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„Herr Wolke – Ein Fall fürs Alphabet" – Ein Buch von Kindern für Kinder

„Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“ –  Deutscher Bibliotheksverband e.V. / Stiftung Digitale Chancen

Cornelia Stabrodt ist stolz. Sie hat das einjährige „Kultur macht stark“-Projekt „Buch trifft Tablet“ in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Freunde der Fouqué-Bibliothek Brandenburg und der Konrad-Sprengel-Schule umgesetzt. Das entstandene Buch „Herr Wolke – Ein Fall fürs Alphabet“ wurde von der Stiftung Lesen empfohlen und hat auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern positive Spuren hinterlassen: „Zu sehen, mit welchem Selbstbewusstsein die Kinder aus dieser Arbeit hervorgehen, ist toll“, lautet das Fazit der stellv. Vorsitzenden des Bibliotheksverbandes Brandenburg.

Der Illustrator Dirk Trageser und der Kinderbuchautor Rolf Barth haben die jungen Autorinnen und Autoren an das Schreiben und Gestalten herangeführt. Unterstützt wurden sie dabei von Herrn Wolke, der im richtigen Leben Sven Pawlitschko heißt und zur einzig lebenden Kinderbuchfigur geworden ist. Ziel war es, gemeinsam ein Buch und E-Book zu produzieren und herauszugeben. Erschienen ist das Buch „Herr Wolke – Ein Fall fürs Alphabet“ im Verlag Traumsalon edition. Das Besondere ist, dass die von den beiden Profis überarbeitete Version auch die originalen Entwürfe der Kinder zeigt. Wie die Zusammenarbeit abgelaufen ist, verrät Rolf Barth:


Wie haben Sie die Kinder an das Schreiben herangeführt?

Wir sind jetzt alle Schriftsteller, wir sind Illustratoren – das war das Thema in der ersten Sitzung. Die Kinder haben ein Vokabelbuch bekommen, in das sie ihre Ideen reinschreiben oder malen konnten; denn ein richtiger Autor muss immer ein Heft dabei haben, damit er seine Ideen sammeln kann. Eine Woche später war das Heft voll. Die Kinder hatten bereits ganz bestimmte Vorstellungen davon, was sie sich wünschen würden, wenn sie selber ein Buch machen. Am Anfang haben wir zusammen eine Art Genre-Diskussion geführt. Es sollte ein Krimi werden, der lustig ist und Elemente eines Kampfes enthält. Im Anschluss haben wir uns den Charakteren gewidmet und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt: Was ist das Besondere bei dir? Was ist dein Naturell? Was glaubst du, was du nicht so gut kannst? Wir wollten, dass sich die Kinder in den Charakteren wiederfinden.


Wie haben Sie die Kinder motiviert?

Wir haben zunächst an Haltungen und Ausdrücken gearbeitet und geguckt, was das bedeutet. Wie sehen die Figuren aus? Wie gucken die? Für die angehenden Autorinnen und  Autoren war von besonderer Bedeutung, dass sie selber in dem Buch vorkommen.
Die projektbegleitende Medienarbeit motivierte zusätzlich. Wenn sie in der Zeitung abgebildet waren und gezeigt wurde, was für ein tolles Projekt sie machen, waren sie natürlich stolz.


Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem Tablet?

Zuerst wurde ganz klassisch auf Blöcken gemalt. Nachdem sie ihre Entwürfe zu Papier gebracht hatten, ging es zur Feinarbeit am Tablet weiter. Die Möglichkeit, die Bilder innerhalb von Sekunden zu bearbeiten und z.B. Köpfe auszuwechseln, faszinierte sie besonders. Wir haben außerdem gemeinsam eine Homepage entwickelt, auf der jeder seine Ideen für die Weiterentwicklung der Geschichte eintragen konnte. So standen wir mit den Kindern über unsere Treffen hinaus ständig in Kontakt.


Wie haben Sie die Kinder bei Laune gehalten, wenn es mal schwierig war?

Uns war wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass wir uns Zeit nehmen und in Ruhe arbeiten können. Wenn es mal ganz speziell war, haben wir mit den Kindern gesungen. Dirk hat immer seine Gitarre dabei gehabt. Oder wir haben Lockerungsübungen gemacht, damit alle wieder mehr zu sich kommen.


Was nehmen Sie persönlich mit?

Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Brillanz die Kinder an die Aufgaben herangehen, wenn man sich auf sie einlässt. Wie sie überschäumen vor Ideen. Auch diejenigen mit einbinden zu können, die in der Ecke sitzen. Das hat großen Spaß gemacht. Dirk Trageser, Herr Wolke und ich sind da ein eingespieltes Team. Natürlich haben wir uns sehr gefreut, dass wir mit dem „Buchmachen“ – also mit einem anachronistischen Medium – die Kinder erreichen.


Rolf Barth, Dirk Trageser und Herr Wolke sind immer auf der Suche nach Bündnispartnern, denen es ebenfalls ein Anliegen ist, Kinder für die besondere Welt der Bücher zu begeistern. Mehr Informationen: www.traum-salon.de sowie: www.rolf-barth.de

Über weitere Projekte des Deutschen Bibliothekverbandes e.V. informiert die Webseite www.lesen-und-digitale-medien.de

Fotos: Fouqué-Bibliothek – Stadt Brandenburg an der Havel