Das Zuhause filmisch entdecken

Beim Kurzfilmfestival „UM Challenge“ entdecken Nachwuchsfilmschaffende von neun bis 18 Jahren filmisch ihr Zuhause – und gleichzeitig auch ihre eigene Kreativität. Partizipation heißt das Zauberwort – in der Organisation wie in den Workshops.

Der Einsendeschluss für das Kurzfilmfestival „Uckermark-Challenge“ wurde auf den 29. Au-gust 2021 gelegt.

Der Einsendeschluss für das Kurzfilmfestival „Uckermark-Challenge“ wurde auf den 29. August 2021 gelegt. Die Filme sollen dann am 25. September im Kino im Kulturhaus in Templin gezeigt und juriert werden.

Tim Friedrich

Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 18 Jahren, die Lust am Filmen haben und in der Uckermark leben, sind eingeladen, ihre Filme einzusenden und sich am Kurzfilmfestival „UM Challenge 2020/2021“ (UM steht für die Uckermark, entsprechend dem Autokennzeichen des Landkreises) zu beteiligen. Das Motto ist mit „grenzenlos & eingeschränkt“ weit gefasst – und nimmt einerseits Bezug auf die Coronapandemie, andererseits auf die grenzenlose Weite des Internets. Der Fokus liegt auf Erfahrungen und Erzählungen aus der Uckermark. Mit ihren 3.077 Quadratkilometern und 118.689 Einwohnern zählt die Uckermark zu den am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands. Die „UM Challenge“ lädt dazu ein, den Landstrich im Nordosten Brandenburgs mit der Kamera einzufangen.

Ermöglicht wird die „UM Challenge“ durch das Zusammenwirken vieler Engagierter. Etwa durch den Jugendinformations- und Medienzentrum-Verbund Templin, der aus dem Multikulturellen Centrum und dem JugendKella der evangelischen Kirche in Templin besteht. Zu den weiteren Bündnispartnern gehören die Kinderökoinsel „Spatz“, das Jugendhaus Villa 2.0 und der Hort „Zauberlehrling“ in Templin. Zudem gibt es weitere Kontakte zu Jugendeinrichtungen in anderen Städten der Uckermark, etwa in Prenzlau oder in Schwedt. Die „UM Challenge“ ist einerseits ein weitgehend von Jugendlichen allein organisiertes Festival, anderseits gibt es aber auch Kurse und Workshops bei den Bündnispartnern, um die Beteiligung zu fördern.

Jugendliche entfalten sich gemeinsam

Die Festivalorganisation übernimmt eine Gruppe Jugendlicher, die sich aus der Jugendeinrichtung „Jugendkella“ kennt. Einige von ihnen hatten teilweise schon erste Erfahrungen mit Filmworkshops in früheren Kultur-macht-stark-Projekten gesammelt. Aus der gemeinsamen Begeisterung für Filme entstand die Idee, die „UM Challenge“ zu entwickeln. Die Jugendlichen haben sich anfangs intensiv Gedanken über das Motto gemacht. Momentan sind sie dabei, das Festival zu bewerben. Dafür schreiben sie ganz altmodisch Briefe an Jugendzentren, um die Anzahl der Einreichungen zu erhöhen. Gleichzeitig rühren sie digital in den sozialen Medien die Werbetrommel.

Einige Jugendliche aus dem Organisationsteam drehen auch selbst Filme. Schüler Tim Friedrich (18) beschreibt, warum er sich engagiert: „Mit mehreren Leuten einen Film zu drehen ist einfach cool, man begeistert sich gegenseitig, eigene Ideen und Ansichten können geteilt werden, und daraus entsteht letztendlich ein Film, der präsentiert werden kann. Die Anleiterinnen und Anleiter der Workshops geben uns gute Tipps, die uns wiederum neue Erfahrungen ermöglichen. Wenn es gut läuft, dann kommen andere darüber ins Gespräch oder sie fragen sogar nochmal nach. Ich bin gern wieder dabei, weil die UM Challenge mir einen Gestaltungsspielraum bietet, in dem ich mich mit anderen gemeinsam entfalten kann – im Organisationsteam wie beim Filmedrehen.“

Erfahrene Crew gibt Wissen weiter

Die erfahrenen Jugendlichen wie Tim geben ihre bereits erworbenen Kenntnisse weiter. Sie beraten andere Kinder und Jugendliche bei der Umsetzung geplanter Filmbeiträge. Die Jugendlichen konnten sich im Oktober 2020 noch zweimal persönlich treffen, inzwischen sind sie wieder auf digitale Treffen umgeschwenkt. „Zum Glück haben wir es ja mit medienaffinen jungen Leuten zu tun. Das erleichtert diese Form der Zusammenarbeit“, sagt Kathleen Okrent, Projektleiterin beim Multikulturellen Centrum Templin e.V. „Und dass sich das Orga-Team aus früheren Aktivitäten kennt, ist ebenfalls hilfreich.“ Gleichwohl ist es eine Herausforderung für die Jugendlichen, sich über den langen Zeitraum zu motivieren. Kathleen Okrent und ihre Kolleginnen und Kollegen aus den Bündnissen, besonders Lutz Böning als Leiter des „Jugendkella“ Templin, sind mit den Jugendlichen eng im Kontakt, um sie unter den schwierigen Corona-Einschränkungen bei der Stange zu halten und die Motivation zu stärken.

„Workshop bietet viel mehr als Fachwissen“

Im Rahmen des Projekts bieten die Bündnispartner auch Filmworkshops an. Im Templiner Hort „Zauberlehrling“ unterstützt Medienpädagogin Kristin Ehlert die Teilnehmenden im Alter von neun bis elf Jahren bei der Entwicklung einer ersten Filmidee und begleitet die weiteren Schritte. Sie gibt Tipps, wie ein Drehbuch entsteht, kennt sich aus mit Schnitttechniken und weiß auch, wie man die richtige Musik für einen Film finden kann, ohne die Urheberrechte zu verletzen. Die enge Zusammenarbeit mit zwei engagierten Erzieherinnen, die ihre Gruppen natürlich gut kennen, garantiert, dass auch Kinder im Projekt mitarbeiten, die in ihren Familien sonst kaum Zugang zu kulturellen Angeboten erhalten. Sie setzen sich eine Woche lang intensiv mit bewegten Bildern auseinander. So viel Zeit und Fachkompetenz ist normalerweise im Alltag kaum für dieses Thema vorhanden. Über die Beschäftigung mit der Filmgestaltung entstehen gruppendynamische Prozesse, von denen alle profitieren: Wer ist Regisseur und darf Ansagen machen? Wer arbeitet gern am Rechner und hilft beim Schnitt und wer hat Lust, Kostüme und Kulissen zu basteln?

Hoffnungen ruhen auf den Sommerferien

„So ein Workshop bietet mehr als nur Fachwissen zum Filmemachen“, erläutert Kathleen Okrent. Bedauerlicherweise wurden die für die Winter- und Osterferien geplanten Ferienworkshops coronabedingt verschoben. Die Hoffnung liegt nun auf den Sommerferien. Der Einsendeschluss für das Kurzfilmfestival wurde auf den 29. August 2021 gelegt. Die Filme sollen dann am 25. September im Kino im Kulturhaus in Templin gezeigt und bewertet werden. Auch für die Gestaltung der Präsentation der Filme im Kinosaal des Kulturhauses in Templin übernehmen die Jugendlichen Verantwortung: Sie können sich überlegen, wie der Saal geschmückt werden soll, wie sie das Rahmenprogramm gestalten und wie sie den Teilnehmenden den Austausch ermöglichen wollen. Für Tim ist es wichtig, „dass unser Festival auch ein Ort des Kennenlernens, des Miteinanders wird“. Zumal Kindern und Jugendlichen während der Coronapandemie das Zusammensein mit Gleichaltrigen fehlt.

Gefördert wird das Kurzfilmfestival „UM Challenge 2020/2021“ vom Bundesverband Jugend und Film e. V. Mit dem Programm „Movies in Motion“ werden die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen durch verlässliche Bildungsangebote verbessert. Auf lokaler Ebene ist der Jugendinformations- und Medienzentrum-Verbund Templin, der aus dem Multikulturellen Centrum und dem „JugendKella“ der ev. Kirche in Templin besteht, für die Umsetzung verantwortlich. Zu den weiteren Bündnispartnern gehören die Kinderökoinsel „Spatz“, das Jugendhaus Villa 2.0 und der Hort „Zauberlehrling“ in Templin.