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Fliegen lernen

Movies in Motion – mit Film bewegen“ – Bundesverband Jugend und Film e.V.

Beim Heidelberger Förderprojekt „Bergkino“ produzieren 10- bis 12-Jährige kurze Filme, die wie richtige Vorfilme im Kino später auf großer Leinwand gezeigt werden. Die Kinder schreiben die Geschichten, sie sind Schauspieler, Regisseure und Szenografen, am Ende organisieren sie auch die Vorführung. Unterstützt werden sie dabei von drei Profis: Max P. Martin, der Medienreferent beim Heidelberger Verein Medienforum e.V. ist, und die beiden medienpädagogischen Betreuerinnen Lisa Schels und Katharina Kerzel.

Besonders die Tricktechnik Stop-Motion hat es den Schülerinnen und Schülern angetan: Wenn Einzelbilder von unbewegten Motiven aufgenommen und später im Zeitraffer abgespielt werden, entsteht Bewegung, wo real keine Bewegung war. So lernen die Kinder auch, wie sie auf der Leinwand Flugszenen zeigen können. „Es ist immer wieder schön, wenn die Kinder bei uns fliegen lernen“, erzählt Max P. Martin. „Wie ungläubig sie zuerst schauen – und wie sie sich später freuen, nach dem Aha-Effekt!“

Wie im Kino

Was Stop-Motion noch so kann, zeigt der „Bergkino“-Kurzfilm „Ein Tag in der Schule“ (Szenenfoto oben). Er fasst die vielen Facetten des schulischen Alltags in dreieinhalb Minuten zusammen: Ankommen, Einschlafen, Faxen machen und sogar Aufräumen! Für die Kinder sei es ein großer Spaß, wenn sie sich filmisch ausleben können, sagt Pädagoge Martin. Ihm selbst ist es wichtig zu vermitteln, wie sich mit visuellen Medien richtige Geschichten erzählen lassen, die über Selfies und Whatsapp-Dialoge hinausgehen. „Die Kinder motiviert es, wenn sie ihre eigenen Geschichten erzählen können.“ Besonders das Western-Genre erfreue sich großer Beliebtheit.

15 Kurzfilme sind in Heidelberg mittlerweile entstanden, seit es 2014 mit dem „Bergkino“ losging. Rund 100 Kinder haben sie produziert, zwischen 10 und 50 Zuschauer haben die Werke jeweils auf großer Leinwand im Jugendtreff Holzwurm gesehen. „Uns ist es wichtig, hochwertiges Kino zu machen“, sagt Martin, der den Zugang zu professioneller Kinotechnik,  wie  guten Projektoren und hochwertigen Aufnahmegeräten für Ton, hat. Im Laufe des Projekts sollen die Kinder auch dafür sensibilisiert werden, was in Sachen Technik und Atmosphäre gutes Kino ausmacht.

Gute Mischung

Die jungen Filmemacherinnen und Filmemacher kommen alle aus der Waldparkschule (WPS) und nutzen als Basislager an den Nachmittagen auch deren Schulcafé. Die WPS ist die einzige Schule auf dem Boxberg, seit einigen Jahren eine Gemeinschaftsschule und für ihre Ausrichtung insgesamt nominiert für den Deutschen Schulpreis 2017 als vorbildliche und innovative Schule.

Für die Boxberger WPS wäre das eine besondere Auszeichnung. Dem Stadtteil etwas außerhalb von Heidelberg hängt aus alten Tagen ein schlechter Ruf an. Der Ton sei vielleicht manchmal etwas rauer, gibt Martin zu. „Aber ich finde den ehrlichen Umgang der Kinder miteinander angenehm.“ Die Gruppen, die der 35-Jährige und seine Kolleginnen betreuen, sind immer gut gemischt: „Mädchen, Jungen, aus unterschiedlichsten Elternhäusern.“

Bergkino geht in eine weitere Runde

Und weil das Kinoprojekt so beliebt ist, geht es weiter: Der nächste dreimonatige Kurs startet Ende April. Als Kameras fungieren wieder Tablets, doch der Ansatz ist neu: Diesmal drehen alle Szenen für einen gemeinsamen Film, anstatt parallel mehrere Filmchen zu produzieren. „Wir hoffen, dass es den Zusammenhalt noch mehr fördert, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen.“ Ansonsten gilt wie immer: Der Weg ist das Ziel..

Die Idee, dass Kinder und Jugendliche ihre eigenen Filmveranstaltungen organisieren, kommt nicht nur in Heidelberg gut an. „Bergkino“ ist eines von vielen lokalen Projekten, die unter dem Dach des bundesweiten Förderprojekts „Movies in Motion – mit Film bewegen“, das vom Bundesverband Jugend und Film umgesetzt wird, organisiert werden.

 

 

Der Blog zu Movies in Motion
Den Film „Ein Tag in der Schule“ kann man auf Vimeo sehen.