151029_Themendienst_Kochspass_Artikel

Jiaozi, Ravioli oder doch Maultaschen?

Gemeinsam zu kochen und zu essen verbindet – das beweist mitten in Berlin-Wilmersdorf ein kleines Ferienbildungsprojekt der Volkshochschule (VHS) Berlin City-West: Hier schnippeln, braten und backen seit Beginn der Herbstferien 15 junge Flüchtlinge, verbessern dabei ganz spielerisch ihre Sprachkenntnisse und erstellen am Ende ein Kochbuch mit Rezepten aus ihrer Heimat. Der Workshop „Internationaler Kochspaß – von Berlin bis Bagdad“ ist eines von mittlerweile 10.000 Bildungsangeboten im Bundesprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Anlässlich dieser Erfolgszahl besuchte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka das Berliner Projekt – worüber sich die wahrhaft internationale Kochbrigade riesig freute. In der Küche zeigten die Projektteilnehmer Ministerin Wanka, wie sie Nudelteig ausrollen, füllen und anschließen garen. Hierzulande als Maultaschen bekannt, kennt man diese Zubereitungsart in Italien als Ravioli und in China als Jiaozi.

Ministerin Wanka konnte sich überzeugen, wie gut die interkulturelle Verständigung funktioniert und wie die jungen Teilnehmer mit Hilfe der qualifizierten Betreuerinnen und Betreuern ihre Deutschkenntnisse verbessern: „Bildung ist der Schlüssel für Integration und sozialen Aufstieg. Um an Bildung teilhaben zu können, ist es eine wesentliche Voraussetzung, die deutsche Sprache zu beherrschen. In den lokalen Projekten von „Kultur macht stark“ wird Großartiges geleistet. Ermöglicht wird dies durch die vielen Betreuer und Ehrenamtlichen in ganz Deutschland, denen ich für Ihr Engagement herzlich danke.“ so Ministerin Wanka. Begleitet wurde die Ministerin von Rita Süssmuth, der Ehrenpräsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes. Gemeinsam schauten sie den jungen Menschen beim Kochen über die Schulter, ließen sich die Rezepte erklären und konnten einen Blick in das druckfrische, liebevoll gestaltete Kochbuch werfen.

Wie fantasievoll, fröhlich und ergebnisorientiert solche Workshops sein können, zeigt dieser zweiwöchige talentCAMPus nur allzu deutlich: Gemeinsames Einkaufen und Kochen erleichtern die ersten Schritte in die deutsche Sprache und in die Alltagskultur. Dabei landet aber auch immer ein Stück Heimat der jungen Teilnehmer auf dem Teller – Länder wie Nicaragua, Äthiopien, Syrien, Sri Lanka und Palästina bieten eine interessante Esskultur, die erkundet werden will. Lässt sich ein Gericht einmal nicht verständlich erklären, dann zeichnen die Kinder und Jugendlichen einfach ihre Speisen – Verständigung funktioniert auf vielen Wegen.

Fotos: Mike Auerbach