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Wie Hip Hop Hoshiyar stark machte

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Wie Hip Hop Hoshiyar stark machte

Als 11-Jähriger flüchtete Hoshiyar mit seiner Familie aus Syrien und fand in einem von „Kultur macht stark“-geförderten Bündnisprojekt zurück in seinen Rhythmus. Heute gibt er das weiter, was ihm damals Halt und Perspektive schenkte.

Hoshiyar unterrichtet in einer Sporthalle eine Gruppe Kinder im Hip-Hop-Tanz
Früher Teilnehmer, heute Trainer: Hoshiyar leitet den Hip-Hop-Kurs im talentCAMPus.

Vom ersten Move zum Mentor – Hoshiyars Weg zum Vorbild

Hoshiyar war ganz neu in der bayerischen Gemeinde Bad Königshofen und sprach kaum Deutsch, als er sich im Ferienprogramm „talentCAMPus“ zum ersten Mal zu Hip Hop bewegte. Heute – rund zehn Jahre später – leitet er dort selbst junge Menschen an. Auf seinem Weg lernte er nicht nur viele Moves kennen, sondern fand auch ein neues Zuhause.

Porträt Hoshiyar als kleiner Junge
Schüchtern, tanzbegeistert und sehr neugierig – so startete Hoshiyar als 11-Jähriger in seinen ersten talentCAMPus.

„Als Kind liebte ich Bauchtanzen und in Syrien bat mich meine Familie regelmäßig, vor ihnen aufzutreten“, erinnert sich Hoshiyar. Hip Hop kannte er nicht, als er in Deutschland ankam. Er war damals 11 Jahre und nervös, aber neugierig. Und nachdem Tanzlehrer Thomas ihm im Ferienprogramm seine ersten Moves beibrachte, ließ ihn der Hip Hop nicht mehr los. Ob Sommer, Herbst, Winter oder Frühjahr – Hoshiyar besuchte alle Ferienkurse. „Ich fand dort viele Freunde, die mich bis heute begleiten, und lernte neben dem Tanzen auch ganz viel über das Kochen und Theaterspielen“, erzählt er.

Was ist eigentlich ein „talentCAMPus“?

Ein „talentCAMPus" ist ein „Kultur macht stark“-Ferienprogramm. In Bad Königshofen wird es durch die Volkshochschule Rhön-Grabfeld, Jugendzentrum Bad Königshofen und Museen in der Schranne realisiert. Kinder und Jugendliche können ihre Talente entdecken und weiterentwickeln – sei es in Tanzkursen, Theaterworkshops, Kunst, Kulinarik oder Medienbildung.

Gefördert wird der „talentCAMPus" durch den Deutschen Volkshochschulverband, der auch die sogenannten Peer-Teamer ausbildet. Peer-Teamer sind meist im gleichen Alter wie die Teilnehmenden oder etwas älter. Sie begleiten die Kurse auf Augenhöhe. Damit unterstützen sie nicht nur die Kursleitung, sondern sammeln selbst wertvolle Erfahrungen in der Bildungsarbeit.

„Ich bin kein Kind mehr“ – Hoshiyar übernimmt Verantwortung

Renate Knaut, Leiterin des vhs-Bildungsstandortes Bad Königshofen und eine Freundin von Hoshiyars Mutter, beobachtete seine Entwicklung: „Je älter er wurde, desto mehr eigene Ideen brachte er in unseren Kursen ein, und schon mit 14 Jahren kam dann seine klare Ansage an mich: ‚Renate, ich bin kein Kind mehr. Ich möchte gern weiter am Ferienprogramm teilnehmen, aber ich brauche andere Aufgaben‘.“ Kurze Zeit später beteiligte er sich als ehrenamtlicher Helfer im Ferienprogramm, doch schon bald wollte Hoshiyar auch inhaltlich noch mehr mitgestalten. An anderen Volkshochschulen kamen in diesem Zeitraum ebenfalls Ideen auf, wie man Jugendliche intensiver an das Ferienprogramm binden könnte, und es entstand – auch dank Hoshiyar – ein überregionales, digitales Schulungsprogramm für jugendliche Peer-Teamer als Teil der talentCAMPus-Förderung.

Porträt Hoshiyar

Mit 17 Jahren zählte Hoshiyar zu den ersten Peer-Teamern in Bad Königshofen und arbeitete fortan an der Seite von Thomas, bis er dann mit 18 Jahren auch seine ersten eigenen Kurse leitete. „Das erste Mal war anstrengend“, erzählt Hoshiyar. „Ich habe damals den gesamten Workshop-Tag bis ins Kleinste organisiert und wollte alles ganz perfekt machen.“ Mittlerweile hat er Routine und ist gelassener – mit sich und in seiner Arbeit mit den Kindern. „Wenn etwas an einem Tag mal nicht klappt, dann machen wir das halt am nächsten.“

„Hier habe ich meinen Platz gefunden“ – Hoshiyar als Hip Hop-Dozent

Seit drei Jahren leitet Hoshiyar beim talentCAMPus eigenständig Hip Hop-Kurse für Kinder und Jugendliche. Warum das für ihn mehr ist als nur Tanzen – und was ihn immer wieder aufs Neue antreibt.

Hoshiyar tanzt vor mehreren Kindern und eine Sprossenwand in der Turnhalle.
Hoshiyar liebt Hip Hop und will auch weiterhin gemeinsam mit Kindern etwas bewegen. 

Es ist Sommer und der zweite Tag des talentCAMPus-Kurses „Hip Hop und Break Dance ­– free your mind“ beginnt. Hoshiyar ist mittlerweile 21 Jahre alt, den heutigen Kurs leitet er zusammen mit seinem früheren Tanzlehrer Thomas. Um 9.30 Uhr beginnt Hoshiyars Job – und zwar erstmal als Fahrer. Auf dem Land wohnen alle teilnehmenden Kinder sehr verstreut, er sammelt einige von ihnen in verschiedenen Dörfern ein. In der Höhberghalle in Sulzfeld im Grabfeld angekommen, wärmen sie sich erstmal gemeinsam auf. Es soll sich ja niemand verletzen. Dann wiederholt die Gruppe die am Vortag gelernten Moves – zunächst ohne Musik und mit viel Konzentration. Hoshiyars Zwischenfazit: „Bis zum großen Auftritt am Freitag ist noch einiges zu lernen, aber ich habe ein gutes Gefühl.“ Augenzwinkernd verrät er: „Oft wissen die Kinder morgens viel besser als ich, welche Schritte wir am Vortag gemacht haben.”

Mehr als ein Ferienjob

Hoshiyar gefällt es, mit der Gruppe gemeinsam ein Ziel zu verfolgen und daran zu arbeiten. In den vergangenen drei Jahren leitete er über 20 solcher Kurse. Nur beim letzten Osterferienkurs musste er einmal aussetzen, denn er lernte fürs Abitur. Er will Medizin studieren und braucht einen guten Schnitt. Zum Auftritt am Freitag fuhr er aber trotzdem. „Den wollte ich einfach nicht verpassen.“ Als er ankam, liefen sofort alle Kinder auf ihn zu und wollten wissen, wo er denn gewesen sei. „Da hatte ich dieses Gefühl: Hier habe ich meinen Platz gefunden, hier bewirkt meine Arbeit wirklich etwas“. Um zu studieren wird Hoshiyar Bad Königshofen wahrscheinlich dennoch in den nächsten Jahren verlassen, aber er hofft, in den Semesterferien Zeit für den talentCAMPus zu finden.