Mit Kinderaugen die Welt entdecken
Zwei unterschiedliche Projekte von „Kultur macht stark“ widmen sich der frühkindlichen kulturellen Bildung und schaffen Raum für die Perspektive der Kinder – das eine über die bildende Kunst, das andere über den Fotofilm.
Frühkindliche kulturelle Bildung richtet sich an die Jüngsten unserer Gesellschaft. Die im Rahmen von „Kultur macht stark“ geförderten Projekte „Kunstexpedition: Regenwald“ und „Aussicht auf Landschaft“ sind beide auf Kinder aus Kindertageseinrichtungen, insbesondere auf Vorschulkinder, zugeschnitten. Beiden gemeinsam ist das Ziel, Kindern neue Zugänge und Wege zu eröffnen, um die Welt zu entdecken. Dies gelingt über unterschiedliche künstlerische Schwerpunkte – die bildende Kunst und den Fotofilm. Das eine Projekt führt dabei in weite Ferne, in den Regenwald, das andere in die unmittelbare Umgebung, in die heimische Heidelandschaft.
Der Natur auf der Spur
Tanja Moszyk ist Mitbegründerin des Sozialen Kollektivs Kunst e. V. in Dortmund und leitet zusammen mit Karla Christoph das Projekt „Kunstexpedition: Regenwald“ im Familienzentrum St. Elias in Dortmund-Oespel. Sie nimmt die Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren mit auf eine „Erlebnisreise“ zu den Regenwäldern Afrikas und Asiens. Wöchentlich treffen sie sich in einer Gruppe von zwölf Kindern und widmen sich der Bedeutung des Regenwalds für Tiere und Menschen. „Begonnen haben wir mit einem Spiel. Wir sind in ein imaginäres Flugzeug gestiegen. Dabei haben sich alle kleinen und großen Passagiere vorgestellt, gemeinsam in ferne Länder zu fliegen.“
Künstlerische Wissensvermittlung
Ihr Projekt setzt den Fokus auf die Wissensvermittlung. Über die künstlerische Auseinandersetzung erschließen sich die Kinder das neue Wissen spielerisch und voller Neugier. „Wir haben auf einem großen Suchbild nach Tieren gesucht und gefragt: ,Wie sehen sie aus? Was sind ihre Besonderheiten? Wo leben sie? Kennt ihr zum Beispiel die Plumploris?‘“ Bisher kennen die wenigsten die kleinen katzenähnlichen Wesen aus Südostasien. Doch das wird sich beim gemeinsamen Ausflug in den Zoo ändern, wo sie eine Führung eines Experten erleben und Plumploris sowie andere Tiere bestaunen. Sie sammeln Papierrollen zum Basteln von Bäumen und lernen etwas über Ressourcen. Sie fertigen ihre eigenen bunten „Regenwaldschollen“ an. Aber sie sind auch selbst als Kinderreporterinnen und -reporter unterwegs und dürfen im Zoo mit Tablets ihre Eindrücke aufzeichnen.
„Aussicht auf Landschaft“
Selbst Regie übernehmen die Kinder im Projekt „Aussicht auf Landschaft“ der beiden Kunstvermittelnden Tanja Bächlein und Arne Bunk vom bild + begegnung e. V. aus Hamburg. Gemeinsam mit Vorschulkindern der Kindertagesstätte Lütenhof in Schneverdingen erkunden sie Orte ihrer unmittelbaren Umgebung. „Wir zeigen ihnen unsere technische Ausrüstung. Die Inhalte entstehen dann gemeinsam.“ Es geht dem Projekt um Zugänge, um Ausdrucksmittel und Werkzeug für das Erfahren und Erleben von Raum. Die Kinder filmen, fotografieren und nehmen Geräusche auf. Ganz unmittelbar zeigt sich ihre Perspektive über Bauchkameras, die ihre Schritte, ihr Flüstern, ihr Lachen und ihre Begeisterung aufnehmen. Aber sie führen auch Interviews mit Besuchenden der Heide und sammeln auf ihren Pfaden Blätter, Blumen, Steine, Stöcke.
Film als Ergebnis, nicht als Ziel
Aus den Fundstücken, Filmsequenzen und Fotos sowie selbst eingespielter Musik entsteht ein Film mit Stopptrick-Animationen. Dabei ist der Film nicht Ziel des Projekts, sondern bündelt das Erlebte von zwei intensiven Workshop-Wochen. Eltern und Angehörige dürfen den Film am letzten Projekttag im Kino von Schneverdingen zusammen mit den Teilnehmenden sehen und sind ebenfalls begeistert über das kulturelle Angebot im eher strukturschwachen ländlichen Raum. „Für uns ist die Resonanz der Kinder und auch die ihres Umfelds das schönste Feedback“, so Tanja Bächlein.
Hier geht es zum Film „Aussicht auf Landschaft – in der Heide“.
Chancen der frühkindlichen Bildung
Alle Projektverantwortlichen schildern, dass es immer auf eine gute Kooperation mit den Einrichtungen ankomme. „Wir erleben oft den personellen Notstand in Kitas und die Befürchtung, dass mit unserer Projektarbeit ein weiterer organisatorischer Aufwand entsteht“, erklärt Tanja Moszyk. An den Projekttagen seien jedoch alle dankbar für das Zusatzangebot, gerade für Kinder, die sonst einen erschwerten Zugang zu kultureller Bildung haben. Für sie als Initiierende sei es eine Chance, nicht auf das „Fehlende“ zu schauen, sondern den Fokus auf das Potential der Kinder zu legen. Der Konsens aller Projektbeteiligten lautet: „Kinder werten nicht. Sie alle bringen eine immense Offenheit und Neugierde mit. Das ist das Schöne an der frühkindlichen kulturellen Bildung.“