder weil ihre Eltern sie beim Lernen nicht umfassend unterstützen konnten.

Keine Scheu vor Fragen

Interessierte Bündnisse, die selbst ein „talentCAMPus“-Projekt auf die Beine stellen möchten, können jederzeit das Gespräch mit dem Projektbüro suchen. So lautet Michael Kempmanns Appell: „Jede Frage ist erlaubt, am besten einfach anrufen. Wir helfen dabei, aus Ideen Konzepte zu entwickeln und Vorstellungen in die richtige Sprache für einen Förderantrag zu übersetzen.“ Denn für einen erfolgreichen Projektantrag ist es hilfreich, sich schon in der Entwicklungsphase vom Projektbüro oder der nächsten vhs bei der Antragstellung beraten zu lassen und Tipps für mögliche Bündnispartner zu holen.

Kontakt

Michael Kempmann
„talentCAMPus“
Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.
Tel.: 0228 / 97569 792
E-Mail: talentCAMPus@dvv-vhs.de
Website: „talentCAMPus“