Ehrenamtlerin aus Überzeugung

Vor vier Jahren begann Ulrike Fischer (59), sich für die „LeseHelden“-Projekte des Borromäusvereins zu engagieren. Im Gespräch erzählt die Fachlehrerin, wie ihr die Schulung des Vereins dabei geholfen hat und warum Ehrenamt ein Gewinn für viele ist.

Die "LeseHelden" in Aktion.

„Reise durch Europa“ 

Marie Luise Wolfert

Frau Fischer, wie kam es zu Ihrem ehrenamtlichen Engagement für die „LeseHelden“?

Ich arbeite als Fachlehrerin für Werken, Gestalten und Hauswirtschaften an der Fröbel-Schule in Aschaffenburg, einer Schule mit Förderschwerpunkt Lernen. Das Projekt „LeseHelden“ habe ich beim Besuch der Didacta 2014 in Stuttgart kennengelernt. Ich habe als Kind selbst wahnsinnig gern und viel gelesen. Lesen ist der Eintritt in die Welt der Medien, des Wissens, des Verstehens – doch die wenigsten Kinder haben heute Bücher zuhause. Die „LeseHelden“-Projekte sind daher eine wunderbare Möglichkeit, Lust auf Lesen zu machen. Im September 2014 habe ich dann eine der Schulungen besucht, die der Borromäusverein für alle neuen ehrenamtlich Mitwirkenden veranstaltet.

Was haben Sie bei der Schulung gelernt und wie hat Ihnen das bei der Umsetzung von Projekten geholfen?

Die Schulung war unheimlich wichtig für mich. Innerhalb eines halben Tages erfuhr ich alles, was für die Durchführung eines Projekts nötig ist: Welche Aufgaben übernehmen die Partner, die sich in einem Bündnis mit dem Borromäusverein zusammenschließen? Was sind mögliche Themen und Inhalte? Wie kann der zeitliche Ablaufplan eines Projekts aussehen? Besprochen wurde auch, wie man Kinder erreichen kann, die wenig Zugang zu Büchern haben, und wie die Eltern eingebunden werden können. Als es dann mit der Zusammenarbeit im Bündnis losging, habe ich außerdem Zugang zu Materialien im Netz bekommen, die weitere Anregungen für die Umsetzung bieten. Seitdem habe ich schon erfolgreich in mehreren Projekten mit verschiedenen Partnern leitend mitgearbeitet und Leseangebote durchgeführt – erst in der Schulbücherei und dann in der Katholischen öffentlichen Bücherei in Aschaffenburg-Obernau, die ich ehrenamtlich leite.

Welche Projekte haben Sie bisher umgesetzt? Was steckt da an ehrenamtlichen Engagement drin?

Im Juli haben wir das Projekt „Reise durch Europa“ mit einem großen Fest abgeschlossen. Über mehrere Wochen hatten männliche Vorleser Vorschulkindern aus dem Kinderhaus St. Peter und Paul verschiedene europäische Länder nahegebracht. Ich habe die Idee entwickelt und das gesamte Projekt in Abstimmung mit dem Kinderhaus organsiert. Bei der Umsetzung hilft auch das ehrenamtliche Team der Bücherei. Überhaupt habe ich bisher immer ganz viel Hilfsbereitschaft vor Ort erfahren: ob es darum ging, einen Lesenachmittag im Schloss zu veranstalten, oder ein Bücher-Fußball-Wochenende mit Übernachtung auf dem Fußballplatz zu organisieren. Klar, das kostet viel Zeit. 40 bis 50 Stunden bringe ich im Laufe eines Projekts an zusätzlichem Engagement auf. Aber es lohnt sich.

Sie ziehen also eine positive Bilanz Ihres Engagements für die „LeseHelden“?

Auf alle Fälle. Es ist wirklich ein tolles Projekt. Die Kinder sind wissbegierig, hören gebannt zu und beteiligen sich an den Diskussionen. Einer der Jungen aus dem Europa-Projekt meinte zum Abschluss: „Und jetzt will ich Lesen lernen!“ Das ist meist keine flüchtige Begeisterung, wie unsere Erfahrung zeigt: Im Schnitt bleiben zwölf bis 15 „LeseHelden“ und ihre Eltern als regelmäßige Gäste der Bücherei erhalten. In einem Fall hat eine türkische Mutter so Zugang zur deutschen Sprache gefunden: Sie kam zum Abschlussfest, hat sich Kinderbücher ausgeliehen und darüber Deutsch gelernt. Die Projekte sind daher auch für uns als Bücherei ein Gewinn, vor allem aber natürlich für die Kinder, die wir so auf den Geschmack des Lesens bringen können.

Info

Im Projekt „Wir sind LeseHelden“ gründet der Borromäusverein e. V. gemeinsam mit den Katholischen Öffentlichen Büchereien sowie den Bibliotheken in kommunaler oder freier Trä-gerschaft und einem weiteren lokalen Bündnispartner deutschlandweit Bündnisse. Ziel der Projekte ist es, die Lesefreude von Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren zu wecken und ihre Sprach- und Sozialkompetenz zu verbessern. „Wir sind LeseHelden“ ist die Fortsetzung und Erweiterung des Vorgängerprojekts „Ich bin ein LeseHeld“ (2012-2017).
Für die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen in den Büchereien/Bibliotheken bietet der Verein Schulungen an. Für Ehrenamtliche, die erstmals in einem der Projekte engagiert sind, ist die Schulung verpflichtend.
Mehr Informationen zum Projekt „Wir sind LeseHelden“ finden Interessierte auf der Website des Borromäusvereins.