Jingle Bells auf Hawaiianisch

Auch ohne musikalische Vorbildung können Kinder einem Instrument Klänge entlocken. Das zeigt das „Musik für alle!“-Projekt im saarländischen Merzig. Dort üben sich Mädchen und Jungen im Grundschulalter seit Sommer im Spielen der Ukulele.

Ein Junge und ein Mädchen spielen auf ihren Ukulelen und lächeln in die Kamera

Thomas Kronenberger

Ukulele bedeutet auf Deutsch „hüpfender Floh“: Diesen Namen erhielt das Zupfinstrument, als es von europäischen Einwanderern nach Hawaii gebracht wurde. An hüpfende Flöhe erinnert auch das Gewusel der im Schnitt 45 Jungen und Mädchen zwischen sechs und acht Jahren, die sich seit Sommer am Freitagnachmittag in der Kreuzbergschule in Merzig zum Ukulelekurs einfinden. Haben sich dann Kinder, Instrumente und Notenständer sortiert, kann es losgehen: Gelernt wird in zwei Gruppen, eine leitet die Musikpädagogin Anna Recktenwald, die andere Instrumentallehrerin Brigitte Schwarz. Mit vor Ort ist auch Thomas Kronenberger. Der Banker und Unternehmenscoach ist leidenschaftlicher Amateurgitarrist und engagiert sich ehrenamtlich für die musikalische Bildung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, unter anderem als Ehrenpräsident des Bundes für Zupf- und Volksmusik Saar e. V. Auf seine Initiative hin hat sich der Verband in Kooperation mit der Musikschule des Landkreises Merzig sowie der Kreuzbergschule, dem Kreisjugendamt Merzig-Wadern und dem Gitarrenchor Bous e. V. erfolgreich für eine Förderung des Kurses über „Musik für alle!“ beworben.

Von G wie Geist bis E wie Elefant

„Die Ukulele eignet sich sehr gut als Einstiegsinstrument. Sie hat nur vier Saiten und schon mit zwei Akkorden lässt sich ein Lied begleiten. Die Kinder haben also schnell Erfolgserlebnisse“, sagt Thomas Kronenberger. Dass der Ansturm auf den Kurs so groß sein würde, hat ihn dennoch überrascht. Es gab deutlich mehr Anmeldungen als geplant. „Wegschicken wollten wir aber niemanden.“ Die meisten der Teilnehmenden haben vorher noch nie ein Instrument ausprobiert oder gespielt. „Einige Kinder hatten zunächst Hemmungen, die Ukulele überhaupt anzufassen. Doch mittlerweile sind sie aufgetaut.“ Trotzdem ist es je nach Tagesform für manche Teilnehmende eine Herausforderung, zwei Stunden konzentriert dabei zu bleiben. Wird die Unruhe zu groß, betreut Thomas Kronenberger die Kinder individuell in einem separaten Raum, so dass die Gruppe weiter üben kann. Denn das gemeinsame Lernen macht den Mädchen und Jungen Spaß, wie Teilnehmer Leon bestätigt: „Das ist schön, dann ist mehr Stimmung dabei.“

Drei Jungen spielen im Stehen Ukulele und blicken lachend in die Kamera

Thomas Kronenberger

Die beiden Dozentinnen verbinden im Kurs Praxis und Musiktheorie, es wird geklatscht und zum Ukulelenspiel gesungen. Neben einfachen Liedern und Popsongs steht jetzt im Dezember auch das ein oder andere Weihnachtslied, wie etwa Jingle Bells, auf dem Programm. Seit Sommer haben die Teilnehmenden schon einiges gelernt. „Ich kenne die Namen der Saiten: G wie Geist, C wie Clown, E wie Elefant und A wie Affe“, zählt Jule eifrig auf. „Und ich kann den C- und F-Akkord und ‚Bruder Jakob‘ spielen.“ Und Thomas Kronenberger berichtet: „Viele Kinder wollen gleich zu Beginn der Stunde vorspielen, was sie zuhause geübt haben.“ Auch haben sich schon Eltern erkundigt, wo sie eine Ukulele erwerben können und welche weiteren Unterrichtsmöglichkeiten die Musikschule in Merzig bietet.

Kultur vermitteln und bewahren

Der Erfolg des Merziger Bündnisses hat sich herumgesprochen. Inzwischen haben sich an anderen Orten im Saarland weitere Bündnisse gebildet: Insgesamt lernen nun rund 150 Kinder Ukulele im Förderprojekt des Bundesmusikverbandes Chor & Orchester e. V., Programmpartner von „Kultur macht stark“. Thomas Kronenberger schwärmt von der lebendigen Vereinskultur im Saarland: „Sich in mehreren Vereinen zu engagieren, ist für uns selbstverständlich. Dadurch kennt man sich, kann sehr gut netzwerken und viel bewegen.“ Die Bündnisprojekte vermitteln nicht nur Musikbegeisterung, sondern werben auch nachhaltig für diese Kultur des Engagements: „Wir wollen Land und Kommunen zeigen, was Amateurmusik für die Gesellschaft leistet und wie wichtig daher ihre Unterstützung ist, um auch langfristig etwas zu bewirken. Ich persönlich möchte auch der nächsten Generation weitergeben, wovon ich selbst profitiert habe“, sagt der 56-Jährige. Nicht zuletzt bieten solche Projekte die Chance, gerade auch Kinder und Familien, die erst seit Kurzem im Saarland zuhause sind, mit den Traditionen und Strukturen vor Ort bekannt zu machen.

Ukulele-Kinder auf Reisen

Nach Abschluss des Ukulelekurses Mitte Januar erwartet die Kinder aus Merzig noch ein besonderes Highlight: Gemeinsam mit den Eltern geht es Anfang Februar mit dem Zug nach Saarbrücken, um ein Kinderkonzert des Saarländischen Staatsorchesters zu besuchen. Thomas Kronenberger hat dank guter Kontakte zum Orchester arrangiert, dass darin auch Ukulele und Gitarre einen Auftritt haben werden. Ebenso ist ein gemeinsamer Restaurantbesuch geplant.

Und nach der Ukulele ist vor der Gitarre: Mädchen und Jungen, die gern weiterlernen möchten, können sich für den anschließenden Gitarrenkurs anmelden. Für Maxime zum Beispiel steht jetzt schon fest, dass er weitermachen möchte: „Ich will neue Instrumente kennenlernen und freue mich schon auf die Gitarre.“

Der Bundesmusikverband Chor & Orchester e. V. fördert als Programmpartner von „Kultur macht stark“ im Rahmen von „Musik für alle!“ außerschulische Projekte, die Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur Welt der Klänge, Rhythmen und Instrumente ermöglichen: vom Singen im Chor über Instrumentalkurse bis zur Musicalfreizeit. Für die Umsetzung eines Projekts schließen sich mindestens drei lokale Einrichtungen zusammen.

Nähere Informationen finden Interessierte auf der Website des Bundesmusikverbandes.