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„Eine Mischung aus Freundin und großer Schwester“

Kulturbotschafterinnen und Kulturbotschafter im Sozialraum. Kultur und Medien im Alltag – Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke e.V.

Ende Juli 2017, Bad Neuenahr-Ahrweiler, eine Kleinstadt im nördlichen Rheinland-Pfalz, nicht weit weg von Bonn: Die großen Ferien haben angefangen, doch Langeweile kommt nicht auf. Über 60 Grundschulkinder wuseln durch sechs Workshops des Projekts „Kulturräume für Grundschulkinder“, die eine Woche lang in mehreren Gebäuden rund um ein Mehrgenerationenhaus stattfinden. Sie denken sich Theaterstücke und Tänze aus, verkleiden sich, erfinden neue Spiele, kochen Marmelade ein, malen, fotografieren oder drehen Filme. Am letzten Tag wird alles gezeigt, geteilt und aufgeführt, für die Eltern, die Freunde und andere Kinder.

Die Workshops wurden von vielen Menschen vorbereitet und durchgeführt. Erzieherinnen, Medienpädagogen, Schauspielerinnen, Künstler und bis zu 20 ehrenamtliche Kulturbotschafterinnen und -botschafter, die man hier liebevoll „Kubos“ nennt, stehen den Kindern mit Rat und Tat zur Seite.


Vom Gruppenleiter zum Kubo

Drei der 20 Kubos sind Louisa Glöde (15), Jasmine Schröer (21) und Annalena Di Carlo (18). Sie haben eine Schulung zur Gruppenleiterin gemacht und anschließend eine ergänzende Fortbildung zur Kulturbotschafterin. „Das kann man sich natürlich gut in den Lebenslauf schreiben“, sagt Louisa. Viel wichtiger findet sie aber, und da stimmen die beiden anderen vehement zu, „dass die Kinder immer so schön beseelt hier rausgehen.“

Für die drei jungen Frauen war es nicht die erste Ferienaktion, bei der sie als Kulturbotschafterinnen geholfen haben. Jasmine und Louisa unterstützten diesmal im Medienworkshop, wobei Jasmines Erfahrungen aus dem Vorjahr einflossen: „Wir sind von Anfang an mit mehr Plan da rangegangen“, sagt Jasmine. Louisa illustriert die Workshop-Arbeit mit einem Beispiel: „Wer hier mitmacht, interessiert sich für Technik, ein Tablet bedienen können die alle schon. Aber wir können ihnen Apps für Stop-Motion-Tricks zeigen, die sie noch nicht kennen.“ Neben kreativen Kurzfilmen entstanden im „Kulturraum: Technik-Studio“ auch Dokumentationen über die anderen Workshops und das Projekt insgesamt.

Motivieren und aufpassen

Annalena unterstützte im Bühnenworkshop eine auf Tanz spezialisierte Schauspielerin und half den Kindern dabei, moderne und historische Tänze für die Abschlussshow auszuwählen. Ihre Rolle beschreibt sie so: „Ich würde sagen, dass ich eine Mischung aus Freundin und großer Schwester bin.“ Mit der Freundin haben die Kleinen jede Menge Spaß. Die große Schwester passt zum Beispiel auf dem Spielplatz auf, dass nichts passiert und im pädagogischen Sinne, dass alle etwas lernen und Selbstbewusstsein aufbauen.

Als Kind hat Annalena selbst viel getanzt und außerdem ähnliche Ferienfreizeiten erlebt, wenn auch „eine Nummer kleiner als jetzt bei ‚Kultur macht stark‘.“ Sie ist froh, dass sie als Kubo etwas zurück- und weitergeben kann. Weder für Annalena noch für Louisa und Jasmine soll 2017 das letzte Kubo-Jahr gewesen sein, erzählen sie. Alle drei möchten gerne ehrenamtlich weitermachen, wenn die Zukunft mitspielt. Für sie selbst hängt das mit der Ausbildung oder dem Abitur zusammen, für das Bündnis hinter dem Projekt mit der neuen Förderperiode, die 2018 beginnt.

Die Ferienaktion „Kulturräume für Grundschulkinder“ wird von einem lokalen Bündnis für Bildung organisiert. Zu diesem Bündnis gehören die Katholische Familienbildungsstätte Bad Neuenahr-Ahrweiler, die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKUJA) der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr und die Pfarreigemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler. Gefördert wird das Projekt im Rahmen von „Kultur macht stark“ von der AKSB - Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Links unter dem Artikel:
Ein Kurzfilm über das Projekt von 2016: kubo-bna.de/kulturraeume-der-film-2016
Die Website www.kulturbotschaft-online.de gibt einen guten Überblick mit aktuellen Nachrichten.