Teilnehmende auf Wanderung in den Bergen

Session in Nature 2.0 – Kulturaktion zwischen Blumen, Berg und Badesee

Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum e. V.

Auch in einem wirtschaftsstarken Bundesland wie Bayern gibt es, insbesondere im ländlichen Raum, viele Familien, deren finanzieller Hintergrund nicht ausreicht, um ihren Kindern die Teilnahme an kulturellen Angeboten zu ermöglichen. Das Seminarhaus Grainau, die Bildungsstätte der Landjugend am Fuße der Zugspitze, nutzte ihr ausgeprägtes Netzwerk, um gezielt solche Familien anzusprechen.

So finden sich in den Pfingstferien 22 Jugendliche in Grainau ein, um sich auf die einwöchige „Session in Nature“ zu begeben. Schnell legt sich die anfängliche Zurückhaltung und es finden sich Gruppen, um Zimmerschilder zu gestalten und, mit Lacksprays ausgestattet, Bodyboards mit coolen Designs zu versehen.

Dann folgt der Trommelbau für die alpine Soundsession. „Am wichtigsten war, dass unser Konzept von Kunst und Natur genau auf die ländliche Zielgruppe und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist“, erzählt Betreuerin Dr. Annette Hünnekens. „Unser zweiter Ansatz war, speziell diesen Jugendlichen persönlichkeitsbildende Erlebnisse anhand einer ineinandergreifenden Mischung aus Kunst, Kultur und Natur näher zu bringen“, fährt die Kunst- und Medienpädagogin fort. Zusammen mit der Bergsportführerin Birgit Hänlein und dem Freiwilligen Vincent Ritter führt sie bereits zum zweiten Mal eine „Session in Nature“ durch.

Der darauffolgende Tag steht im Zeichen einer Stadtrallye in Garmisch-Partenkirchen, die unter der Leitung von Eva Kerschl für alle zu einer großartigen Erfahrung wird. Die Jugendlichen bewegen sich auf den Spuren von Olympia, erfahren aber auch etwas über die Geschichte des ländlichen Bauens und die Gepflogenheiten der Lüftlmalerei, Berufsgruppen an Hausfassaden zu verewigen. Schnell werden beim gemeinsamen Entdecken persönliche Brücken geschlagen. Am Nachmittag erhält die Gruppe die Gelegenheit, im Richard-Strauss-Institut Teile von dessen „Alpensinfonie“ zu hören, um mit diesem Eindruck am nächsten Tag den Aufstieg zur Berghütte zu wagen, die für eine Nacht zur Herberge werden soll.

Langsam verhallen die Kirchenglocken und andere Geräusche der Zivilisation. Vorbei an Kiefern, Lärchen und Fichten geht es auf Schotterwegen voran, die Anstrengungen sind angesichts der Felsen, Steilwände und des schier unendlichen Ausblicks schnell vergessen. Nachdem jeder seine Trommel individuell gestaltet hat, sind alle natürlich heiß darauf, ihr Instrument auszuprobieren. Es geht noch einmal etwa 400 Höhenmeter hinauf, dort findet die Soundsession am Fuße des Alpspitzgebiets statt. „Die Soundsession soll genau dieses Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe – in der Natur – verstärken. Vom Bergecho wird dies noch unterstrichen. In unserer Gegend wird sehr viel in den Bergen musiziert, und wir wollten mit der Session erreichen, dass die Jugendlichen ihren eigenen Rhythmus in der Gruppe finden und Spaß haben an der treibenden Kraft, die das gemeinsame Musizieren erzeugt“, erläutert Dr. Annette Hünnekens den Zweck dieses elementaren Seminarteils.

Am nächsten Tag können die Jugendlichen im Friedergrieß – einem von Geröll geprägten, unter Naturschutz stehenden Flussgebiet – aus verschiedensten Steinen und Hölzern eigene Kunstwerke kreieren. Nachdem die Bodyboards bei einer Schwimmsession auf Wassertauglichkeit geprüft wurden, ist die Begeisterung über diese Woche in der Natur beim abschließenden gemeinsamen Pizzabacken allgegenwärtig: „Tolle Villa, tolle Projekte, tolles Essen, tolle Betreuer“, so der Tenor der Gruppe.

Das Video zur „Session in Nature 2.0“ finden Sie hier.