160726_Themendienst_Oberrotweil_Artikel

Musikalisch erfahren, wichtig zu sein

„Gruppenmusizieren“ – Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände e. V.

„Musik macht stark“ könnte man in Abwandlung des Programmtitels sagen – wenn Dritt- und Viertklässler aus dem südbadischen Vogtsburg das Workshop-Paket „Instrumente stellen sich vor“ und „Gruppenmusizieren“ durchlaufen haben, sind nicht nur erste musikalische Schritte auf dem gewählten Instrument getan, sondern die Kinder haben auch das große harmonische Miteinander erfahren.

Auf einer Informationsveranstaltung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) haben Vorstand Annika Stert und ihre Musikerkollegen von der Winzerkapelle Oberrotweil 2013 erstmals von „Kultur macht stark“ erfahren. „Das kam genau zum richtigen Zeitpunkt, da wir die Kooperation mit der örtlichen Grundschule intensivieren wollten“, erzählt Annika Stert. Als weitere Bündnispartner fanden sich die Winzerkapelle des benachbarten Oberbergen und die Seelsorgeeinheit Vogtsburg. Durch die Zusammenarbeit dieser vier Bündnispartner gelang es, Familien anzusprechen, die ein solches Angebot sonst nicht wahrnehmen könnten. Auch Flyer, Werbung bei Veranstaltungen und nicht zuletzt die Mundpropaganda sorgten schnell dafür, dass sich Gruppen von 20 - 30 Kindern an die Instrumente wagten.

Die beiden Module „Instrumente stellen sich vor“ und „Gruppenmusizieren“ werden kombiniert, jede Gruppe durchläuft diese Workshops, die als freiwilliges Angebot einmal pro Woche nach dem Unterricht in den Räumen der Grundschule stattfinden. „So entstehen für die Eltern keine zusätzlichen Fahrwege, was es vielen erleichtert, an dem Programm teilzunehmen und auch am Ball zu bleiben“, erläutert Annika Stert den Vorteil. Zu Beginn lernen die Kinder die einzelnen Instrumente eines Orchesters kennen, können auf den Schlagzeugfellen trommeln oder versuchen, dem Horn einen Ton zu entlocken. „Bei den Bläsern ist es ja immer ein längerer Weg, bis einige Töne herauskommen“, kennt der Vorstand die Anfangsschwierigkeiten, „das erfordert viel Geduld und Konzentration“.

Wenn die Jungmusiker sich für ein Instrument entschieden haben, beginnt das Gruppenmusizieren. Neben dem Leiter Christoph Scherzinger der Musikschule sorgen weitere Fachkräfte mit pädagogischer und musikalischer Kompetenz für die kindgerechte Umsetzung des Konzepts. Tonbildung, Rhythmusschulung, Atmung, Haltung, das Zusammenspiel und das aufeinander Hören werden durch Aufwärmübungen und (Hör-) Spiele mit Spaß vermittelt.

„Du bist wichtig“ ist das Credo jeder Gruppe, das bedeutet, dass die Kinder sich als wichtigen Teil einer Gruppe wahrnehmen. „Unsere Lehrkräfte achten besonders auf die soziale Komponente – die Kinder lernen, auf die Mitspieler zu hören und erfahren, dass diese auch auf sie hören. So erleben sie, wie aus ihrer eigenen Stimme eine Musik, eine Harmonie entsteht“, schildert Annika Stert.

Dann kommt der große Tag der Präsentation: Zusammen mit „den Großen“ des Jugendorchesters beider Winzerkapellen werden die gelernten Stücke vor Familien und Freunden aufgeführt. „Es ist schön, zu erleben, wie stolz die Kinder sind und wie sie in ihrer Persönlichkeit wachsen“, bemerkt Annika Stert begeistert, „die sind alle einen halben Kopf größer, wenn sie das in der Gruppe erleben“. Teil dieser Präsentation ist auch immer ein (vom Jugendorchester gespieltes) klassisches Stück wie etwa die „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9. Sinfonie – für viele Eltern ein erster Kontakt zu klassischer Musik.

So konnten in den vergangenen drei Jahren einige Kinder ihre Leidenschaft für ein Instrument entdecken, manche von ihnen sitzen jetzt im Jugendorchester, für die anderen war es sicher eine gute Erfahrung. „Die guten Rückmeldungen haben auch uns motiviert, die Kooperationen fortzusetzen“, zieht Vorstand Annika Stert eine positive Bilanz, „wir haben durch „Kultur macht stark“ entdeckt, wie sinnvoll es ist, Kinder früh zu fördern“.