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Eine für alle und alle für eine – Interview mit der Rapperin Leluna

Pop To Go - unterwegs im Leben MädchenMusikCamp Regensburg – Bundesverband Popularmusik e. V.


Was passiert in einem Mädchenmusikcamp?

Leluna: Die Camps dauern drei bis vier Tage. Die Mädchen haben zu Beginn einen Tag, an dem sie sich alle Kurse angucken können. Dann entscheiden sie sich, ob sie sich in den Bereichen Gesang, DJing, Bandarbeit oder Rap vertiefen. Wobei die Grenzen da nicht so eng sind. Die Rapperinnen brauchen ja einen DJ, der ihnen den Beat vorgibt und manchmal braucht man für eine Rap-Performance auch Background-Gesang.

Wie unterstützt du denn deine jüngeren Mitstreiterinnen?“

Leluna: Meistens fällt es den Mädchen schwer, erst mal ein Thema zu finden. Dann mache ich ihnen Vorschläge, wie sie vorgehen können. Erstmal brauchen sie ein Thema, etwas, was sie bewegt, was für sie wichtig ist in ihrem Leben. Wenn die Mädchen Anfängerinnen sind, gebe ich ihnen Tipps mit ein paar Anfangsreimen, wie sie anfangen sollen, aber im Großen und Ganzen kommt der Rest dann von ihnen. Die sollen ja ihren eigenen Flow entwickeln, um dann auf ihren Beat zu rappen.

Jedes Mädchen entwickelt mindestens einen eigenen Titel und trägt ihn im Abschlusskonzert vor. Wie sie das machen, das ist ihnen selbst überlassen.Wichtig ist, dass die Mädchen wenigstens am Anfang zusammenarbeiten, das stärkt die Teamarbeit. Und dass die Mädchen am Ball bleiben anstatt sich zu streiten oder mit dem Handy zu spielen.

Und wie entwickeln die Mädchen ihren Text?

Leluna: Das kommt auf die Person an. Rap thematisiert häufig persönliche Dinge, Enttäuschungen, Dinge, die nicht gut gelaufen sind, aber vielleicht trotzdem eine gute Wendung genommen haben. Beim Rap geht es darum, dass man seine Persönlichkeit und seine Erfahrungen ausdrückt. Und dann hängt es davon ab, wie mutig man ist, das auszudrücken, und wie einfühlsam man ist, wie gut man in sich hineinhören kann.

12- bis 14-jährigen Mädchen rappen natürlich noch nicht über die großen Lebensenttäuschungen. Da geht es dann eher um ihr Aussehen oder um Kleidung oder Schminken und im Übrigen weniger um Jungs. Das Schöne am Rap ist, dass man da jetzt nicht ein Instrument beherrschen muss oder Musikkenntnisse braucht: Man kann sich ganz persönlich ausdrücken und braucht dafür nur einen Beat und seine Stimme.

Wie kommen rappende Mädchen bei den Jungen an?

Leluna: Das ist schon unterschiedlich und kommt auf die Altersgruppe an. Es gibt so ein bestimmtes Alter, da machen sich Jungs grundsätzlich lustig über alles, was die Mädchen da auf der Bühne machen. Das ist dann schon eine Herausforderung, wenn viele Jungs im Publikum sitzen. Ich sag dann den Mädchen, sie sollen sich nicht ablenken lassen. Und manchmal sitzen dann die Jungs, die erst eine große Klappe hatten, am Ende mit offenem Mund da und sagen: Hey, hast Du das selbst geschrieben? Das war total gut!

Und was nimmt man aus so einem Camp mit?

Leluna: Vor zwei Jahren war ich erstmals Teilnehmerin bei solch einem Camp und bin dabeigeblieben. Ich habe selber erlebt, wie das Rappen Selbstvertrauen fördert, schließlich muss man zum Abschluss ja auf der Bühne präsentieren. Man lernt andere Leute kennen, man lernt, aus sich herauszugehen. Und in vielen dieser Mädchen steckt wirklich Talent, das ich gerne fördern möchte. Deshalb freue ich mich, wenn sie weitermachen. Ich halte nach dem Camp weiterhin Kontakt zu den Mädchen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie mich ansprechen sollen, wenn sie möchten, dass Rap weiterhin ein wichtiger Teil ihres Lebens bleibt.

Wie verändern sich die Mädchen während so einer Woche?

Leluna: Ich beobachte immer wieder, dass die Mädchen ein unglaubliches Selbstvertrauen entwickeln und mehr aus sich herausgehen, wie sie lernen, sich und ihre Gefühle auszudrücken. Und sie erweitern ihren Horizont. Viele derer, die zu so einem Camp kommen, haben vorher kein Hobby und finden das hier.

Das Schöne ist, wie die sich in der Gruppe entwickeln. Es gibt häufig auch in Schulklassen so eine Grüppchenbildung. Also die Einzelgänger, die nicht richtig akzeptiert sind. Dann gibt es die Coolen, die Angesehenen und eine dritte Gruppe derer, die irgendwo dazwischen liegen. In diesen Camps löst sich das auf. Am Ende unterstützen sich alle gegenseitig beim Konzert, das ist immer das Schönste, wenn die Mädchen sich vor den anderen Kursen oder auch den Eltern präsentieren. Die sind dann richtig verschworen, feuern sich gegenseitig an oder stehen von der Bühne und klatschen im Takt oder tanzen dazu, wenn die andere singt. Die sind dann wirklich ´Eine für alle und alle für eine´.


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