Inspiration und Motivation für Ehrenamtliche

Die Stiftung Lesen bietet für Ehrenamtliche, die sich in den Leseclubs der Initiative engagieren, Weiterbildungen an. Literaturpädagogin und langjährige Referentin Heike Kielsmeier berichtet über den konstruktiven Austausch in den Veranstaltungen.

Weiterbildungen der Stiftung Lesen für Ehrenamtliche

Weiterbildung ganz praktisch: Ehrenamtliche bei der Gruppenarbeit

Stiftung Lesen

Frau Kielsmeier, wie sind Sie zu Ihrer Referententätigkeit für die Stiftung Lesen gekommen?

Ich bin seit vielen Jahren freiberuflich in der Leseförderung tätig. Von 2011 bis 2013 habe ich mich an der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid zur Literaturpädagogin weitergebildet. Außerdem leite ich seit mehr als acht Jahren in einer Grundschule selbst eine Lese-AG, so kam der Kontakt mit der Stiftung Lesen zustande. Als die Stiftung 2013 bei „Kultur macht stark“ aktiv wurde, erhielt ich die Anfrage, ob ich als Referentin im Weiterbildungsprogramm mitarbeiten möchte. Seither führe ich mehrmals im Jahr an verschiedenen Orten Schulungen für die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer der Leseclubs durch.

Warum liegt Ihnen persönlich das Thema Leseförderung am Herzen?

Lesen ist eine absolute Schlüsselkompetenz, gerade im Zeitalter der digitalen Medien. Besonders wichtig finde ich, dass Kinder Geschichten aus verschiedenen Ländern und Kontexten kennenlernen. Ich merke, wie die Kinder dadurch neugieriger werden, mehr hinterfragen. In den Leseclubs wird Lesefertigkeit eher nebenbei gestärkt, im Mittelpunkt steht die Motivation. Die Kinder erfahren hier: Lesen ist auch was für mich.

Welche Inhalte vermittelt das Weiterbildungsprogramm zum Beispiel?

Wir Referentinnen und Referenten bieten viele verschiedene Module an. Dazu gehören zum Beispiel Vorlesetrainings oder Basisseminare für neue Leseclubs. Wir bereiten die Ehrenamtlichen auf den Umgang mit der Zielgruppe von „Kultur macht stark“ vor: Kinder, die bisher wenig mit Büchern und Lesen in Berührung kamen, benötigen besondere Unterstützung und einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zur Literatur. Auch zeigen wir den Betreuerinnen und Betreuern, wie sie in den Leseclubs eine entspannte Atmosphäre ohne Druck kreieren können. Dazu gehört etwa, den Fokus weniger auf die Förderung des Leselernprozesses als auf die Freude am Geschichten entdecken zu legen. Als neuen inhaltlichen Schwerpunkt bieten wir seit diesem Jahr auch eine Weiterbildung zum Thema MINT an. Darin zeigen wir, wie sich Literatur mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik verknüpfen lässt und das Interesse der Kinder zum Beispiel durch Experimente geweckt werden kann.    

Wie läuft ein solcher Schulungstag ab?

Nach dem Ankommen stellen die Teilnehmenden sich und ihre Arbeit in den Leseclubs vor, zum Beispiel in einem Markt der Möglichkeiten. Anschließend führe ich kurz in das jeweilige Thema ein, und dann geht es auch schon in die Praxis. An verschiedenen Stationen oder auch in der ganzen Gruppe können die Ehrenamtlichen Vermittlungsmethoden und Angebote selbst ausprobieren – ob Spiele, Bastelangebote oder den Einsatz von Apps oder Lesestiften. So finden sie heraus, was für sie und die Kinder im Leseclub passt, und können das später einfacher umsetzen. Dabei hilft auch die Arbeit in Gruppen, in denen Ehrenamtliche aus verschiedenen Leseclubs, Jung und Alt, Hausfrau und Studentin aufeinandertreffen – und ihre Erfahrungen miteinander teilen.

Das heißt, die Veranstaltungen bieten auch einen Raum, um sich auszutauschen?  

Ja, ein ganzer Tag samt Pausen lässt dafür viel Zeit. Die Teilnehmenden diskutieren offen in der Gruppe über Herausforderungen im Leseclub-Alltag, gerade auch in der Arbeit mit Kindern, die in lesefernen Haushalten aufwachsen. Sie geben sich gegenseitig Tipps und Ratschläge, zum Beispiel wie man mit unruhigen Kindern umgehen kann. Viele Ehrenamtliche nutzen das Angebot der Stiftung Lesen, ein- bis zweimal pro Jahr an einer Weiterbildung teilzunehmen, und freuen sich auf ein Wiedersehen. Manche tauschen auch nach dem Seminar noch Ideen aus. Beim Abschied höre ich oft, dass die Teilnehmenden neben frischem Input auch neue Energie mit in ihre Leseclubs nehmen.

Wie wichtig ist das Weiterbildungsprogramm für den Erfolg der Leseclubs?

Die Ehrenamtlichen bringen viel Zeit und Engagement für die Leseclubs auf. Die kostenlosen Weiterbildungen in angenehmer Atmosphäre sind daher auch eine Form der Wertschätzung und motivieren, dabeizubleiben. In den Veranstaltungen erfahren wir, was für verschiedene Kompetenzen die Ehrenamtlichen mitbringen – und können sie ermutigen, diese zu nutzen. Das gemeinsame, oft generationsübergreifende Ausprobieren von Aktionen in den Seminaren kann auch dazu beitragen, Hemmschwellen zum Beispiel beim Einsatz digitaler Medien abzubauen. Auch liefern die Erfahrungen aus der Praxis wertvolle Impulse für die weitere Gestaltung der Initiative durch die Stiftung Lesen. Nicht zuletzt können die Ehrenamtlichen das Wissen aus den Weiterbildungen an ihren Wirkungsorten langfristig einsetzen, auch über die Projekte hinaus. Damit stärken wir nachhaltig die Leseförderung, die zur Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in Schule und Beruf beiträgt.

Infos

Die Stiftung Lesen richtet als langjähriger Programmpartner von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ mit lokalen Bündnispartnern bundesweit Leseclubs für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ein. Unter dem Motto „Mit Freu(n)den lesen“ möchten die Leseclubs das Interesse an Büchern und Medien wecken und mit niedrigschwelligen Angeboten zum Lesen motivieren. Rund 1.000 Ehrenamtliche engagieren sich in der Betreuung der Leseclubs und tragen entscheidend zum Erfolg der Bündnisse bei. Für sie veranstaltet die Initiative regelmäßig Weiterbildungen im ganzen Bundesgebiet.

Weitere Informationen zur Initiative gibt es unter www.leseclubs.de.