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No Border – Die grenzenlose Straßenbahn

„Jugend ins Zentrum“ – Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V.

2013 wollte Torsten Nagel vom SJD-Die Falken in Düsseldorf etwas unternehmen, um für Solidarität, Respekt und Toleranz zu werben und um Rassismus und Rechtsextremismus etwas entgegenzusetzen. Im Bündnis mit der Flüchtlingsinitiative Stay!, dem Jugendzentrum Zakk und vielen Helfern wurde das Projekt „No Border – Refugees Welcome“ aus der Taufe gehoben. Das Projekt will Flüchtlingsjugendliche aus der Isolation holen und stattdessen das Gefühl vermitteln, willkommen und angenommen zu sein.

Mit einem Buch, in dem Jugendliche von ihrer Flucht und ihrem Ankommen in Deutschland erzählen, fing es an. Es folgte ein Musikprojekt mit der „No Border Band“, die immer noch aktiv ist und regelmäßig für Auftritte gebucht wird.

Aus der dritten Idee, eine Hausfassade mit einem von geflüchteten Jugendlichen entworfenen Graffiti zu gestalten, wurde eine mobile Wand, die jetzt durch ganz Düsseldorf fährt: Eine „No Border“-Straßenbahn. Realisiert wurde das Ganze mit Hilfe des Künstlerduos MaJo Brothers. Dahinter stecken die Brüder Marc und Joe Hennig, die seit zehn Jahren auf großflächige Fassadengestaltung spezialisiert sind. „Eine Straßenbahn zu gestalten, das war auch für uns neu“, erzählt Marc Hennig, „wir hatten richtig Lust darauf, als wir hörten, worum es ging“. Ebenso positiv war die Reaktion der Betreibergesellschaft Rheinbahn AG: „Als die Anfrage kam, haben wir gesagt: Keine Frage, das machen wir!“, meint Klaus Klar, Vorstand der Rheinbahn.

In mehreren Treffen mit den Jugendlichen wurde dann besprochen, wie so ein Bild aussehen könnte: „Wir haben überlegt, was da drauf muss. Es war schnell klar, dass es nicht wie bei einer Fassade ein großes Motiv, sondern eine Bildergeschichte wird“, erklärt Marc. „Die Härte der Flucht, die Aussichtslosigkeit, die Ungewissheit, das starke Harmoniebedürfnis, das sind immer die Themen, um die es geht. Und die sollten auch hier zum Ausdruck kommen. Bildnerisch können sich viele leichter ausdrücken. Manche sprechen nicht über ihre Fluchtgeschichte, aber sie malen. Es waren auch andere Jugendliche aus Düsseldorf dabei, es gab einen richtig guten und ungezwungenen Austausch miteinander“, stellt Marc zufrieden fest, „viele sind wieder gekommen bei unserem nächsten Kurs. Das ist schön, man trifft sich, tauscht sich aus, das ist wichtig für die Integration.“

Besonders hilfreich sei die Mitarbeit von Stay! gewesen, meint Marc: „Die waren eine große Hilfe, nicht nur sprachlich konnten die einen sehr guten Kontakt zu den jungen Geflüchteten herstellen, sondern auch weil sie häufig in den Unterkünften vor Ort sind und sie direkt ansprechen konnten.“

Die entstandenen Entwürfe fügte das Künstlerduo danach zu einer Geschichte zusammen und seit dem 18. März 2016 fährt die No Border Bahn durch Düsseldorf. Rheinbahn-Vorstand Klaus Klar unterstreicht, wie wichtig das Projekt auch für das Unternehmen ist: „Eine Straßenbahn, die durch Düsseldorf fährt, erreicht täglich viele Menschen. Wir befördern etliche Menschen mit Migrationshintergrund, wir sind ein Unternehmen, das 120 Jahre alt ist und beschäftigen Mitarbeiter aus 30 Nationen. Wir haben uns riesig gefreut, ein solches Projekt unterstützen zu können.“

Initiator Torsten Nagel sieht die Ziele von „Kultur macht stark“ erreicht: „Die Bahn war eine bewusste Entscheidung für Präsenz in der Stadt. Es ist gelungen mit den ‚No Border‘-Projekten, die Jugendlichen stark zu machen und ihre Entwicklung zu fördern.“

Grafitti-Künstler Marc Hennig findet „das superwichtig, es sollte noch mehr Angebote geben, sie sind wichtig, um Kontakt herzustellen und den Zuwanderern das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind.“

Das ganze Jahr 2016 über wird die grenzenlose Bahn in der Rheinstadt unterwegs sein, eine Verlängerung soll bereits in Aussicht gestellt worden sein.

Fotos: Katharina Zwar