Engagement auf Augenhöhe

Zum Auftakt des Projekts „TanzTheaterTraum“ fuhr eine Gruppe Jugendlicher für sechs Tage in den Harz. Als ehrenamtliche Betreuer waren Ahmad Adi (24) und Mohammed Haj Rabea (21) dabei. Beide haben bereits selbst an Theaterprojekten teilgenommen.

Projekts „TanzTheaterTraum“

Sena Zahirovic

Beim Theaterspielen ist gegenseitiges Vertrauen enorm wichtig. Das bis Sommer 2019 laufende Projekt „TanzTheaterTraum“, das von der ASSITEJ Deutschland im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ gefördert wird, startete daher mit einer gemeinsamen Reise in den Harz. Bei Körpertraining, Tanz und Theater, aber auch beim Essen und Wandern lernten sich die 11- bis 18-jährigen Teilnehmenden während der sechs Tage näher kennen. Viele von ihnen haben einen Migrations- oder Fluchthintergrund. Für die Reise konnte Projektleiterin Theresa Meidinger vom Staatstheater Braunschweig mit Ahmad Adi (24) und Mohammed Haj Rabea (21) zwei junge Ehrenamtliche gewinnen, die das Team aus Tanz- und Theaterkünstlerinnen und -künstlern vor Ort perfekt ergänzten. Beide Ehrenamtliche bringen Theatererfahrung aus interkulturellen Projekten des GRINS e. V. mit. Der Verein, den Theaterpädagogin Meidinger mitgegründet hat, ist neben dem Staatstheater Braunschweig und der Nibelungen Realschule Bündnispartner im Projekt „TanzTheaterTraum“. Ahmad Adi kam vor gut fünf Jahren aus Syrien nach Deutschland, heute studiert er in Braunschweig. Mohammed Haj Rabea lebt seit 2015 in Deutschland und macht gerade seinen Realschulabschluss. Im Interview berichten sie über ihre Erfahrungen während der Theaterreise.

Wie kam es zu der ehrenamtlichen Mitarbeit im Projekt „TanzTheaterTraum“?

Ahmad Adi: Ich spiele seit drei Jahren Theater beim GRINS e. V. Nach unserem letzten gemeinsamen Stück hat mich Theresa Meidinger gefragt, ob ich Lust und Zeit habe, als Betreuer mit in den Harz zu fahren. Das hat mich sehr gefreut. Ich war neugierig und wollte sehen, wie so ein Projekt mit Kindern und Jugendlichen abläuft. Und da ich gerade ein Urlaubssemester habe, passte das.

Mohammed Haj Rabea: Ich habe auch schon bei zwei Theaterprojekten des GRINS e. V. mitgemacht. Als ich gefragt wurde, ob ich mit in den Harz kommen möchte, dachte ich erst, ich hätte keine Zeit. Neben der Schule tanze ich auch noch Hip-Hop und mache mit meiner Tanzgruppe bei Shows und Turnieren mit. Ich wollte aber gern beim Projekt dabei sein, daher habe ich Termine abgesagt und bin mitgefahren.

Was waren Ihre Aufgaben während der Reise? Und wie lief die Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern ab?

Ahmad Adi: Wir haben bei der Gruppenarbeit mit den Teilnehmern assistiert. Es waren auch drei arabische Mädchen dabei. Wenn sie etwas nicht verstanden haben, konnte ich übersetzen. Wir haben auch in der Küche und beim Aufräumen nach dem Essen geholfen. Die Arbeit mit den Künstlern war sehr angenehm. Sie haben die Jugendlichen viel selbst ausprobieren lassen, aber gesagt, wir können helfen, wenn wir das Gefühl haben, jemand weiß nicht weiter. Abends kamen alle Betreuer zusammen und dann haben wir uns ausgetauscht.

Mohammed Haj Rabea: Genau, wir haben mit den Teilnehmern getanzt, ein bisschen Gymnastik gemacht und in der Küche mitgeholfen. Da ich gern Videos mache, zum Beispiel für meinen YouTube-Kanal, hatte ich auch meine Kamera dabei und habe viel gefilmt. Der entstandene Film ist eine schöne Erinnerung für uns und die ganze Gruppe. Da wir Theresa vom Theater schon lange kennen, war die Zusammenarbeit sehr entspannt.

Wie war es, mit den Jugendlichen zu arbeiten?  

Ahmad Adi: Wir haben uns gleichzeitig ein bisschen wie Teilnehmer und Betreuer gefühlt. Die Gruppe war richtig nett, wir haben uns gut verstanden. Wir waren bei allem immer dabei, beim Training, beim Essen, abends. Wir sind wandern gegangen, haben am Lagerfeuer gesessen, gesungen, gespielt. Am ersten Tag haben wir viele Spiele gemacht, um uns kennenzulernen. Einmal gab es etwas Streit zwischen zwei Mädchen, sie kamen zu mir und wir haben gemeinsam überlegt, wie wir das lösen. Ich würde sagen, auch wir haben von den Teilnehmern gelernt, wir haben uns alle respektiert.

Mohammed Haj Rabea: Für mich war es auch toll, bei der Reise dabei zu sein. Ich habe sehr gern mit den Jugendlichen zusammengearbeitet. Obwohl wir uns vorher alle nicht kannten, hatten wir viele schöne Momente und viel Spaß, zum Beispiel bei einer spontanen Nachtwanderung durch den Wald. Wenn ich noch einmal die Gelegenheit bekomme, würde ich gern wieder mitmachen.

Sind Sie beide nach der Reise in den Harz weiterhin bei „TanzTheaterTraum“ dabei?

Ahmad Adi: Ja, wir haben uns nach der Reise schon zwei Mal getroffen, um ein Theaterstück anzuschauen und einmal für eine Führung im Theater. Jetzt im November ist das wöchentliche Training mit der Gruppe gestartet. Da komme ich auch zur Unterstützung vorbei, weil ich noch im Urlaubssemester bin und neben der Arbeit dafür Zeit habe. Ich freue mich, weiter mit den Jugendlichen zu arbeiten.

Mohammed Haj Rabea: Ich habe gerade ziemlich viel zu tun, mit der Schule und meiner Tanzgruppe. Aber ich möchte trotzdem auch gern donnerstags bei den Proben dabei sein und unterstützen. In dem Projekt kommen einfach viele Sachen zusammen, die ich liebe: Tanz, Theater und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Infos

Die ASSITEJ e. V. ist das Netzwerk der Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Mit „Wege ins Theater“ fördert die ASSITEJ als Programmpartnerin von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ außerschulische Projekte, die Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren Zugänge ins Theater eröffnen. Für die Förderung in verschiedenen Projektformaten können sich Bündnisse bewerben, die aus einem Theater, einer Einrichtung mit Kontakt zur Zielgruppe sowie mindestens einem weiteren Partner bestehen.

Nähere Informationen finden Interessierte unter www.wegeinstheater.de.