Gänsehaut auch bei virtueller Preisvergabe

Die Junge Jury des Theaterfestivals „Hart am Wind“ blieb trotz Corona-Turbulenzen auf Kurs. Dass ihre Stimmen gehört werden, hat die Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren stolz gemacht und bei ihnen die Liebe zum Theater geweckt.

Vom 10. bis 12. Juni 2020 fand die digitale Corona-Sonderedition von „Hart am Wind“ statt.

Vom 10. bis 12. Juni 2020 fand die digitale Corona-Sonderedition von „Hart am Wind“ statt. Durch „Kultur macht stark“ konnten zwölf Jugendliche als Junge Jury mitentscheiden, wer auf dem Theaterfestival ausgezeichnet wurde.

Kaya Horney, LOT-Theater e.V.

Dass Pläne durcheinandergewirbelt werden und höchste Flexibilität gefragt ist, hat die Corona-Pandemie gezeigt. Wie man trotz veränderter Bedingungen auf Kurs bleibt und dabei gute Laune behält, bewies die Junge Jury des Theaterfestivals „Hart am Wind“ in Braunschweig. Zwölf Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren haben beim 7. Norddeutschen Kinder- und Jugendtheaterfestival mitentschieden, wer ausgezeichnet wurde. Das JUNGE! Staatstheater Braunschweig hielt organisatorisch die Fäden zusammen im „Kultur macht stark“-Projekt, das die Arbeit der Jungen Jury im Rahmen des Theaterfestivals möglich machte. Weitere Partner waren das Theaterpädagogische Zentrum für Braunschweig und die Region e.V. (TPZ) und die Nibelungen Realschule in Braunschweig.

Theater war Neuland für viele der Teilnehmenden

Gefunden hatte sich die Junge Jury bereits im Herbst 2019 – glücklicherweise waren anfangs persönliche Treffen möglich. Dass man sich schon etwas kannte, erleichterte die späteren virtuellen Begegnungen während des Corona-Lockdowns. Im Vorfeld des Theaterfestivals hatten die Bündnispartner kräftig die Werbetrommel für ein Engagement in der Jury gerührt. Etwa 30 Interessierte kamen zum ersten Kennenlernen ins Foyer des Staatstheaters Braunschweig, nicht ausschließlich Schülerinnen und Schüler der Realschule. „Wir hatten unterschiedliche Nationalitäten dabei, es gab einige, die sich bereits für die Bühnenkunst interessierten, aber für die meisten war das Theater Neuland. Es kristallisierte sich ein harter Kern von zwölf Jugendlichen heraus“, schildert Andrea Fester. Die Theaterpädagogin hat die Nachwuchs-Jury mit ihrem Kollegen Patrick Dudek an die Welt des Theaters herangeführt – die Jugendlichen probierten das Theater-Sehen und Theater-Spielen selbst aus. 

Rüstzeug für eine Bewertung der Inszenierungen

Gemeinsam hat die Gruppe das Weihnachtsmärchen im Staatstheater Braunschweig sowie ein internationales Gastspiel am Staatstheater Hannover live angeschaut. Die Jugendlichen konnten hinter den Kulissen forschen, über das Theater nachdenken und darüber diskutieren. „Entscheide selbst!“, lautete das Motto: Sie waren dazu eingeladen, das Gesehene zu bewerten. „In theaterpraktischen Übungen haben die Jugendlichen eine Ahnung davon gewonnen, wie es ist, wenn man auf der Bühne steht“, erläutert Andrea Fester. „Neben ersten Erfahrungen im Improvisationstheater wurden vor allem Begrifflichkeiten erarbeitet und Mindmaps erstellt. Wir wollten den Teilnehmenden ein breites Rüstzeug vermitteln, sodass sie ihre Entscheidungen auf einer soliden Basis treffen konnten.“

Junge Jury als „Top Act“ bei der Preisvergabe

Im März 2020 musste die Jury-Arbeit ins Digitale wechseln. Mit großem Engagement von Rike Breier vom „JUNGEN! Theater Braunschweig“ sowie den theaterpädagogischen Fachkräften Andrea Fester und Patrick Dudek ist es gelungen, den Jugendlichen digitale Kontaktmöglichkeiten über Videokonferenzen und Messenger-Dienste zu ermöglichen und dabei auch technische Probleme in den Griff zu bekommen. Die zehn Festival-Produktionen aus den Bereichen Schauspiel, Tanz, Musiktheater und Performance hat die Junge Jury dann digital geschaut und auch ihren Austausch zu den Produktionen in den digitalen Raum verlegt. Geplant war das anders. Das gilt auch für die Preisverleihung, für die sich die Jugendlichen ein spektakuläres Finale „mit viel Glitzer, witziger Laudatio und liebevoll gebastelter Preis-Statue“ ausgedacht hatten, wie Rike Breier berichtet. Stattdessen haben die Nachwuchs-Juroren zehn Videos erstellt, in denen sie ausführlich darlegten, was sie warum an welcher Produktion fasziniert hat.

Strahlende Momente gab es dann aber doch, als die Junge Jury bei der virtuellen Preisvergabe als Top-Act des Videomeetings gehandelt wurde: „Dabei haben die Teilnehmenden unmittelbar gespürt, welche Relevanz ihrem Urteil zugestanden wird. Ihre Stimmen wurden maßgeblich gehört und das hat sie stolz gemacht“, beschreibt Rike Breier den Gänsehautmoment zum Abschluss des Projekts. Das Festival „Hart am Wind“ ist im Jahr 2020 vom JUNGEN! Staatstheater Braunschweig und dem LOT-Theater, einem Zentrum für Freies Theater in Niedersachsen, präsentiert worden.

Alle zwei Jahre wird das Festival „Hart am Wind“ in einer anderen Stadt und von anderen Theatern in Kooperation mit dem Arbeitskreis Nord der ASSITEJ Deutschland ausgerichtet. Ziel der ASSITEJ (Internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche) ist es, nicht nur eine Leistungsschau bemerkenswerter Inszenierungen zu präsentieren, sondern auch den Austausch und den Fachdiskurs im Kinder- und Jugendtheater zu stärken. Das „JUNGE! Staatstheater Braunschweig“ setzt sich dafür ein, dass Kindern und Jugendlichen kulturelle Teilhabe ermöglicht wird. Das „TPZ. – Theaterpädagogisches Zentrum für Braun-schweig und die Region e.V.“ koordiniert unter anderem theaterpädagogische Aktivitäten in Braunschweig und in der Region. Das „LOT-Theater e.V.“ hat sich als Veranstaltungsort für freie Theatergruppen und die regionale Kulturszene etabliert.