Wie Lümmelbänke, Parcours und Kinderstädte die Demokratie stärken
Drei „Kultur macht stark“-Partner stellen die demokratiefördernde Wirkung ihrer Programme vor und wie junge Menschen darin lernen, Prozesse auszuhandeln und gemeinsam ihre Umgebung mitzugestalten.
„Spielen macht stark“
Projektleiterin Christina Nefzger stellt das Programm des Spielmobile e. V. vor.
Darum geht‘s:
„Im Programm ‚Spielen macht stark‘ gestalten Kinder und Jugendliche Orte, Regeln und Inhalte selbst mit und übernehmen Verantwortung, von der Idee bis zur Umsetzung. Besonders im Förderformat ‚Demokratische Spielräume erforschen, gestalten und aneignen‘ machen zahlreiche Bündnisse Demokratie im Spiel konkret erfahrbar – offen, kreativ und mitten im Sozialraum der Teilnehmenden. Sie sind in Hüttendörfern und Kinderspielstädten unterwegs oder machen sich auf Erkundungstouren durch den Stadtteil und gestalten ihn künstlerisch neu.“
Blick in die Projektpraxis:
„In einem Projekt des Bündnisses um den Gaswerk Weimar e. V. planten Jugendliche sogenannte ‚Lümmelbänke‘ für ihren Stadtteil: Sie identifizierten gemeinsam das Problem fehlender Aufenthaltsorte, entwickelten Ideen, verhandelten mit der Stadtverwaltung, setzten ihre Pläne schließlich handwerklich um und präsentierten sie öffentlich.
In einem Projekt des Vereins für Jugendheime e. V. in Marl fotografierten Grundschulkinder Orte in ihrer Stadt, die sie verändern wollten, bastelten Modelle und präsentierten ihre Anliegen dem Bürgermeister. Ihre Ideen wurden sichtbar – und ernst genommen. Sie erfahren so ganz unmittelbar, dass sie mitentscheiden und Einfluss nehmen können.”
„talentCAMPus”
Projektleiter Michael Kempmann stellt das Programm des Deutschen Volkshochschul-Verbands vor.
Darum geht‘s:
„In talentCAMPus-Projekten werden Kinder und Jugendliche nach eigenen Vorstellungen schöpferisch tätig und probieren Neues aus. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, indem sie Gruppenprozesse mitgestalten, Anerkennung für ihre künstlerische Arbeit erhalten, den Blickwinkel ändern und sich kritisch mit unterschiedlichen ästhetischen Herangehensweisen auseinandersetzen. Wenn sie erleben, dass sie dazugehören und etwas bewirken können, beeinflusst das positiv die demokratische Haltung und die Bereitschaft zu gesellschaftlicher Mitgestaltung. Gerade das Modell der lokalen Bündnisse für Bildung leistet einen wichtigen Beitrag für Demokratie vor Ort – gemeinsam übernehmen die Akteure Verantwortung für die Bildungschancen junger Menschen in ihren Sozialräumen.”
Blick in die Projektpraxis:
„Demokratiebildung lässt sich hervorragend in kulturelle Bildungsangebote integrieren, wie unser Beispiel der Förde-vhs zeigt: Dort gründen die Teilnehmenden eine Kinderstadt mit Verwaltungsstrukturen, Zeitungsredaktion und natürlich vielen künstlerischen Werkstätten. Sie haben dabei viele Gelegenheiten, demokratische Prinzipien anzuwenden – beispielsweise bei der Wahl von Bürgermeisterin oder Bürgermeister, der Aufgabenverteilung und der Einführung einer eigenen Währung.”
„Global Village Kids“
Projektleiterin Eva Stöhr stellt das Programm des Fonds Darstellende Künste e. V. vor.
Darum geht‘s:
„Mit dem Programm GLOBAL VILLAGE KIDS fördern wir insbesondere Projekte in ländlichen Räumen, die in der unmittelbaren Lebensumgebung der beteiligten Kinder und Jugendlichen angesiedelt sind. Spielerisch lernen die jungen Menschen, mit den Mitteln des Theaters ihre Wünsche und Erwartungen auszudrücken. Dadurch gewinnen sie neue Perspektiven auf ihre eigene Lebensumwelt und gestalten diese aktiv mit. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, Mitbestimmung, Chancengerechtigkeit und die Kompetenz, eigene Anliegen hör- und sichtbar zu machen.“
Blick in die Projektpraxis:
„Wenn es darum geht, Demokratie greifbar zu machen, ist das Projekt ‚1000 Zukünfte‘ besonders beispielhaft. Ausgerichtet wird es von einem Anklamer Bündnis aus Schulen, dem dortigen Demokratiebahnhof und einer Hamburger Gruppe von Kunstschaffenden. Auf der Bühne des Theaters der Stadt stellen 60 Jugendliche ihre Forderungen für eine für sie lebenswerte Stadt. Ein weiteres Beispiel ist der interaktiv-hybride Rundgang ‚Art Parkour & Art Parkour Tour‘, der im Schwerpunkt GLOBAL VILLAGE KIDS Digital gefördert wurde. Dort beschäftigen sich Kinder und Jugendliche aus Weinheim/Baden-Württemberg mit einem diskriminierungsfreien Zusammenleben vor Ort.“