Im Interview: Elena Arbter von der Servicestelle Brandenburg

Elena Arbter arbeitet für die Plattform Kulturelle Bildung, die seit Anfang 2018 auch als Servicestelle für „Kultur macht stark“ im Bundesland Brandenburg fungiert. Die Kulturarbeit für Geflüchtete liegt der Beraterin am Herzen.

Elena Arbter von der Servicestelle „Kultur macht stark“ im Land Brandenburg.  © Elena Arbter / Servicestelle „Kultur macht stark“ im Land Brandenburg

Elena Arbter von der Servicestelle „Kultur macht stark“ im Land Brandenburg.
 

Gordon Welters / Servicestelle „Kultur macht stark“ im Land Brandenburg

Frau Arbter, was genau machen Sie und das Kollegenteam in Brandenburg?

Dass wir seit Januar 2018 auch Servicestelle für „Kultur macht stark“ sind, hat sich eigentlich ganz logisch ergeben: Die Plattform Kulturelle Bildung versucht seit 2010, auf verschiedenen Ebenen die kulturelle Bildung in Brandenburg zu unterstützen: Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Infoveranstaltungen, Weiterbildungen. Wir sensibilisieren die Politik und die Verwaltung. Eine zentrale Säule ist unsere Beratung: Was ist überhaupt ein Projekt, wo fängt man da an, wie führt man es durch und welche Fördergelder kann man beantragen?

Was ist Ihre eigene Rolle dabei?

Als Beraterin für „Kultur macht stark“ bin ich viel unterwegs. Ich besuche Projektträger oder fahre zu Sprechtagen in verschiedenen Städten. Ich helfe auch dabei, die richtigen Partner für ein Bündnis für Bildung zu finden, wenn beispielsweise ein Theater keine Schule in der Umgebung findet. In der zweiten Jahreshälfte wird Digitalisierung wahrscheinlich ein größeres Thema sein. Dazu plane ich einen Fachtag im Herbst.

Wie wird man so eine Beraterin mit „Kultur macht stark“-Sprechstunden?

Bevor ich zur Plattform kam, habe ich im Grunde auf der anderen Seite gearbeitet: selbst verschiedene Kulturprojekte umgesetzt, für die ich auch Fördergelder beantragt habe. Von Haus aus bin ich Kulturwissenschaftlerin mit einem Master in interkultureller Kommunikation.

Interkulturelle Kommunikation ist nicht nur für den Austausch zwischen Brandenburgern und Polen wichtig, auch für die Idee hinter „Kultur macht stark“. Können Sie uns ein wenig über Ihre Erfahrungen erzählen, die Sie mit integrativen Projekten und kultureller Bildung für Migranten und Geflüchtete gemacht haben?

Direkten Kontakt mit Geflüchteten haben wir von der Servicestelle selten, weil wir ja gewissermaßen die Meta-Ebene sind. Aber wir kriegen natürlich schon mit, wie die Projekte, bei denen Geflüchtete eingebunden sind, verlaufen. Kulturprojekte für Kinder und Jugendliche sind ohnehin meist dynamisch, doch bei der Arbeit mit Geflüchteten kommen weitere Faktoren hinzu, die die Arbeit erschweren, aber auch spannender machen können.

Zum Beispiel?

Oft ist die Situation der Menschen nicht ganz klar. Ein Projekt in Südbrandenburg konnte nicht wie geplant stattfinden, weil die Geflüchteten recht spontan aus ihrer Unterkunft umziehen mussten und dann räumlich zu weit weg waren. Auf der anderen Seite entstehen neue Kommunikationsformen, die Sprachbarrieren und Unterschiede auflösen. Besonders gut finde ich, dass es eine Entwicklung gibt, nicht nur Projekte für Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund zu machen, sondern mit ihnen. Auf Augenhöhe. Ein schönes Beispiel sind die durch die Türkische Gemeinde in Deutschland geförderten Projekte mit dem Titel „MeinLand – Zeit für Zukunft“. Sie richten sich an Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Gemeinsam entwickeln sie im Rahmen von „Kultur macht stark“ Migrationsgeschichten, die dann öffentlich gemacht werden. Beim Projekt „Bagger, Seen und Menschen“ gab es zum Beispiel zuerst Foto- und Filmwerkstätten und danach eine Ausstellung. Zu sehen waren Porträts von Menschen aus der Region, von stillgelegten und aktiven Tagebauen, von Industrieanlagen und von der Natur. Beteiligt waren hier der Filmverband Brandenburg, das IBA-Studierhaus Lausitzer-Seenland, der Förderverein für demokratische Medienkultur und der Förderverein für Bildung und Kultur.

Haben Sie über die Arbeit in der kulturellen Bildung hinaus Verbindungen zu den Themen Flucht, Migration und Integration?

Weil ich mich im Studium intensiv mit interkultureller Kommunikation beschäftigt habe, bringe ich, denke ich, schon meine eigene Perspektive auf den Umgang der Medien und des Kunstbetriebs mit Geflüchteten mit. Außerdem wohne ich ganz persönlich mit einem syrischen Geflüchteten zusammen, der vor drei Jahren nach Potsdam gekommen ist. Bei ihm kann ich übrigens auch sehen, wie wichtig Kultur für die Integration ist: Ein großer Ankerpunkt in seinem Leben ist der Chor, zu dem er regelmäßig geht.

Kontakt

Plattform Kulturelle Bildung
Servicestelle „Kultur macht stark“ im Land Brandenburg
Tel.: 0331 58 250 120
E-Mail: e.arbter@gesellschaft-kultur-geschichte.de
Informationen zur Servicestelle