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Aufmöbeln statt wegschmeißen

talentCAMPus – Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.


Die Realschule an der Mellinghofer Straße in Mülheim hat einen „Chillraum“, in dem seit kurzem neue Möbel stehen. Dazu gehören eine Art Truhe zum Draufsetzen und ein Sideboard mit Rollen. Die Möbelstücke fallen auf. Sie wurden aus alten Turnkästen recycelt, die eigentlich schon ausrangiert waren. Diese rechteckigen Holzkästen mit Löchern anstelle von Schubladengriffen und mit Lederbezügen in Hellbraun dürften vielen Erwachsenen in lebhafter Erinnerung sein, weil sie für sie zum Schulsport gehören wie die Klingel zur großen Pause. Und die Möbel kommen an. Die Jüngeren finden sie meistens einfach cool. Upcycling, Material so wiederzuverwerten, dass daraus etwas Neues oder Untypisches entsteht, liegt im Trend.

Kreativ bis in die Pause hinein

Die Neumöbel im Chillraum sind nicht auf irgendeinem Designmarkt gekauft, sondern selbstgemacht – von 12- bis 16-Jährigen, die dafür einen ungewöhnlichen Kurs besuchten. Jonas Höhmann vom Mülheimer Sportservice war einer der Beteiligten und fasst die Vorgeschichte so zusammen: „Die Turnkästen entsprachen nicht mehr der Norm und standen bei uns rum, zum Wegwerfen waren sie aber irgendwie zu schade.“ Nun hat Höhmann einen guten Draht zur Mülheimer Volkshochschule, die wiederum Kontakt zu einem Tischler und einer passenden Dozentin hat. So entstand ein viertägiger Upcycling-Kurs im Rahmen der bundesweit über „Kultur macht stark“ geförderten VHS-Reihe „talentCAMPus“, diesmal ein Ferienangebot für die „Internationale Klasse“ der Realschule.

Für die vielen Mädchen und nicht ganz so vielen Jungs war das eine spannende Möglichkeit, kreativ zu werden. Für den Trendsportbeauftragten Höhmann war es eine willkommene Gelegenheit, die Sportförderung mit der Kulturförderung zu verbinden. Mit Schwedenschach, Longboards und Skateboards im Gepäck brachte er Bewegung in die Kurspausen. „Für einige Mädels aus Bulgarien und Syrien war das ein Riesenspaß, das kannten die überhaupt nicht von zu Hause“, so Höhmann. Die mit dem Upcycling verbundene Idee des Teilens und Tauschens war für viele dagegen nicht neu.

Während Höhmann auf seine Weise für sportliche Aktivitäten begeisterte, vermittelte VHS-Dozentin Nora Rütten den Jugendlichen die Idee hinter dem Recycling. Die Gruppe sprach über Nachhaltigkeitskonzepte und bastelte zum Beispiel neue Mappen aus alten Fahrradschläuchen. Für das Auseinandersägen und Neuzusammenbauen der Turnkästen gab es fachmännische Verstärkung von Tischlermeister Michael Kobjolke.

Jugendliche und Erwachsene zufrieden

Er ist mittlerweile im zehnten Jahr als Dozent aktiv. „Interessierten Kindern etwas beizubringen, macht immer Spaß“, sagt er. „Außerdem finde ich es wichtig, dass es solche Angebote in den Ferien gibt.“ Beim Upcycling-Kurs nahm Kobjolke die Jugendlichen mit in die Welt der Holzverarbeitung, half beim Sägen, Hämmern oder mit den Steckeisen und Akkuschraubern.

Das Betreuungsteam ist froh, dass sie sich die Arbeit aufteilen konnten – ein Vorteil der Projektstrukturen in den Bündnissen für Bildung. Nach dem Kurs wurden die ungewöhnlichen Möbel zeitweise auch im Mülheimer Sportservice ausgestellt. Weil der Kurs so erfolgreich war, denkt die VHS gegenwärtig darüber nach, wie sie in Zukunft ähnliche Angebote machen kann. Und die Jugendlichen, die waren unmittelbar nach dem Kurs so begeistert, dass sie hoch und heilig versprachen, ihr Abschlussgeschenk niemals aufzuessen: die Schokoladenwerkzeugkästen.


Der Online-Auftritt zur Projektreihe talentCAMPus