Eine Welt im Karton

Am 23. März 2019 feierte die Abenteuerkomödie „In 80 Tagen um die Welt“ Premiere am Kinder- und Jugendtheater Lutz in Hagen. Vorab haben Kinder in Workshops die Facetten des Theaters entdeckt – und zum Beispiel eigene Bühnenbilder entworfen.  

Teilnehmende am durch Kultur macht stark geförderten Projekt

Dirk Burghaus

„Weltenbummler“ lautet das Motto der Spielzeit 2018/19 am Lutz, dem Kinder- und Jugendtheater in Hagen. Denn das Theater nimmt sein Publikum mit auf die Reise, dank fantasievoller Bühnenbilder, Kostüme und einem leidenschaftlichen Ensemble. Das Projekt „In 80 Tagen um die Welt“ lud im Vorfeld der Premiere des gleichnamigen Stücks am 23. März 2019 Kinder aus Hagen ein, die facettenreiche Arbeit auf und hinter der Bühne in mehreren Workshops kennenzulernen. Für das Projekt, das der Deutsche Bühnenverein im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ fördert, haben sich das Lutz, der Kunst vor Ort e. V. und das Kulturzentrum Pelmke als Bündnis zusammengeschlossen.  

Einer der Workshops widmete sich dem Bühnenbild. Unter Anleitung der freiberuflichen Kostüm- und Bühnenbildnerin Sabine Kreiter haben rund 15 Mädchen und Jungen zwischen sieben und zehn Jahren Miniaturwelten in Pappkartons erschaffen. Dafür sind sie über vier Wochen jeweils einen Nachmittag in einem ehemaligen Ladenlokal, der Kulturoase des Kulturzentrums Pelmke im Stadtteil Wehringhausen, zusammengekommen. Kinder aus dem ganzen Hagener Stadtgebiet hatten sich angemeldet. Wichtig war dem Kunst vor Ort e. V., dass zudem Mädchen und Jungen aus dem Stadtteil spontan mitmachen konnten. Der Verein möchte gerade auch Kindern die Teilnahme an kostenlosen kreativen Angeboten ermöglichen, die sonst wenig Zugang zu kulturellen Einrichtungen der Stadt haben.  

Vom Großen ins Kleine

Zwei Mitarbeiterinnen des Vereins – Anna-Lena Majoress, Kunsttherapeutin und freischaffende Künstlerin, und die angehende Heilpädagogin Carolin Werrn – haben den Workshop mit begleitet. Das Betreuerinnen-Trio ergänzte sich gut: „Die Mitarbeiterinnen von Kunst vor Ort kennen die Familien im Stadtteil und sie haben viel Erfahrung in der künstlerischen Arbeit mit Kindern“, berichtet Sabine Kreiter, die seit vielen Jahren für Kinder- und Jugendtheater Kostüme und Bühnenbilder entwirft und umsetzt. Die Teilnehmenden seien sehr respektvoll miteinander umgegangen, jede und jeder konnte sich einbringen. Von dem offenen Austausch haben alle profitiert.  

„Der Begriff Bühnenbild ist für Kinder zunächst einmal sehr abstrakt“, erklärt Sabine Kreiter. Wie im Theater Bühnenbilder entstehen, hat sie daher behutsam in die Workshops einfließen lassen, parallel zum Basteln und Werkeln. Eine Herausforderung war zum Beispiel, wie man die große Welt im passenden Verhältnis in die kleine Kiste bekommt. Dazu haben die Kinder mit großer Begeisterung aus selbstgemachter Knete kleine Figürchen erstellt. Sie dienten als Maßstab für die weitere Innenausstattung ihrer Bühnenmodelle. Außerdem beschäftigte sich die Gruppe mit Fragen wie: Von wo aus schaut das Publikum auf die Bühne? Woher kommt das Licht? Werden auch die Außenseiten eines Bühnenmodells gestaltet?

Eine Welt im Schuhkarton

Dirk Burghaus

Stationen einer Reise

Übergreifendes Thema im Workshop war – analog zum Theaterstück „In 80 Tagen um die Welt“ – das Reisen. Bei regelmäßigen Präsentationsrunden an den Workshop-Nachmittagen stellten alle ihre Welt als Station einer Reise vor – ganz ohne Bewertungen, wie Sabine Kreiter erzählt: „Die Kinder nehmen die Vielfalt ihrer individuellen Werke ganz selbstverständlich wahr und erkennen das Andere an.“ Lara hat ihren Karton zum Beispiel mit vielen grün bemalten Büschen aus Knete bestückt und auch einen Lautsprecher gebastelt. „Ich habe viel Neues ausprobiert und es hat funktioniert“, freut sich die 9-Jährige. Für Eric und Aiden, 8 Jahre, war etwas anderes wichtig: „Die Helden gehen nie aufs Klo, aber eigentlich braucht man das auf einer Reise.“ Die Jungen haben deshalb eine Toilette in ihre gemeinsame Kartonwelt integriert.

Der Workshop selbst war auch eine Reise für die Mädchen und Jungen. „Wichtig ist, die Kinder über den Berg zu führen, wenn etwas mal nicht so klappt“, betont Kreiter. Dabei schöpft die Bühnenbildnerin aus ihrer Erfahrung darin, im Theater mit kreativen Lösungen vieles möglich zu machen. Am Ende wollten die Kinder ihre bunten Kartons unbedingt fertig bekommen. Die Mühe hat sich gelohnt: Beim Entdeckertag am 17. März im Foyer des Lutz haben sie ihre Modelle voller Stolz den großen und kleinen Besucherinnen und Besuchern des Theaters präsentiert.

Unter dem Titel „Zur Bühne“ fördert der Deutsche Bühnenverein im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ außerschulische Theater-, Tanz- und Musikprojekte für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren, die einen erschwerten Zugang zu Bildungsangeboten haben. Der Schwerpunkt der Projekte muss nicht allein auf Bühnenkunst liegen, sondern kann auch den handwerklichen wie technischen Bereich miteinbeziehen. Einen Antrag auf Förderung können Theater oder Orchester stellen, die sich mit mindestens zwei lokalen Einrichtungen zu einem Bildungsbündnis zusammenschließen.

Weitere Informationen finden Interessierte auf der Website des Deutschen Bühnenvereins.