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Wo Musik Brücken schlägt

Beim gemeinsamen Musizieren von Kindern und älteren Menschen entstehen nicht nur überraschende Momente, sondern auch eine starke Verbindung zwischen den Generationen. Wie? Das zeigt ein „Kultur macht stark“-Projekt in Hamm.

Ältere Menschen und Kinder singen gemeinsam und halten Schilder mit Bienen hoch.
Konzert für alle Sinne im Sommer 2025 im Seniorenzentrum: Die Generationengruppe setzt dabei nicht nur auf guten Klang, sondern sorgt mit selbstgebastelten Schildern auch für visuelle Elemente. © Matthias Brakel

Jeden Montagmorgen laufen zehn Vorschulkinder der Kita St. Josef in Hamm durch den Garten hinüber ins benachbarte Seniorenzentrum. Dort erwartet sie bereits Anne Raulf, Musikpädagogin der Städtischen Musikschule Hamm. Sie leitet das Projekt „Wir machen Musik – Kinder und Senior:innen musizieren gemeinsam“ musikalisch – unterstützt von einer Erzieherin oder einem Erzieher sowie einer Betreuungskraft des Seniorenzentrums. So entsteht ein eng verzahntes Bündnis, das in dem „Kultur macht stark“-Projekt intergenerationelle Begegnung ganz selbstverständlich möglich macht.

Tandems, die Vertrauen schaffen

Bei der gemeinsamen Vorbereitung auf Konzerte bilden je ein Vorschul-Kita-Kind und eine Seniorin oder ein Senior für mehrere Monate ein festes Tandem. Diese Verlässlichkeit schafft Nähe – beide Seiten haben jemanden, auf den sie sich freuen. Raulf erlebt oft, wie sich in den ersten Minuten kleine Gespräche entwickeln: Kinder erzählen von neuen Spielsachen oder blinkenden Schuhen, Seniorinnen und Senioren von ihrer eigenen Kindheit. Eine ältere Teilnehmerin berichtet: „Die Unbeschwertheit der Kinder ist ansteckend.“ Die Vorschulkinder nehmen ihrerseits viel aus der Teamarbeit mit: „Frau O. kennt einfach alle (Volks-)Lieder und hilft mir dann“, berichtet die 5-jährige Thea. Theas Freundin Liana bewundert ihre Tandempartnerin dafür, dass diese mit geschlossenen Augen singen kann. „Das möchte ich auch lernen“, schwärmt sie.

Musik als gemeinsamer Nenner

Zum Repertoire der Gruppe gehören alte Volkslieder genauso wie moderne Kinderlieder. Dabei lassen die Teilnehmenden Instrumente wie Rasseln, Glöckchen, Klanghölzer und kleine Trommeln erklingen. Raulf plant von Familienkonzert zu Familienkonzert und entwickelt dafür jeweils ein bestimmtes Thema – wie etwa Tiere, Fabelwesen oder Reisen. In den Projekttreffen selbst geht es nicht nur um Musik, sondern auch um das Miteinander. Für Thea gehört es selbstverständlich dazu, dabei auch Verantwortung zu übernehmen: „Ältere Menschen können sich manchmal nicht mehr gut bewegen oder bücken. Deswegen bringen wir ihnen immer die Instrumente“, erzählt sie. Raulf beschreibt es so: „Die Kinder haben viel Energie und Neugier, die Seniorinnen und Senioren reagieren darauf – sie werden offener, lachen mehr, machen sogar bei lustigen Sitztänzen mit. Umgekehrt lernen die Kinder Feinfühligkeit und Rücksichtnahme"

Mitmachkonzerte, die alle einbeziehen

Höhepunkte für alle Projektteilnehmenden sind die 45-minütigen Mitmach-Familienkonzerte. Bei diesen bunten, mehrmals im Jahr stattfindenden Veranstaltungen sind alle aktiv, Kinder und Erwachsene, ob auf der Bühne oder im Publikum. Etwa ein Drittel des Programms bestreitet die Generationengruppe, die weiteren Beiträge steuert die Musikschule bei. Entscheidend für den Erfolg der Konzerte ist die besondere Atmosphäre: Mal führt eine Märchenerzählerin, mal ein Weihnachtself spielerisch durch das Konzert und spricht gerade die jüngsten Besuchenden an. Damit Kinder im Publikum nicht nur zuhören müssen, gibt es während der Musikbeiträge kleine Mitmachaktionen wie Malen oder Basteln. Ein Beamer mit den Liedtexten läuft immer mit, damit auch weniger Textsichere im Publikum mitsingen können. Zudem finden während der Konzerte oft einfache Tänze oder Body-Percussions statt, bei denen der ganze Saal in Bewegung kommt. „Die Resonanz auf die Konzerte ist groß: Viele fragen schon beim Hinausgehen, wann das nächste Konzert stattfindet. Familien, Seniorinnen und Senioren und Kinder sprechen oft noch lange danach über die gemeinsamen Erlebnisse“, sagt Marion Farwick, Abteilungsleiterin für elementare Musikpädagogik und Musikgeragogik in der Musikschule Hamm.

Eine Gruppe Menschen unterschiedlichen Alters performt in einem hellen Raum zu einem Lied – dabei sitzen einige und andere stehen.
Kinder und Bewohnende des Seniorenzentrums performen das Lied „Sommer“ aus den Jahreszeiten von Vivaldi als Bodypercussion. © Matthias Brakel

Gute Organisation schafft Begegnung

Damit das Projekt langfristig funktioniert, müssen nicht zuletzt die Abläufe praxistauglich sein. Marion Farwick prüft diese daher regelmäßig und änderte beispielsweise nach den ersten Monaten der Projektlaufzeit den Tag für die Familienkonzerte von Samstag auf Freitag. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass freitags nach der Kita viel mehr Familien teilnehmen können. Allen, die ein ähnliches Projekt in ihrem Ort aufbauen wollen, rät sie vor allem eines: „Nicht zu lange planen – einfach anfangen. Starten Sie mit unkomplizierten Strukturen, zum Beispiel dort, wo Kita und Seniorenheim nah beieinander liegen. Der Rest entwickelt sich schon.“ In Hamm ging dieses Rezept perfekt auf: Kita, Seniorenzentrum und Musikschule haben bereits entschieden, ihre Zusammenarbeit auch nach Ablauf der „Kultur macht stark“-Förderung fortzusetzen. Die Musikschule plant zudem bereits, ähnliche Projekte an anderen Orten der Stadt zu initiieren. Das Projekt in Hamm macht vor, wie sich mit Musik eine Brücke schlagen lässt, die Generationen selbstverständlich und nachhaltig miteinander verbindet.

Dieser Beitrag wurde im März 2026 veröffentlicht.

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„Wir machen Musik – Kinder und Senior:innen musizieren gemeinsam“ ist ein Projekt der drei Bündnispartner Kita St. Josef, Seniorenzentrum St. Josef und der Städtischen Musikschule Hamm, gefördert vom Verband Deutscher Musikschulen e. V.