Beats, die verbinden

Gemeinsam groovt es besser. Im Lübecker Projekt „Rap & Brass Beats“ entstehen unter Anleitung von Mustafa Omari Songs und Beats. Im Interview berichtet der Rap-Coach über seine Arbeit mit den Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft.

Auftritt bei „Rap for Refugees“ in Hamburg

Auftritt bei „Rap for Refugees“ in Hamburg.

Laura Müller

Herr Omari, Sie sind Rap-Coach im Projekt „Rap & Brass Beats“. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Das Projekt ist im Herbst 2018 gestartet. Inzwischen haben die Jungen und Mädchen gut als Gruppe zusammengefunden. Sie sind zwischen zwölf und achtzehn Jahre alt und haben alle einen Migrationshintergrund. Manche sind hier geboren, andere sind erst vor kurzem nach Deutschland gekommen. Einmal wöchentlich treffen wir uns in den Räumen des Tontalente e.V. Wir suchen nach Themen und schreiben Texte, meist auf Deutsch, aber zum Teil auch in den Heimatsprachen der Teilnehmenden. Ich zeige den Jugendlichen, wie man mit Software Beats zu einem Song baut. Beim Rappen und Singen begleitet uns außerdem die Percussion Group der Deutschen Jugend-Brassband Lübeck. In dieser Kombination treten wir im Rahmen des Projekts auch bei mehreren Veranstaltungen auf.

Wie sind Sie selbst zum Rap gekommen – und letztlich zu diesem Projekt?

Als Jugendlicher hatte ich den Traum, die Musik zu meinem Beruf zu machen. Ich habe als Teenager angefangen, gemeinsam mit Freunden zu rappen und Beats am PC zu bauen. Ich hatte zwischenzeitlich auch einen Plattenvertrag und ein eigenes Studio. Aber als Rap-Musiker dauerhaft Erfolg und ein stabiles Einkommen zu haben, ist schwierig. Und das war mir mit Familie und zwei Kindern wichtig. Ich habe also eine Ausbildung zum Schweißer gemacht und jetzt gerade meinen Meister abgeschlossen. Seit mehreren Jahren arbeite ich aber nebenbei auch als Rap-Coach. Das ist eine schöne Ergänzung.

Was können Sie den Jugendlichen aus Ihrer Lebenserfahrung heraus mitgeben?

Auch wenn es in den Gesprächen mit den Jugendlichen nicht direkt Thema ist, gibt es doch einige Parallelen. Ich bin als Vierjähriger mit meiner Familie aus dem Libanon als Kriegsflüchtling hierhergekommen. An diese Zeit habe ich sehr positive Erinnerungen, denn wir wurden damals sehr herzlich aufgenommen und haben viel Unterstützung erhalten. Ich finde es wichtig, dass Geflüchtete heute auch solche Erfahrungen machen. Mich hat das Rappen damals auch motiviert, meinen Wortschatz zu erweitern. Ich habe plötzlich angefangen, Bücher zu lesen. Nicht zuletzt kann ich ihnen einen ehrlichen Einblick in das Musikbusiness geben. Für manche klingt es sehr verlockend, statt Ausbildung und Arbeit lieber mit der eigenen Musik Geld zu verdienen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht so einfach ist.

Was nehmen die Jugendlichen aus dem Projekt mit?

Ich finde, das ist etwas ganz Positives für die Kids. Sie haben es oft nicht leicht in ihrem Alltag. Beim Texten können sie sich mit dem auseinandersetzen, was sie beschäftigt, ob persönliche Themen oder das, was sie aus den Medien über die Gesellschaft erfahren. Dabei ist mir auch wichtig, zu zeigen, dass guter Rap weder gewaltverherrlichend noch frauenfeindlich ist. Beim Schreiben trainieren sie außerdem den Umgang mit der deutschen Sprache. Und da wir im Team arbeiten, geht es auch darum, wie man gut zusammenarbeitet und mit unterschiedlichen Meinungen umgeht. Sie lernen, wie Schritt für Schritt ein Song entsteht und was da alles dazugehört: Kreativität, Technik und jede Menge Geduld. Auch die anstehenden Live-Auftritte gemeinsam mit der Percussion Group werden sicher ein besonderes Erlebnis für die Jugendlichen sein. Außerdem sind eine Studioaufnahme und ein Video-Clip geplant. Sie nehmen also auch ein konkretes Ergebnis aus dem Projekt mit. 

Das Lübecker Projekt „Rap & Brass Beats“ wird vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. gefördert, der seit 2018 Programmpartner von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ ist. Bündnispartner im Projekt sind der Tontalente e.V., die Deutsche Jugend-Brassband Lübeck sowie die Alevitische Gemeinde und der iranische Verein Toranj. Neben Rap-Coach Mustafa Omari arbeiten noch Musikpädagogin Fabienne Haßlöwer (Gesang) und Helge Willert (Leitung Percussion Group) mit den Teilnehmenden. 

Mit interkulturellen Angeboten in den Bereichen darstellende Kunst, bildende Kunst, Musik und Literatur möchte der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. im Rahmen von „InterKulturMachtKunst – KunstMachtInterKultur“ Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte erreichen, die einen erschwerten Zugang zu Bildung haben.
Weitere Informationen zum Programmpartner gibt es auf interkulturmachtkunst.de.