Navigation und Service

„Zusammen trommeln – egal wie alt wir sind“

Im Trommelprojekt „Beat it!“ in Alzey wachsen Kinder, Jugendliche und Seniorinnen und Senioren gemeinsam über sich hinaus. Wie? Das berichten zwei Teilnehmende und der Projektleiter. 

Porträt Martin Albrecht, Cedric und Edwin Weeber
Von links: „Beat it!“-Projektleiter Martin Albrecht und die beiden Teilnehmenden Cedric und Edwin Weeber. © Martin Albrecht

Porträt Cedric
© Martin Albrecht

Cedric, 9 Jahre, Teilnehmer  

„Mein schönster Moment im Projekt war unser erster Auftritt auf dem Marktplatz. Der ging zehn Minuten und es waren richtig viele Leute da. Meine Schwester hat auch mitgetrommelt, die ist schon in der elften Klasse. Es standen so viele Reihen im Publikum und alle haben geklatscht. Da war ich stolz, weil das schon so gut geklappt hat. Wir hatten ja noch gar nicht lange geübt! Im Trommelprojekt habe ich verschiedene Rhythmen gelernt und ich habe auch gemerkt, dass ich zwar mit links schreibe, aber beim Trommeln lieber rechts spiele. Das fand ich interessant. Vorher habe ich noch nie einen Kurs mit älteren Menschen gemacht. Die Älteren sind ein bisschen anders als meine Oma und mein Opa, aber irgendwie auch gleich. Manche können besser trommeln, weil sie das schon länger machen, und manche erklären uns dann auch mal etwas. Wir Kinder können aber auch manches besser als die Älteren. Trotzdem sind wir alle gleich in der Gruppe – das finde ich schön. Am besten finde ich, dass wir alle zusammen trommeln, egal wie alt wir sind. Da fühlt man sich einfach gut.“

Porträt Edwin Weeber
© Martin Albrecht

Edwin Weeber, 71 Jahre, Teilnehmer 

„Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal zu diesem Kurs kam, hat mich die Musik sofort wieder gepackt. Ich hatte 2024 schon einmal in einem Workshop Cajón ausprobiert, und das Gefühl davon kam hier sofort zurück. Das Trommeln fordert mich – ich möchte es richtig machen, auch wenn wir natürlich Fehler machen dürfen. Diese Mischung aus Konzentration, Anspruch und Freude tut mir gut. Ich merke, wie sehr mich das geistig fit hält. Besonders spannend finde ich die Zusammenarbeit mit den Kindern. Ich war früher Lehrer an einer berufsbildenden Schule, aber hier begegne ich ihnen nicht als Lehrkraft, sondern als Teil der Gruppe. Manche sind ruhig, manche sehr lebendig – und doch kapieren die jungen Leute vieles unglaublich schnell. Gleichzeitig bringen wir Älteren Erfahrung und Ruhe mit, und so gleicht sich das gut aus. Was mich freut: Wir tauschen uns aus, sind füreinander da. Ich bekomme viel von der Lebenswelt der Jüngeren mit und finde das bereichernd. Und obwohl wir uns alle sehr unterscheiden, entsteht beim gemeinsamen Trommeln etwas Verbindendes. Wenn ich hier rausgehe, gehe ich immer mit einem guten Gefühl. Dieses Projekt gibt mir Energie und ich glaube, wir geben sie uns alle gegenseitig.“ 

Porträt Martin Albrecht
© Martin Albrecht

Martin Albrecht, Lehrer am Gymnasium am Römerkastell und Projektleiter 

„‚Beat it!‘ bringt Menschen zusammen, die sonst kaum Berührungspunkte hätten. Die Hemmschwelle zum Trommeln ist viel geringer als beim Singen, wo man die eigene Stimme einsetzen muss. Dadurch trauen sich auch Menschen mit wenig musikalischer Erfahrung sofort mitzumachen. Viele der teilnehmenden Kinder kommen aus langen Schultagen, manche haben wenig Unterstützung zu Hause und bei den Schnupperworkshops waren auch schon Teilnehmende in sensiblen Lebenssituationen oder in Wiedereingliederung mit dabei. Trotzdem finden sie alle hier einen Ort, an dem sie in der Musik aufgehen. Und wenn wir dann auftreten, sehe ich, wie stolz alle sind. Das zeigt mir, dass wir hier etwas schaffen, das weit über Musik hinausgeht. Außerdem ist unser Bündnis durch das Projekt enger geworden. Für die Zukunft wünsche ich mir, noch mehr ältere Jugendliche einzubinden. Ich sehe jeden Tag, wie sehr solche Angebote gebraucht werden und wie Musik Türen öffnet, die man pädagogisch allein kaum aufbekommt.“ 

Dieser Beitrag wurde im März 2026 veröffentlicht.

Box_title

Steckbrief zum Trommelprojekt „Beat it!“ 

Projektidee 
„Beat it!“ ist ein intergenerationelles Trommelprojekt in Alzey. Gefördert wird es durch den „Kultur macht stark“-Programmpartner, Bundesmusikverband Chor & Orchester e. V. (BMCO), der in Alzey bereits ein ähnliches Projekt namens „Alle Singen im Mehrgenerationenhaus“ ermöglicht hat. 

 

Bündnispartner 
Vier Partner setzen das „Beat it!“ gemeinsam um: die Regionale Diakonie Hessen und Nassau, das Mehrgenerationenhaus Alzey, das JUKU – Zentrum für Soziale Arbeit der Stadt Alzey und das Gymnasium am Römerkastell. 

 

Wann & Wo 
Seit Herbst 2025 immer am Montagnachmittag im Gymnasium; daneben gibt es regelmäßige Schnupperworkshops. 

 

Teilnehmende 
8 Kinder und Jugendliche sowie 10 Seniorinnen und Senioren beim Montagskurs; bis zu 40 Teilnehmende bei jedem Schnupperworkshop. 

 

Höhepunkte 
Auftritte beim Demokratiefest in Alzey und beim Familienfest des Mehrgenerationenhauses sowie die MülltonnenPerformance während eines Schnupperworkshops. 

Nächste Ziele 

Ältere Jugendliche stärker einbinden