Die Ziele von "Kultur macht stark"

Bildungsarmut bekämpfen

Der Zugang zu guter Bildung ist ein entscheidender Schlüsselfaktor: für die individuelle Entwicklung eines Menschen, für den Zusammenhalt und die Innovationskraft unserer Gesellschaft und für die Stellung unseres Landes im globalen Wettbewerb. Deshalb ist die Gewährleistung guter Bildung für alle Kinder und Jugendlichen – unabhängig von ihrer Herkunft – eine der großen Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. In Deutschland wachsen fast dreißig Prozent aller Kinder unter 18 Jahren in mindestens einer sozialen, finanziellen oder kulturellen Risikolage auf, die ihre Bildungschancen schmälert. Diesen Jugendlichen wird der Übergang ins Erwerbsleben nur mit erheblichen Schwierigkeiten gelingen. Um auch bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen ein gutes Rüstzeug mit auf ihren Bildungsweg zu geben, wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung ab 2013 deutschlandweit lokale Bündnisse für Bildung unterstützen. In diesen Bildungsbündnissen schließen sich vor Ort unterschiedliche zivilgesellschaftliche Akteure zusammen (z. B. Chöre, Musikgruppen, Sportvereine, Stiftungen, Bibliotheken, Theater- und Jugendgruppen), um bildungsbenachteiligte Kinder durch außerschulische Angebote zu unterstützen – insbesondere im Bereich der kulturellen Bildung.

Aufgabe der ganzen Gesellschaft

Gute Bildung ist nicht allein eine Aufgabe des Staates, sondern der ganzen Gesellschaft. Was wir in Deutschland brauchen, ist eine breite soziale Bewegung für gute Bildung – mit Bürgerinnen und Bürgern, die sich engagieren: als Mentorinnen und Mentoren, als Vorlesepaten oder bei der Hausaufgabenbetreuung; mit Gruppen, Vereinen, Museen und Theatern, die gezielt Programme für benachteiligte Kinder entwickeln. Ziel der Bündnisse für Bildung ist es, dieses zivilgesellschaftliche Engagement zu vernetzen und auf ein gemeinsames Ziel zu fokussieren. Wohlgemerkt: Es geht dabei nicht darum, die Eltern aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Vielmehr sollen sie unterstützt und ermutigt werden.

Kulturelle Bildung wirkt

Im Rahmen der Bündnisse für Bildung werden außerschulische Bildungsmaßnahmen wie zum Beispiel Ferienfreizeiten mit kulturellem Schwerpunkt, Paten- und Mentorenprogramme, in denen junge Menschen Vorbildern begegnen und Begleitung finden, Maßnahmen zur Leseförderung, zur Verbesserung der Medienkompetenz oder Tanz- und Theaterprojekte gefördert. Voraussetzung ist, dass die Angebote der Bündnisse einem klaren pädagogischen Konzept folgen und dass sie keine bestehenden Aktivitäten der Bündnispartner ersetzen, sondern neue, zusätzliche Bildungsmaßnahmen darstellen, die sich an den konkreten Gegebenheiten vor Ort orientieren. Mit der Förderung außerschulischer Bildungsmaßnahmen durch den Bund ist verbunden, dass sich die lokalen Akteure untereinander weiter vernetzen und Qualitätsstandards in der Fläche angewandt werden. Mit der Förderung von Bildungsbündnissen für benachteiligte junge Menschen setzt die Bundesregierung einen weiteren Punkt des Koalitionsvertrages.

Rüstzeug fürs Leben

Die Erfahrung zeigt: Außerschulische und außerunterrichtliche Angebote leisten einen besonders wertvollen und nachhaltigen Beitrag zur Bildung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Durch die Mitarbeit in Gruppen und Vereinen, bei Ferienfreizeiten oder im Austausch mit ehrenamtlich engagierten Paten und Mentoren erleben Kinder und Jugendliche, wie sich durch Ausdauer und Teamgeist Ziele erreichen lassen und wie der eigene Horizont sich weitet, wenn man sich einer Aufgabe stellt und Verantwortung übernimmt. Außerschulische Bildungsmaßnahmen, die von engagierten Bürgerinnen und Bürgern erbracht werden, können jungen Menschen eine Perspektive geben, ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen Anerkennung vermitteln. Angebote der kulturellen Bildung können dazu einen herausragenden Beitrag leisten. Kreativität, Teamgeist, Anstrengung und die beglückende Erfahrung, „Ich kann etwas!“ liegen bei Kunst und Musik, Theater und Tanz besonders nah beieinander. Kulturelle Bildung spricht Kinder und Jugendliche auf ganz unterschiedlichen Ebenen an: Sie lernen hier, ein Werk selbst zu gestalten, eine Aufgabe zum Erfolg zu führen und auch Rückschläge zu verkraften. Sie lernen zuzuhören und genau hinzuschauen. Und sie lernen, eine eigene Sprache zu entwickeln. Das sind Fähigkeiten und Grundhaltungen, die über den musisch-kulturellen Bereich hinaus von enormer Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und für ein „gelingendes Leben“ als Individuum und in der Gemeinschaft sind. Auch Angebote aus dem Bereich Sport und Bewegung können eine ähnlich prägende Wirkung für die Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen entfalten. Wir orientieren uns dabei an dem breiten Verständnis kultureller Bildung des deutschen Kulturrats, der zusammen mit weiteren Akteuren dankenswerterweise die Entwicklung des Programms begleitet hat.

Kinder und Jugendliche stark machen

Mit der Förderung von Bildungsbündnissen verfolgt das BMBF vier Ziele: Wesentlich ist die Eröffnung neuer Bildungschancen – vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche, die durch die Bündnisse neue Herausforderungen erleben und in Kontakt zu Vorbildern kommen. Zugleich sollen die Bildungsbündnisse eine neue soziale Bewegung für gute Bildung anstoßen und die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Zukunft der jungen Generation schärfen, indem Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement gestärkt werden. Eine tragfähige Vernetzung unterschiedlicher Bildungsakteure auf lokaler Ebene, möglichst nah an den Kindern und Jugendlichen, zu fördern, ist ein weiteres Ziel. Und nicht zuletzt geht es darum, kulturelle Bildung in die Breite zu tragen – genau zu den Kindern, die bislang am weitesten von ihr entfernt sind.